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"Les vêpres siciliennes" an der Bayerischen Staatsoper Verdi auf Französisch

Mit Giuseppe Verdis "Sizilianischer Vesper" kommt ein Werk an die Bayerische Staatsoper zurück, das seit fast 50 Jahren nicht mehr auf dem Spielplan stand. 1969 wurde die Oper in italienischer Sprache aufgeführt, nun wird zum ersten Mal die französischsprachige Fassung im Münchner Nationaltheater gezeigt. Premiere ist am Sonntag, 11. März - BR-KLASSIK überträgt live.

Szene aus Les Vêpres Siciliennes | Bildquelle: Bayerische Staatsoper/W. Hösl

Bildquelle: Bayerische Staatsoper/W. Hösl

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Die Oper behandelt in freier Bearbeitung den historischen Aufstand gegen die französische Herrschaft unter Karl von Anjou, der am Ostermontag 1282, abends zur Vesperzeit in Palermo begann und rasch auf ganz Sizilien übergriff. Wenn sie überhaupt aufgeführt werden, erscheinen "Les vêpres siciliennes" von Giuseppe Verdi in der italienischsprachigen Zweitfassung als "I vespri siciliani". Verdi auf Französisch, das behagt nun einmal nicht allen.

Fürs Pariser Publikum geschrieben

Dabei hat Verdi nach "Rigoletto" und "Traviata", die seinen Ruf endgültig befestigt hatten, sehr gerne den Auftrag der Pariser Opéra, dem Zentrum der Opernwelt, angenommen. "Les vêpres siciliennes" wurde also eine Grand Opéra mit allem, was dazugehört: mit ausladenden Chornummern, pompösen Tableaus und reichlich Ballett, vor allem aber mit einem Konflikt, der eine private Liebesgeschichte zur gesellschaftlichen Situation in Kontrast bringt.

"Les vêpres siciliennes" als Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper

Regie: Antú Romero Nunes
Chöre der Bayerischen Staatsoper
Bayerisches Staatsorchester
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber

Besetzung:
Guy de Montfort - George Petean
Henri - Bryan Hymel
Hélène - Rachel Willis-Sørensen
Jean Procida - Erwin Schrott

Premiere: Sonntag, 11. März 2018.

Die Aufführung am Sonntag, 18. März 2018, wird ab 18:00 Uhr im Videostream live auf STAATSOPER.TV übertragen.
Informationen zu weiteren Terminen und zum Vorverkauf finden Sie auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper.

Eine Welt voller Verrat und Unterdrückung

Szene aus Les Vêpres Siciliennes | Bildquelle: Bayerische Staatsoper/W. Hösl Bildquelle: Bayerische Staatsoper/W. Hösl Verdis Grand Opera "Les vêpres Siciliennes“ handelt von einer politischen Intrige mit tödlichem Ausgang in einer düsteren Welt, in der es schwer ist, Loyalität und Verbündete zu finden. Es geht um den von Massakern begleitete Aufstand der Einheimischen gegen die französischen Besatzer im mittelalterlichen Palermo. Mittendrin: ein Tenor-Sopran-Gespann in komplizierter Liebesbeziehung, ein fanatischer Bariton-Patriot und ein starrsinnig-grausamer Vater als Herrscher. Giuseppe Verdi bildet eine Gesellschaft ab, die von Verrat und Unterdrückung dominiert wird. Regisseur Antú Romero Nunes sieht das Stück als Versuchsanordnung dessen, was Menschen fähig sind zu tun. Dabei war ihm daran gelegen, die Szenerie abstrakt zu halten.

Die Welt ist einfach eine ganz kleine düstere Vulkanwelt.
Regisseur Antú Romero Nunes   

Gespielt wird das Ganze auf einer großen Plastikfolie. Es sei unglaublich, was ein aufgeschnittener Müllsack für Bilder hervorrufen könne, sagt Nunes. "Das ist wirklich ein einziger Todeskampf von vorne bis hinten. und der bedeutet aber auch - ich nenne das so - einen Traum in Agonie. Alles ist so ein bisschen verschoben. Es ist wie der Traum eines ertrinkenden Jungen."

Ausgesprochen vielschichtige Verdi-Oper

Die manchmal als Auftragsarbeit geschmähte Musik des 1855 in Paris erstmals aufgeführten Fünfakters mit obligatorischem Ballett macht zwar Zugeständnisse an die glamouröse Konvention der Grand-Opéra. Sie zeugt aber von Verdis Meisterschaft - mit großformatig-leidenschaftlichen und auch extrovertiert-virtuosen Arien, Tanzrhythmen, komplexen Ensembles und aufrüttelnden Chören. "Les vêpres Siciliennes" ist ausgesprochen vielschichtig; selbst für Dirigent Omer Meir Wellber als ausgewiesenen Kenner von Verdis Opern sind die Zeitproportionen ein Thema.

Fordernde Rollen für die Sänger

Szene aus Les Vêpres Siciliennes | Bildquelle: Bayerische Staatsoper/W. Hösl Bildquelle: Bayerische Staatsoper/W. Hösl Seit dem Verdi-Jahr 2013 ist Bassbariton Erwin Schrott mit der Partie des fanatischen Freiheitskämpfers Procida vertraut. Damals sang er die Rolle in Stephan Herheims Inszenierung des Werks am Londoner Royal Opera House. Gesangstechnisch ist die Rolle sehr fordernd. Procida hat Überzeugungen und folgt ihnen kompromisslos. Für Erwin Schrott gibt es außerdem eine Verbindung zur Gegenwart. "Googeln Sie einfach Les vêpres siciliennes oder etwas über die Sizilianische Geschichte und lesen Sie, was da los war".

Wenn wir nicht aus der Vergangenheit lernen, werden wir dieselben Fehler wieder machen.
Erwin Schrott

Die Oper würde außerdem daran erinnern, was gerade in unserer Welt passiert. Das sei teilweise beängstigend, so Schrott, aber auch sehr erhellend. Denn es zeige, "was wir Menschen sind. Und in dem Moment, in dem wir das erkennen können, haben wir die Möglichkeit, uns zu verbessen. Wenn wir nicht aus der Vergangenheit lernen, werden wir dieselben Fehler wieder machen, und diejenigen, die die Konsequenzen tragen müssen, sind unsere Kinder."

Live aus der Bayerischen Staatsoper auf BR-KLASSIK

Am Sonntag, 11. März 2018, überträgt BR-KLASSIK die Premiere von "Les vêpres siciliennes" ab 18:00 live aus dem Münchner Nationaltheater.

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