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30 Jahre Kissinger Sommer Mittler zwischen Ost und West

Ein beschaulicher Kurort, nah gelegen an der Grenze zur damaligen DDR: Das war Bad Kissingen im Jahr 1986. Mit der Gründung des "Kissinger Sommers" verwandelte sich der Ort - und auch seine geografische Rolle. Jetzt feiert das Festival sein 30-jähriges Bestehen.

Regentenbau in Bad Kissingen | Bildquelle: © Feuerpfeil Verlags GmbH

Bildquelle: © Feuerpfeil Verlags GmbH

1985 entstand die Idee: In Bad Kissingen, in unmittelbarer Nähe zur damaligen DDR, sollte die Kultur aufblühen und die Grenzgebiete, in denen sich im Kalten Krieg Westen und Osten belauerten, mit musikalischem Leben erfüllen - letztlich aber auch Brücken zwischen den "Blöcken" bauen. 1986 fand er dann statt: der erste Kissinger Sommer, auf die Beine gestellt von der Gründungsintendantin Kari Kahl-Wolfsjäger. Nach dem Jubiläumsfestival in diesem Jahr gibt sie ihren Posten an den neuen Intendanten Tilman Schlömp ab.

Ein Kurort als Anfang vieler Weltkarrieren

Von Anfang an legte Kari Kahl-Wolfsjäger den Grundstein für den künftigen Erfolg mit einer wichtigen Weichenstellung: der Kombination von Weltklasse-Musikern und -orchestern mit hochtalentierten Nachwuchskünstlern. Gleich die ersten Konzerte im Regentenbau ließen aufhorchen: Zu Gast waren unter anderem René Kollo, Peter Schreier, Frank Peter Zimmermann, Krystian Zimerman und Rudolf Buchbinder. "Ich hatte sicher ein Gespür für Strömungen", erzählt Kari Kahl-Wolfsjäger. "Und vor allem ein gutes Ohr für junge Künstler", fügt sie hinzu.

Die Stars von Morgen zu entdecken, das war eigentlich immer mein Hauptanliegen.
Kari Kahl-Wolfsjäger, Intendantin

Lang Lang als Dauergast

Später gaben immer wieder junge unbekannte Musiker in Bad Kissingen ihr Debüt und blieben dem Festival auch treu, nachdem ihre Karriere sie in die großen Weltmetropolen geführt hat: darunter Diana Damrau, Ruth Ziesak, Christiane Oelze oder in jüngerer Zeit Nikolai Tokarev und Igor Levit. Und nicht zuletzt: "Lang Lang hat seine erste feste Stelle in Kissingen gehabt", erinnert die Intendantin. Auch als er ein großer Star geworden war, kehrte Lang Lang fast jedes Jahr nach Bad Kissingen zurück. Am 25. Oktober wird er zum Abschluss des diesjährigen Kissinger Sommers einen Soloabend geben.

Konzertsaal mit grandioser Akustik

Max Littmann Saal | Bildquelle: © Feuerpfeil Verlags GmbH Max Littmann Saal | Bildquelle: © Feuerpfeil Verlags GmbH Neben den Künstlern trug aber vor allem auch der Ort zum großen Erfolg des Festivals bei: Bad Kissingen mit seiner stilvollen Bäderarchitektur. Im Zentrum - zwischen Rosengarten, Kurpark und der idyllisch dahinfließenden Saale - steht das Wahrzeichen der Stadt: der Regentenbau, ein Ensemble aus Konzertsälen, Bibliothek, Café und Säulengängen zum Flanieren, erbaut zwischen 1838 und 1913 auf Initiative der bayerischen Könige. Der erste historisch belegte Kurgast in Bad Kissingen war 1520 der Domdekan von Würzburg. Im 19. Jahrhundert kam der Hochadel Europas an die fränkische Saale - darunter auch der österreichische Kaiser und der russische Zar. Im jüngsten Gebäude des Kurensembles, erbaut 1913 nach Plänen des Münchner Architekten Max Littmann, befindet sich der große Konzertsaal mit seiner Vertäfelung aus handgeschnitztem Kirschholz - für Sir Roger Norrington einer der drei besten Säle weltweit. Und auch Starsängerin Waltraud Meier bezeichnete den Saal als Juwel.

Es macht einfach riesengroße Freude, hier zu singen.
Waltraud Meier, Mezzosopranistin

Hochkarätiges Programm mit Daniel Hope und Igor Levit

Pianist Igor Levit | Bildquelle: © Felix Broede Pianist Igor Levit | Bildquelle: © Felix Broede Auch im Jubiläumsjahr geben sich die Klassik-Stars in Bad Kissingen vier Wochen lang die Klinke in die Hand: So konzertiert unter anderem Daniel Hope mit dem Staatlichen Akademischen Symphonieorchester der Russischen Föderation, Klaus Florian Vogt mit den Münchner Philharmonikern, Daniil Trifonov mit den Bamberger Symphonikern, Philippe Jaroussky mit dem Barockensemble Artaserse. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks - seit Jahrzehnten gefeierter Stammgast beim Kissinger Sommer - kommt mit Dirigent Rafael Payare und dem Pianisten Piotr Anderszewski. Und auch Igor Levit gibt ein Klavierrecital - jener Igor Levit, der seine großartige Karriere als vielversprechender Preisträger des Kissinger Klavierolymps begann.

30 Jahre Kissinger Sommer

ab dem 24. Juni 2016
in Bad Kissingen

Alle Informationen zum diesjährigen Programm finden Sie hier.

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