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Wegen Corona-Krise Metropolitan Opera stellt Musiker ohne Bezahlung frei

Die Metropolitan Opera in New York zieht Konsequenzen aus der derzeitigen Coronakrise. Intendant Peter Gelb verkündete das Ende der laufenden Spielzeit. Diese Entscheidung hat auch personelle Folgen: Während die Führungsetage auf einen Teil ihres Lohns verzichtet, werden Chor und Orchestermusiker freigestellt und erhalten ab April keinen Lohn mehr.

Das Lincoln Center mit Springbrunnen  | Bildquelle: dpa picture alliance

Bildquelle: dpa picture alliance

Aufgrund der coronabedingten Einstellung des Spielbetriebs bekommen die Orchestermusikerinnen und -musiker sowie die Sängerinnen und Sänger des Chors der Metropolitan Opera in New York nur noch bis Ende des Monats ihr Gehalt ausbezahlt. Das meldete gestern die New York Times auf ihrer Website. Auf Anfrage von BR-KLASSIK bestätigte die Met, dass Chor- und Orchestermitglieder zumindest im März weiter bezahlt werden. Für die Zeit danach will das Haus nur noch die Kranken- und Instrumentenversicherung des künstlerischen Personals übernehmen.

Berufung auf "höhere Gewalt"

Intendant Peter Gelb | Bildquelle: Brigitte Lacombe / Metropolitan Peter Gelb, Intendant der MET | Bildquelle: Brigitte Lacombe / Metropolitan Einem Bericht des National Public Radio zufolge, beruft sich Intendant Peter Gelb dabei auf eine Vertragsklausel, die auf die 1960er zurückgeht, bislang aber noch nie angewendet wurde: höhere Gewalt. Im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland werden in den USA Kulturinstitutionen wie Theater- und Opernhäuser nicht vom Staat subventioniert und müssen finanziell auf eigenen Beinen stehen. Aufgrund der ausbleibenden Zuschauereinahmen, seien ihm die Hände gebunden, rechtfertigt Gelb seine Entscheidung gegenüber der Times: "Wir versuchen für unsere Mitarbeiter das zu tun, was angesichts der finanziellen Lage möglich ist." Auch der Intendant selbst will in den kommenden Monaten auf sein Gehalt verzichten. Der restlichen Führunsetage stehen Lohnkürzungen von bis zu 50 Prozent bevor. Außerdem will die Met einen Spendenfonds einrichten und wirbt um die Unterstützung von Privatleuten. Nur auf die Weise, so Gelb, könne sichergestellt werden, dass die Oper nach ihrer Schließung wieder zum normalen Spielbetrieb zurückkehren könne.

Ein Beispiel für andere Häuser?

Die Kulturszene der USA verfolgt den Fall der Met mit großer Aufmerksamkeit. Immerhin handelt es sich um die - ihrem Budget nach - größte Bühne der USA. NPR zufolge befürchten zahlreiche Musikerinnen und Musiker anderer amerikanischer Kulturinstitutionen, dass die Krisenstrategie der Met auch an anderen Häusern Schule machen könnte.

Wie reagieren die Betroffenen?

Die Musikerinnen und Musiker der Met gehen mit der Situation bislang überraschend gelassen um. Jessica Phillips, Klarinettistin im Orchester, äußert in der Times Verständnis für die Entscheidung der Opernleitung und betonte, sie sei froh darüber, zumindest weiter krankenversichert zu bleiben. Gleichzeitig verweist sie auf den Fall eines Kollegen, der aufgrund der Freistellung nun getwungen sei, in sein Heimatland Costa Rica zurückzukehren. Sichtbar ist das Orchester momentan nur im Netz. Unter #MusicConnectsUs posten einzelne Musikerinnen und Musiker kleine Musikvideos in Sozialen Medien. Darunter auch Chefdirigent Yannick Nézet-Séguin. Wann sie von der digitalen wieder auf die reale Bühne zurückkehren, steht derzeit noch nicht fest.

Andere Opernhäuser, andere Lösungen

Andere amerikanische Häuser gehen kulanter mit ihren Mitarbeitern um: Die Lyric Opera of Chicago zahlt zumindest 10 Prozent des regulären Gehaltes weiter. Die Atlanta Opera hat allen, die während der laufenden Saison an geplanten Stücken beteiligt sind, die Gagen zugesichert. An der Houston Grand Opera sollen die Musikerinnen und Musiker bis zum Ende der Spielzeit die Hälfte ihres Gehaltes erhalten.

Kurzarbeit an europäischem Opernhaus

Während die Bayerischen Landes- und Staatstheater bisher keine Gehaltskürzungen für ihre Angestellten vorsehen, hat das Opernhaus Zürich auf die zu erwartenden Geldeinbußen mit Kurzarbeit reagiert. Die Beschäftigten sollen weiterhin 80 Prozent des ausfallenden Lohns bekommen.

Sendung: Allegro am 20. März 2020 um 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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