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Münchner Musikhochschule Neue Maßnahmen gegen Machtmissbrauch

Auf die Verurteilung des ehemaligen Hochschulpräsidenten Siegfried Mauser wegen sexueller Nötigung waren Reaktionen von Seiten der Münchner Musikhochschule gefragt und gefordert. Erste Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch sind bereits wirksam.

Außenaufnahme der Hochschule für Musik und Theater | Bildquelle: BR / Fabian Stoffers

Bildquelle: BR / Fabian Stoffers

Vom Schlusslicht zum Klassenprimus - so lautet das erklärte Ziel von Hochschulpräsident Bernd Redmann. Wie lassen sich sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch an Hochschulen in Zukunft verhindern?

Wir sehen uns da in besonderer Verantwortung und wir sehen da auch eine besondere Last auf unserer Hochschule, die wir abtragen wollen.
Bernd Redmann

Nachdem 2016 die Vorwürfe gegen Siegfried Mauser erhoben wurden, rief die Rektorenkonferenz deutscher Musikhochschulen eine einschlägige Arbeitsgruppe ins Leben. Ein Jahr später wurde dann ein gemeinsamer Maßnahmenkatalog verabschiedet, der beispielsweise die Einführung von externen Beschwerdestellen oder Diskussionsveranstaltungen und Workshops zum Thema "sexuelle Diskriminierung" enthält. Die Münchner Musikhochschule hat daraufhin eine Richtlinie gegen Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch erlassen.

Kein Einzelunterricht mehr in Privaträumen

Bernd Redmann | Bildquelle: HMTM Bernd Redmann | Bildquelle: HMTM Den Maßnahmenkatalog der Rektorenkonferenz habe man vollumfänglich umgesetzt, so Redmann, man sei sogar schon einen Schritt weiter. Konkret sind damit zwei Maßnahmen gemeint, die so nicht in dem Katalog aufgeführt sind. Ab dem kommenden Sommersemester gilt: kein Unterricht mehr in Privaträumen. Dieses Verbot sei richtig und in dieser Zeit unabdingbar, um eine deutliche Trennung zwischen Privatem und Beruflichem herzustellen. Allerdings: Die große Raumnot an einigen Hochschulstandorten werde sich durch diese Maßnahme weiter verschärfen. Unterricht ausschließlich in Institutsräumen - das ist beispielsweise für die Hochschule für Musik, Theater und Tanz in Köln und für die Hochschule für Musik "Hans Eisler" in Berlin selbstverständlich, wie beide Häuser auf Anfrage bestätigten. Die Münchner Musikhochschule hat da nun also aufgeholt.

Orientierungsgespräche zur Sensibilisierung

Anfassen im Unterricht - pädagogisch durchaus legitim, ist gleichzeitig ein heikles Thema. Wann genau braucht es den Körperkontakt, damit der Lehrer seiner Studentin oder seinem Studenten die richtige Haltung vermitteln kann? Hier setzt man auf Offenheit: Orientierungsgespräche zwischen Lehrenden und Studierenden über dieses Thema sollen sensiblisieren - und sind ab dem kommenden Semester obligatorisch. Die Studierenden können lernen, Grenzen zu ziehen. Und auch den Dozenten gibt so ein Gespräch Sicherheit in der Frage: Was darf ich und was darf ich nicht?

Das ist ein nicht ganz einfaches Gespräch. Aber wir sind der Meinung: besser ein Gespräch führen als keins führen.
Bernd Redmann

Weiterentwickeln, nicht stehen bleiben. Das ist Redmanns Vorgabe für die Prävention gegen Machtmissbrauch. Denn als Hochschule stehe man "in besonderer Verantwortung für diese und zukünftige Generationen".

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