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Kritik – "Die Zauberflöte" in Augsburg Gelegentlich Witz, manchmal Klamauk

Für Puppentheater ist in Augsburg bekanntlich die Puppenkiste zuständig, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert. Als Jubiläumsinszenierung brachte sie erst vor wenigen Wochen Wagners Ring heraus. Auch eine "Zauberflöte" hat sie im Repertoire. Am 2. Dezember hatte diese Mozart-Oper am Augsburger Staatstheater Premiere. Und auch hier sieht man Puppen auf der Bühne - allerdings menschliche. Robert Jungwirth konnte Andrea Schwalbachs Inszenierung wenig abgewinnen, ließ sich aber von der Sängerriege überzeugen.

Bildquelle: Jan-Pieter Fuhr

Sarastro hält die Fäden des Spiels zusammen, an deren Enden die Figuren dieser "Zauberflöte" wie Marionetten baumeln. Selbst die Königin der Nacht ist eine Marionette Sarastros, die er nach ihrer Rachearie einfach von der Bühne trägt, aufs Sofa wirft und ihr sodann seine menschheitsverbrüdernde Hallenarie entgegenschmettert. Ein Puppentheaterdirektor mit dem Hang zu Menschenexperimenten. Tamino, Pamina und Sarastros Hofstaat dagegen sind keine Puppen, sondern richtige Menschen. Hat der seltsame Zauberer Sarastro das ganze eigenartige Spiel also nur für deren Prüfung ersonnen?

Rätseln über die Enträtselung

Auch 220 Jahre nach der Wiener Uraufführung ist Mozarts "Zauberflöte" noch immer voller Rätsel und bietet fraglos viele Möglichkeiten für spannende Inszenierungsideen. Ob die Inszenierung von Andrea Schwalbach allerdings eine wirkliche und gelungene Enträtselung darstellt, darüber wird man in Augsburg nach dieser Premiere wohl noch etwas länger rätseln.

Schnöseliger Upperclass-Heini und kumpelhafter Anarcho

Die Augsburger "Zauberflöte": Roman Poboinyi, Jihyun Cecilia Lee, Olena Sloia | Bildquelle: Jan-Pieter Fuhr "Teatro Sarastro" steht über einer von einem Jahrmarkt entliehenen Bretterbude. Manche Szenen spielen in diesem von Anne Neuser entworfenen durchaus originellen Brettertheater, andere davor. Die drei Damen des Beginns jedoch hausen in einer Art Untergrund oder Kanalisation, die von Stanley Kubrick inspiriert zu sein scheint. Recht schlau wird man daraus nicht. Wie aus vielem anderen in dieser "Zauberflöte" auch nicht. Warum sind die drei Damen gleichzeitig die Riesenschlange, die Tamino so einen gehörigen Schrecken einjagt? Führen auch sie ihrerseits Menschenexperimente durch? Gelungen ist, dass Tamino als schnöseliger Upperclass-Heini gezeichnet wird und Papageno als kumpelhafter Anarcho. Mehr entwickelt Andrea Schwalbach daraus allerdings leider nicht. Die gesprochenen Texte wurden neu geschrieben, mitunter durchaus witzig, manchmal auch nur klamaukig. Die Akustik in der Industriehalle im Martini-Park, die dem Theater Augsburg nach wie vor als Ausweichspielstätte dienen muss, ist hier noch dazu wenig hilfreich, gesprochene Sprache lässt sich nur schwer verstehen.

Man vermisst spannungsvolle Bögen

Im Gegensatz zu den szenischen Eigentümlichkeiten kann diese Zauberflöte musikalisch allerdings fast durchweg punkten. Jihyun Cecila Lee ist eine anrührende Pamina, Olena Sloia eine brillante Königin der Nacht. Wiard Witolt als Papageno beeindruckt mit Charakter in Stimme und Spiel – jenseits der bekannten Vogelfänger-Klischees. Guido Jentjens gibt einen zwar etwas nuscheligen, aber doch sicheren Sarastro. Am Pult hält Lancelot Fury die musikalischen Fäden souverän zusammen, mehr aber auch nicht. Akzente oder spannungsvolle Bögen vermisst man, was erstaunt, benutzen die Musiker der Augsburger Philharmoniker doch zum Teil sogar historisches Instrumentarium. Funken vermag Fuhry daraus nicht zu schlagen.

Sendung: Leporello am 03.12.2018 um 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

"Die Zauberflöte" in Augsburg

"Die Zauberflöte"
Oper in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart

Staatstheater Augsburg

Inszenierung: Andrea Schwalbach
Augsburger Philharmoniker
Leitung: Lancelot Fuhry

Informationen zu Terminen und Vorverkauf finden Sie auf der Homepage des Theaters.