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Kritik – "Madame Butterfly" an der Wiener Staatsoper Ein vorprogrammierter Erfolg

Nach sechsmonatiger Spielpause konnte die Wiener Staatsoper ihre Spielzeit am Montagabend starten – mit Puccinis "Madame Butterfly" in der für Wien neuen Inszenierung von Anthony Minghella aus dem Jahr 2005. Mit dabei: Shootingstar Asmik Grigorian in der Titelpartie und der neue Musikdirektor Philippe Jordan. Allerdings ließ der Jubel alle Hygieneregeln hinter sich.

Szene aus "Madame Butterfly" an der Wiener Staatsoper, Premiere am 7. September 2020 | Bildquelle: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Bildquelle: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Die Kritik zum Anhören

393 Vorstellungen hatte die alte Inszenierung von Josef Gielen aus dem Jahr 1957 auf dem Buckel gehabt und ist jetzt als erste einer geplanten Reihe alter Produktionen ersetzt worden. Die Staatsoperndirektion war mit Anthony Minghellas mittlerweile auch schon 15 Jahre alter Inszenierung auf Nummer sicher gegangen. Sie hatte schon bei ihrer Premiere an der English National Opera in London für große Begeisterung und ein volles Haus gesorgt, ebenso als die Metropolitan Opera New York damit ihre Saison eröffnet hatte.

Hollywood lässt grüßen

Szene aus "Madame Butterfly" an der Wiener Staatsoper, Premiere am 7. September 2020 | Bildquelle: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn In der Titelpartie: Asmik Grigorian als verarmte Geisha ChoCho San | Bildquelle: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Der 2008 verstorbene Minghella setzte auf ein strenges, ja fast spartanisches Bühnenbild: Boden und Decke sind anthrazitfarben und verspiegelt. Schwarz gekleidete Gestalten bringen die notwendigsten Requisiten auf die Bühne und tragen sie wieder weg. Paravents werden verschoben und markieren die einzelnen Spielstätten. Da spiegeln sich leuchtende Lampions und an langen Stangen flatternde Papiertauben sowie alle Auf- und Abtritte der Protagonisten in der Decke wider. Es ist eine bunte, gespiegelte Welt, in der die Farben blitzblau, orange und blutrot dominieren. Da lässt der Filmregisseur aus Hollywood grüßen. Dazu kommen die unglaublich opulenten Kostüme von Han Feng und die Choreografie von Minghellas Frau Carolyn Chao.

Kind wird durch Puppe ersetzt

Szene aus "Madame Butterfly" an der Wiener Staatsoper, Premiere am 7. September 2020 | Bildquelle: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Wird von der britischen Avantgarde-Truppe Blind Summit Theatre als Puppe gespielt: ChoCho Sans kleiner Sohn | Bildquelle: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Für den amerikanischen Marineoffizier Pinkerton ist es ein amouröser Spaß, als er die verarmte Geisha ChoCho San heiratet. Am Ende hat er ihr alles genommen: Herz, Ehre und das letzte, was ihr noch verblieben ist: das gemeinsame Kind. Ihr bleibt nur noch der Freitod durch des Vaters Dolch. ChoCho Sans kleiner Sohn wird nicht wie üblich von einem wirklichen Kind gespielt, sondern von einer Puppe, die von der britischen Avantgarde-Truppe Blind Summit Theatre bewegt wird. Und es erstaunt, wie sehr Blicke und Gesten einer hölzernen Handpuppe zu Herzen gehen können.

Asmik Grigorian in der Titelparie

In der Titelpartie agiert die derzeit in aller Welt gefeierte Asmik Grigorian. Von der Salzburger Salome und Chrysothemis nach Wien als ChoCho San. Asmik Grigorians Gestaltung ist packend und rührend, wie erwartet. Sie gibt alles und stimmlich manchmal noch etwas mehr, was sich mit etlichen scharfen Höhen rächt.

Ihr zur Seite: der britisch-italienische Tenor Freddie De Tommaso – seit dieser Saison Ensemblemitglied des Hauses. Mit einer Bombenstimme und unerschütterlichen Höhen. Man darf sich auf weitere Partien freuen. Der russische Bariton Boris Pinkhasovich debütierte als Sharpless und wurde mit einem riesigen Applaus belohnt, ebenso wie Virginie Verrez als Suzuki. Wie man überhaupt sagen muss, dass auch die kleinen Partien erstklassig besetzt waren. Am Pult des Staatsopernorchesters brillierte Philippe Jordan – ein gelungener Auftakt einer neuen Ära.

In Salzburg strengere Kontrollen

Szene aus "Madame Butterfly" an der Wiener Staatsoper, Premiere am 7. September 2020 | Bildquelle: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Szene aus "Madame Butterfly" an der Wiener Staatsoper | Bildquelle: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Man kann das Wiener Publikum ruhig dazu ersuchen, zu seiner Sicherheit nicht "Bravo" zu rufen. Wenn man es aber so begeistert wie gestern, pfeift es auf herumfliegende Aerosole und gibt seinem Enthusiasmus lautstark Ausdruck. Eine kritische Anmerkung zum Schluss: Zahlreiche Besucher trugen die Masken nicht wirklich als Mund-Nasenschutz. Bei den Salzburger Festspielen achtete das Saalpersonal da strenger auf das Einhalten der Regeln. Und dass am Ende nur die Hauptausgänge geöffnet wurden, vor denen sich dann natürlich Staus bildeten, lässt den Besucher auch fragend zurück.

Sendung: "Allegro" am 8. September 2020 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (2)

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Samstag, 12.September, 10:37 Uhr

B Schepens

Asmik Grigorian

I know at least two productions with Asmik as Madama Butterfly, created before the production in Wien:
- Stockholm
- Rome
So it's not correct that it was her role debut as ChoCho San in Wien

BR-KLASSIK: Vielen Dank für den Hinweis, der Fehler wurde korrigiert.

Dienstag, 08.September, 15:54 Uhr

jürgen haas

mme butterfly staatsoper wien

tv Übertragung new york ganz große klasse - tv wien etwas enttäuschend.
vielleicht weil bühne einfach zu klein ist bezw. die Umsetzung nicht
gelungen war.
stimmen wunderbar - make up schlecht, mme Butterflys gesicht eher
störend - hätte mit einem Geisha makeup überzeugender sein können.
trotzdem ein lichtblick!

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