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Streik der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen Protest gegen ungerechte Arbeitsbedingungen

Viele Lehrbeauftragte an Musikhochschulen haben Angst vor der Zukunft - ihre Arbeit wird als befristeter Nebenjob gewertet, daher fehlt ihnen die soziale Absicherung. Dabei unterscheiden sich die Aufgaben der Dozenten nicht wesentlich von denen der hauptamtlichen Kollegen. Jetzt kämpfen die Benachteiligten um mehr Rechte - mit einem Streik.

Schild der Musikhochschule München | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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"Wir übernehmen im Prinzip die gleichen Aufgaben wie hauptamtliche Kollegen", sagt Andreas Begert. Der 27-Jährige ist ausgebildeter Schulmusikpädagoge und unterrichtet als Lehrbeauftragter das Fach Schulpraktisches Klavierspiel an der Münchner Musikhochschule. Die Arbeit der Lehrbeauftragten unterscheide sich im Wesentlichen nicht von den Aufgaben, die hauptamtliche Dozenten und Professoren ausüben, betont Begert: "Wir leisten Pflichtfachunterricht, Hauptfachunterricht und Nebenfachunterricht." Die Arbeitsbedingungen für Lehrbeauftragte sehen jedoch deutlich anders aus.

Keine Absicherung im Krankheitsfall und Altersarmut

Die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragen setzt sich seit Jahren für besser Arbeitsbedingungen ein. Allen voran geht es um die nicht vorhandene soziale Absicherung: Rechtlich gesehen sind Lehraufträge nur auf ein Semester befristete Nebenjobs, ohne Verdienst im Krankheitsfall und ohne Rentenanspruch. Viele der insgesamt rund 270 betroffenen Lehrbeauftragten allein in München fürchten sich vor Altersarmut.

Ministerium: Lehrbeauftragte wissen, worauf sie sich einlassen

Der Lichthof in der Musikhochschule in München | Bildquelle: picture-alliance/dpa Musikhochschule München | Bildquelle: picture-alliance/dpa Nach 30 Jahren der Stagnation hat das Bildungs-und Wissenschaftsministerium auf die schwierige finanzielle Situation für die Lehrbeauftragten reagiert. "Ab 2015 wurde im Haushalt jeweils eine Millionen Euro pro Jahr zusätzlich investiert", sagt Pressesprecher Ludwig Unger. Dadurch hätten die Hochschulen wieder mehr Geld für Lehrbeauftragte und könnten höhere Honorarsätze bezahlen. "Ich verstehe, dass Lehrbeauftragte durchaus den Wunsch nach mehr haben", räumt Unger ein, "das ist menschlich und nachvollziehbar. Aber auf der anderen Seite ist die Situation auch so, dass sich die Lehrbeauftragten auf eine arbeitsrechtliche Situation bewusst auch mit ihrer Unterschrift eingelassen haben."

Realität ernüchternd

Die kleinen Lohnerhöhungen waren zwar ein positives Signal für die Betroffenen um Andreas Begert, doch die Realität sieht mittlerweile schon wieder ganz anders aus: "Letztes Jahr kam der Oberste Rechnungshof an die Hochschule und hat bemängelt, dass wir praktisch für Prüfungsstunden bezahlt wurden. Dies hätte nicht sein dürfen. Wir sollen in Zukunft dieses Prüfungsgeld nicht mehr direkt bekommen. Das ist für uns natürlich eine gravierende Verschlechterung."

Lehrauftrag ist keine Existenzsicherung

Hochschulpräsident der Hochschule für Musik und Theater Bernd Redmann | Bildquelle: Hochschule für Musik und Theater Bernd Redmann, Präsident der Hochschule für Musik und Theater München | Bildquelle: Hochschule für Musik und Theater Allerdings sind nicht alle Lehrbeauftragten gleichermaßen betroffen. Bernd Redmann, der Präsident der Musikhochschule München kann unter seinen insgesamt 273 Lehrbeauftragten grob drei Gruppen ausmachen: Die erste bestehe aus jungen Lehrenden, die den Lehrauftrag nutzten, um Erfahrungen zu sammeln und sich eventuell auf eine feste Stelle zu bewerben. Zur zweiten Gruppe gehörten diejenigen, die woanders noch eine hauptamtliche Stelle hätten - beispielsweise in einem Orchester oder an einer Musikschule. Das entspreche genau den Vorstellungen der Politik. Diese verstehe den Lehrauftrag als freiberufliche Tätigkeit. Wirklich schwierig sei es für die dritte Gruppe: diejenigen, die ihre Existenz auf die Lehraufträge aufbauen. Hier würden in der Tat "die prekären Arbeitsbedingungen durchschlagen", so Redmann.

Streik geplant

Das Wissenschaftsministerium fordert, dass die rechtlichen Vorgaben für die Nebenberufler noch strikter eingehalten werden. So ist die Stundenzahl Lehrbeauftragter vom Arbeitgeber Freistaat Bayern strikt auf 10,75 Stunden pro Woche - und dies nur ein Semester lang - begrenzt. Lehrbeauftragen-Sprecher Andreas Begert schätzt, dass mindestens 50 Prozent der Lehrbeauftragten streiken werden - nicht nur in München, sondern auch an den Musikhochschulen in Nürnberg und Würzburg. "Wir wollen einfach mehr Geld, eine soziale Absicherung vom Staat und mehr Mitsprache in der Hochschule", fordert Andreas Begert im Namen der Lehrbeauftragten. Der Streik ist für den Zeitraum vom 13. bis 24. November angesetzt.

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Montag, 13.November, 08:45 Uhr

Prof.Dr. Hans-Jürgen Möller

Streik der Lehrbeauftragten der MUSIKHOCHSCHULE

Ich stimme den dargelegten Vorstellungen zu!

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