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Leopold-Mozart-Violinwettbewerb Augsburg Aus und vorbei

Der renommierte Leopold-Mozart-Violinwettbewerb in Augsburg steht vor dem Aus. Noch 2019 hatte er sein zehntes Jubiläum gefeiert und dafür tief in die Tasche gegriffen. Jetzt hat der Verein mit den finanziellen Folgen zu kämpfen.

Die drei Finalisten des 10. Internationalen Violinwettbewerbs Leopold Mozart in Augsburg 2019: Kaoru Oe (Japan), Karisa Chiu (USA) und Joshua Brown (USA) | Bildquelle: Christian Menkel

Bildquelle: Christian Menkel

Zehnmal hatte der Wettbewerb seit 1987 stattgefunden, zunächst alle vier Jahre, später alle drei. 2019 wollte man das Jubiläum und den gleichzeitigen 300. Geburtstag von Leopold Mozart gebührend feiern - und hat sich das einiges kosten lassen. Insgesamt 561.000€ kostete der Wettbewerb und hinterließ damit ein tiefes Loch im Budget des Vereins. Ein Loch, das das Leopold-Mozart-Kuratorium, der Träger des Wettbewerbs, aus Eigenmitteln begleichen musste.

Budget reicht nicht mehr aus

Obwohl diese Kosten laut dem künstlerischen Leiter Linus Roth geplant waren, reicht das Budget für den Wettbewerb 2022 nicht mehr. "Die dazu notwendigen Finanzmittel lassen sich bei der derzeitigen Lage infolge der Corona-Pandemie weder bei öffentlichen Haushalten noch bei privaten Sponsoren beschaffen", erklärte Paul Waning, der Vorsitzende des Leopold-Mozart-Kuratoriums, bei der letzten Mitgliederversammlung.

Corona verhindert Reisen

Der Geiger Linus Roth im Studio 2 des BR (Januar 2020) | Bildquelle: BR/Lisa Hinder Der Geiger und künstlerische Leiter des Leopold-Mozart-Wettbewerbs: Linus Roth | Bildquelle: BR/Lisa Hinder Für die elfte Ausgabe hatte der Verein laut der Augsburger Allgemeinen mit ähnlich hohen Kosten gerechnet. Dabei hätte es laut Linus Roth durchaus günstigere Varianten gegeben, wie er im Interview mit BR-KLASSIK sagt: "Man kann immer den Kostenfaktor neu überdenken. Ich habe das gleich nach dem Wettbewerb vor zwei Jahren getan. Ich habe neue Vorschläge gemacht, wie man es anders, eventuell günstiger machen könnte." Doch auch andere Faktoren spielen eine Rolle. So können etwa aufgrund der Corona-Pandemie viele junge Künstlerinnen und Künstler ihre Reise für einen solchen Wettbewerb nicht sicher planen.

Angeblich fehlende Strahlkraft

Vorwürfe, der Wettbewerb habe an künstlerischer Strahlkraft verloren, weisen sowohl Paul Waning als auch Linus Roth hingegen zurück. Isabelle Faust als erste Gewinnerin des Wettbewerbs zu haben, "ist natürlich ein unglaublicher Glücksfall." Auch gegen Vorwürfe, Musikwettbewerbe seien aus der Zeit gekommen, wehrt er sich:

Wir haben eben mit dem Leopold-Mozart-Wettbewerb angefangen, verkrustete Strukturen aufzubrechen.
Linus Roth

Neuorientierung des Kuratoriums

An der Entscheidung des Leopold-Mozart-Kuratoriums ändert das jedoch nichts. Stattdessen will sich dieses jetzt seinem zweiten Satzungszweck widmen: der Förderung der höheren Musikausbildung und damit dem Leopold-Mozart-Zentrum an der Universität Augsburg.

Sendung: "Allegro" am 10. Juni 2021 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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