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Die Münchener Biennale 2022 Lang lebe die Freundschaft

Die vergangenen zwei Jahre haben Freundschaften hart auf die Probe gestellt. Auch Beziehungen zwischen Staaten wurden stark belastet. Mit sechs Uraufführungen möchte das Intendantenteam Daniel Ott und Manos Tsangaris dieses Thema nun in den Vordergrund der Münchener Biennale stellen. Unter dem Motto "Good Friends" soll es im kommenden Jahr von allen möglichen Perspektiven betrachtet werden – live vor Ort und ohne Scheu vor politischen Hintergründen.

Daniel Ott und Manos Tsangaris – künstlerische Leiter der Münchener Biennale 2022 | Bildquelle: Manu Theobald

Bildquelle: Manu Theobald

"Manchmal geht es um Freundschaft in Anführungszeichen", erklärt Daniel Ott, einer der beiden künstlerischen Leiter des Festivals im Interview mit BR-KLASSIK. "Je mehr man betonen muss, wie gut die Freundschaften sind, desto mehr wird man als Betrachter hellhörig." Gemeint sind damit vor allem politische Freundschaften zwischen großen Nationen und kleineren Staaten, die nach außen hin nicht immer den Anschein erwecken, auf Beidseitigkeit zu beruhen. Aber auch Freundschaft im wortwörtlichen Sinn spielt bei der nächsten Münchener Biennale eine Rolle.

"Good Friends" als wertfreies und offenes Motto

"Speere Stein Klavier" bei Münchener Biennale | Bildquelle: A.T. Schaefer Daniel Ott und Manos Tsangaris streben einen flexibleren Begriff von neuem Musiktheater an. | Bildquelle: A.T. Schaefer In insgesamt sechs Uraufführungen widmet sich das Festival den unterschiedlichen Facetten von Freundschaft und bietet vor allem dem jungen komponierenden Nachwuchs eine Bühne. Entstehen werden die verschiedensten Interpretationen. Doch nicht nur in den Werken, sondern bereits in der Auswahl der Kunstschaffenden zeigt sich das Thema "Good Friends". "Wir haben bei den Anfragen oft in Paaren gedacht", erklärt Daniel Ott. Für die irische Komponistin Ann Cleare erfüllt sich sogar ein langjähriger Wunsch. Sie wollte schon lange mit der Schriftstellerin A. L. Kennedy zusammenarbeiten. Jetzt hat sie die Möglichkeit dazu. "Die beiden entwickeln ein Stück, wo es sowohl um das inner-großbritannische Verhältnis geht – das Verhältnis Schottland-Irland –, aber auch um das Verhältnis Brexit, also Insel-Europa".

Flexibler Begriff "Neues Musiktheater"

Neben der Auswahl der Musik wollen Daniel Ott und Manos Tsangaris den Begriff "Neues Musiktheater" flexibler gestalten: etwa durch besondere Spielstätten. Unter dem Arbeitstitel "Good Friends Club" findet so im Schweren Reiter eine interaktive Produktion statt, bei der die Zuschauer schon vor Beginn der Biennale Mitglied werden können. "Die beiden jungen Künstler*innen Lucia Kilger und Nicolas Berge wollen diesen Club schon frühzeitig im Internet und auf Social Media eröffnen", so Manos Tsangaris. Wie schon im vergangenen Jahr setzen die beiden Leiter ansonsten jedoch wenig auf digitale Angebote. "Wenn hybride Formate gedacht werden, dann müssen sie künstlerisch motiviert sein", betont Ott.

Wir lieben flexible Hierarchien
Manos Tsangaris, künstlerischer Leiter der Münchener Biennale

Freundschaft spielt aber auch im Vorbereitungsprozess für die nächste Münchener Biennale eine große Rolle. Für Daniel Ott bedeutet das, mit seinem Kollegen Manos Tsangaris auch einmal anderer Meinung sein zu können und sich dann damit auseinanderzusetzen. "Die Programme werden dadurch reichhaltiger und vielgestaltiger", meint er. "Wir lieben flexible, noch nicht mal flache, sondern flexible Hierarchien." Und das nicht nur an der Doppelspitze, sondern auch mit all den anderen Künstlerinnen und Künstlern.

Sendung: "Leporello" am 17. November 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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