BR-KLASSIK

Inhalt

Corona-Lockerungen in der Kultur Mehr Kapazität – wenig Wirkung

Statt Freedom Day nur wenige Lockerungen. Immerhin eine für die Kultur: Seit 19. März fällt die Kapazitätsbegrenzung bei Kulturveranstaltungen weg. Eigentlich eine gute Nachricht, doch in der Branche knallen die Sektkorken nicht wirklich.

halbvoller Saal | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Konzertveranstalter Andreas Schessl hätte es nicht besser planen können: Pünktlich zum Liederabend von Diana Damrau und Startenor Jonas Kaufmann in der Münchner Isarphilharmonie fällt endlich die Zuschauerbeschränkung. Zurück zur Normalität nach zwei Jahren Pandemie? Ganz so ist es dann doch nicht.

Keine Normalität im Konzert

Nach wie vor gibt es Zugangsbeschränkungen, Masken, und auch das Gefühl der Konzertbesucher scheint noch nicht wieder normal zu sein. "Uns wurde zwei Jahre lang gesagt, wie gefährlich das Ins-Konzert-Gehen ist, und das ist schlecht für uns", erklärt Schessl. Denn selbst wenn es wissenschaftlich nicht bewiesen sei, so hätten die Menschen es doch im Hinterkopf.

Viele Musikerinnen und Musiker in Quarantäne

Leere Orchesterpulte | Bildquelle: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel Viele Musiker und Künstler sind in Corona-Quarantäne. Veranstalter werden dadurch vor große Probleme gestellt. | Bildquelle: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel Vor der Pandemie veranstaltete Andreas Schessl mit seiner Agentur "MünchenMusik" rund 600 Konzerte im Jahr. Die Saison 2020/2021 fiel fast komplett ins Wasser, in dieser hofft Schessl wenigstens wieder auf 300 Konzerte – jetzt mit vollem Zuschauerraum. Doch zur Zeit fehlt es dafür oft an Menschen auf der Bühne und im Orchestergraben. Viele Musiker*innen und Künstler*innen sind in Corona-Quarantäne. Ein großes Problem für die Veranstaltenden, denn immer wieder müssen sie so Konzerte kurzfristig absagen oder ändern. "Wir sind alle sehr viel flexibler geworden, und es ist ein Wunder, was alles stattfinden kann", sagt Schessl. Jahre im Voraus geplante Konzerte werden innerhalb kürzester Zeit durch andere ersetzt. Auch der Verein Weidener Meisterkonzerte musste vergangene Woche ein Chorkonzert coronabedingt absagen. Schon am nächsten Tag stand das Ersatzprogramm. Verglichen mit anderen Veranstaltern kamen und kommen die Weidener Meisterkonzerte gut durch die Pandemie, erzählt Vorstand Christoph Thomas. Von der neuen 100-Prozent-Auslastung könne man aber kaum profitieren, da der Saal bei Kammermusik nie voll sei. "Wir merken aber, dass unser Publikum sehr gerne wieder zu uns kommt und sich freut."

Finanzielle Hilfen helfen bedingt

Coronahilfen, Symbolbild | Bildquelle: picture alliance / Eibner-Pressefoto Die finanziellen Hilfen des Staates kommen nicht bei allen an. | Bildquelle: picture alliance / Eibner-Pressefoto Viele Konzertveranstalter*innen schauen hoffnungsvoll nach Österreich und die Schweiz, wo das Publikum nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen wieder die Konzertsäle füllt. Was jedoch bleibt, sind die tiefen finanziellen Krater, die die Pandemie geschlagen hat. Die versprochene Hilfe des Staates gibt es zwar und ist bei Veranstaltern wie Andreas Schessl und MünchenMusik auch angekommen, andere konnten jedoch kaum davon profitieren. "Wir haben versucht, diese staatlichen Hilfen anzufragen, ich muss aber sagen, wir sind gescheitert", beklagt Andrea Fessmann. Sie organisiert aus der oberbayerischen Gemeinde Iffeldorf heraus Konzerte, die Iffeldorfer Meisterkonzerte. Die Anforderungen und die Formulare hätten sie und ihre Mitarbeiter an die Grenzen gebracht. "Wir sind alle ehrenamtlich tätig, haben zu dritt über den Formularen gesessen und ganz ehrlich: Wir haben aufgegeben an manchen Stellen", erzählt sie.

Man muss Mut haben weiterzumachen und zu vertrauen, dass es besser wird.
Konzertveranstalterin Andreas Fessmann

Natürlich ist auch Andrea Fessmann wie viele ihrer Kollegen froh, wieder vor vollem Publikum spielen zu können. Von Normalität oder einem postpandemischen Kulturaufbruch ist aber auch sie weit entfernt. Dazu brauche es noch mehr, meint sie. Etwa eine Gleichstellung mit der Gastronomie, eine Auflösung von 2G, die allen Menschen wieder Zugang zu Kultur verschaffe und bis dahin vor allem eines: Mut. "Man muss einfach Mut haben weiterzumachen und zu vertrauen, dass es besser wird. Mut ist immer noch angesagt."

Sendung: Allegro am 21. März 2021 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (0)

Kommentieren ist nicht mehr möglich.
Zu diesem Inhalt gibt es noch keine Kommentare.

    AV-Player