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Kritik - "Die Krönung der Poppea" in München Hemmungslose Liebe in Springerstiefeln

Mit "L’incoronazione di Poppea" um Kaiser Nero und seine Geliebte schuf Monteverdi den Prototyp aller späteren Opern: Machtgier, Eifersucht, Intrige und Mord - und über allem schwebt die Sehnsucht nach Liebe. Das Münchner Ensemble "cosi facciamo" hat das Werk erarbeitet, am Mittwoch feierte es im Münchner Cuvilliés Theater Premiere.

Szenenbild aus "Die Krönung der Poppea" cosi facciamo | Bildquelle: © Hermann Posch

Bildquelle: © Hermann Posch

Lederjacke und rote Springerstiefel

Gegen die Liebe ist der Mensch einfach nicht gefeit - und das wird hier schnell klar. Martina Veh lässt ihre Figuren in "L’incoronazione di Poppea" angenehm menscheln, im Hier und Jetzt und mit klarer Rollenverteilung: Nero als prolliger Gigolo mit schwarzer Lederjacke und roten Springerstiefeln, Poppea als listige Verführerin im weißen Negligee, Ottavia als biedere Ex in rotem Kleid. Hauptrequisiten sind vier große schwarze Holzkisten, die auf der Innenseite mit unzähligen kleinen Glühbirnen bestückt sind. Frei auf der Bühne verschiebbar dienen sie als Raumteiler, Trennwand und Lichtquelle.

In dieser offenen, abstrakten Bühne kann sich nun munter und ganz unabstrakt ausgelebt werden. Dabei fallen besonders die kleinen schauspielerischen Details auf, mit denen die Sänger den jeweiligen Charakter formen - gerne auch mal mit komischen Elementen. Aber der Bogen wird nie überspannt, stets die Spannung zum Tragischen gehalten. Poppeas einstiger Geliebter Ottone ist zum Beispiel in seiner Hilflosigkeit durchaus lustig angelegt, den Schmerz über die unerwiderte Liebe nimmt man ihm trotzdem ab.

Sänger von Musikern umkreist

Da von Claudio Monteverdi nur die Gesangs- und eine Bassstimme überliefert sind, bleibt dem Ensemble viel Freiraum. Cosi facciamo hat sich für sieben Musiker entschieden, geleitet von Hans Huyssen am Cello. Auf der Bühne um die Szene herum platziert, sind sie immer Teil des Geschehens - mal mit witzigen Reaktionen auf die Texte, mal mit einer eigens hinzugefügten Tarantella, die den wahnhaften Trieb der Poppea illustriert. Stephanie Krug braucht zwar ein wenig, um mit der Titelpartie  warm zu werden - im Laufe des Abends singt sie sich hörbar frei. Das gilt auch für den Rest des Solistenensembles, angeführt von Christian Sturm als Nerone und einem wunderbar schmierigen Carsten Fuhrmann als Diener Arnalto.

Monteverdis Anliegen geglückt umgesetzt

Der Mensch ist einfach widersprüchlich, zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, zur schwärzesten Rache ebenso fähig wie zur hemmungslosen Liebe. Das ohne moralisierenden Unterton zu zeigen und damit auf der Höhe seiner Zeit zu unterhalten, war das Anliegen von Monteverdi - und das ist auch dieser Produktion geglückt.

"Die Krönung der Poppea" - Termine in München

Cuvilliés-Theater

Freitag, 15. April 2016, 20.00 Uhr
Samstag, 16. April 2016, 20.00 Uhr
Sonntag, 17. April 2016, 20.00 Uhr

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