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Corona-Politik Erhoffte Lockerungen für die Kultur in Bayern bleiben aus

Enttäuschung für Bayerns Kulturschaffende: Die in Aussicht gestellten Corona-Lockerungen werden zunächst um eine Woche verschoben. Der Chef der Bayerischen Staatskanzlei Florian Herrmann sieht darin jedoch eine Perspektive.

19.03.2021, Bayern, München: Der leere Theatersaal von den Münchner Kammerspielen. Theater, Kinos, Biergärten, Konzertsäle und die Außengastronomie in München werden in der Woche ab dem 22.03.2021 nicht öffnen. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bildquelle: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Bildquelle: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Anders als erhofft bleiben die Corona-Beschränkungen für die Live-Kultur in Bayern zunächst bestehen. Angesichts der Unsicherheit, die von der mittlerweile dominierenden Omikron-Variante ausgehe, habe man sich entschlossen, mit möglichen Lockerungen noch eine Woche zu warten, erläuterte Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann in einer Pressekonferenz am Montag. Derzeit dürfen in Bayern Theater und Konzertsäle mit 25 Prozent und mit Kontrolle der 2G Plus-Regel besetzt werden. Viele Kulturschaffende und -veranstalter hatten auf eine Erhöhung auf 50 Prozent gehofft.

Zunächst die Lage in den Krankenhäusern beobachten

Die geringe Auslastung ist gerade für freie, nicht subventionierte Veranstalter wirtschaftlich schwer vertretbar. Doch: "Wir wollen eine Perspektive bieten für Bereiche, die aktuell eingeschränkt sind", erläutert Herrmann weiter. Die Auswirkungen der Omikron-Welle auf die Belastungen der Krankenhäuser soll noch eine weitere Woche beobachtet werden und dann noch einmal über eine 50-prozentige Auslastung der Säle entschieden werden. Die erneute Verzögerung überrascht. Kunstminister Bernd Sibler hatte vergangene Woche Lockerungen für die Kultur in Aussicht gestellt und auch Studien zeigen eine eher geringe Infektionsgefahr in Kulturveranstaltungen.

Empörung über Ungleichbehandlung der Kultur

Dass diese nun doch nicht kommen, leuchtet dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nicht ein: "Ich hielte es für absolut vertretbar, zumindest die Zuschauerkapazität unserer Kultureinrichtungen bei den strengen Hygieneauflagen entsprechend zu erhöhen, um hier wenigstens für ein wenig Entlastung zu sorgen", sagte Reiter der dpa am Montag. Er bedauere, dass die "Ungleichbehandlung von Kulturbetrieben und Gastronomie in Bezug auf die Corona-Maßnahmen" nun fortbestünden. Die Kritik zielt auf die 2G-Regel, die in Gaststätten und Restaurants im Gegensatz zur strengeren 2G Plus-Regel bei Kulturveranstaltungen gilt. Auch Wolfgang Heubisch (FDP) zeigte sich auf Twitter verärgert: "Es bleibt alles beim Alten, die Kultur bleibt der Hauptverlierer der Pandemie." Lakonisch reagiert hingegen Lucius A. Hemmer, Intendant der Nürnberger Symphoniker: "Wenn man weiterhin jeden Besuch im Restaurant besserstellt, bleibt uns nur noch, während unserer Konzerte auch Schäufele und Schweinebraten zu servieren."

Sendung: "Leporello" am 17. Januar 2022 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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Montag, 17.Januar, 15:52 Uhr

Wilfried Schneider

KEINE LOCKERUNGEN FÜR DIE KULTUR IN BAYERN

Söder, Sibler, Herrmann und all den anderen kulturfeindlichen CSU-Herrschern ins Stammbuch: wer die Kultur zerstört, zerstört die Demokratie! Für ihren Feldzug gegen Kultureinrichtungen und, ja, auch Hochschulen und Universitäten, gibt es nur eine schlüssige Erklärung: Bildung und Kultur wird als Gefahr für deren Herrschergelüste gesehen. Es ist zu hoffen, dass ihre Kulturverhinderungspartei bei der nächsten Landtagswahl eine entsprechende Quittung bekommt. Studien und Erfahrungswerte, die zeigen, dass das Ansteckungsrisiko in Kultureinrichtungen faktisch gegen Null geht, interessieren nicht, werden wohl weder gelesen noch verstanden. Menschen, die über den Bayern-München-Tellerrand hinausschauen, haben - leider - keine Lobby! Die Behauptung, Bayern sei ein Kulturstaat, ist zur Lüge verkommen!

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