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Kunst und NS-Ideologie Die braunen Wurzeln der Musikhochschule Würzburg

Die Musikhochschule Würzburg hat ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet. "Fühlen, was deutsche Musik ist" ist der Titel des 500 Seiten starken Buchs, das der Autor Christoph Henzel jetzt vorstellt.

Schild der Hochschule für Musik in Würzburg | Bildquelle: wikimedia

Bildquelle: wikimedia

Brisanz hat die Forschungsarbeit des Musikhistorikers Christoph Henzel, weil dabei im Zentrum Hermann Zilcher als Begründer des Würzburger Mozartfestes steht. Von 1920 bis 1945 hat der Musikpädagoge und Komponist das damalige Bayerische Staatskonservatorium der Musik geleitet, den Vorläufer der heutigen Musikhochschule Würzburg.

Zusammenarbeit mit den Nazi-Schergen

Hermann Zilcher mit Ehefrau Margarete bei den Mozartfest-Vorbereitungen (1942) | Bildquelle: Stadtarchiv Würzburg Bildquelle: Stadtarchiv Würzburg

Henzel zufolge gibt es zahlreiche Belege für eine enge Kooperation Zilchers mit Gauleitung und NS-Oberbürgermeister. Um eine moralische Bewertung ist es ihm bei seiner sechsjährigen Forschungsarbeit jedoch nicht gegangen, sagt der Musikhistoriker. Anders sehen das die noch lebenden Nachkommen von Hermann Zilcher. "Schmerzlich" nennt die in Würzburg lebende Tochter Helga, wie Henzel jedes Wort ihres Vaters auf die Waagschale gelegt habe, ohne die damaligen Gegebenheiten zu kennen. Öffentliche Debatten um die Rolle Hermann Zilchers in der NS-Zeit hatte 2009 die Eröffnung der Landesausstellung "Wiederaufbau und Wirtschaftswunder" in der Würzburger Residenz ausgelöst. Dabei waren kurzfristig zwei Musikstücke von Hermann Zilcher vom Programm gestrichen worden. Als Spätromantiker stand der 1881 geborene Hermann Zilcher auf der "Gottbegnadeten"-Liste der wichtigsten Komponisten des NS-Staats. Das NSDAP-Mitglied war nach 1945 in einem Entnazifizierungsverfahren als "Mitläufer" eingestuft worden. Zilcher starb 1948.

Gründung des Mozart-Festes

Der Gründung des Würzburger Mozartfestes im Jahr 1921 durch Hermann Zilcher attestiert Musikhistoriker Christoph Henzel keine "braunen Wurzeln". Vielmehr sei es ähnlich wie bei den Salzburger Festspielen Motivation gewesen, das Publikum mit dem Rückgriff auf eine vermeintlich "heile Welt" die Schrecken vergessen zu machen, die der Erste Weltkrieg verursacht hatte.

Buchinfo

Christoph Henzel
"... fühlen, was deutsche Musik ist ...". Das Staatskonservatorium in Würzburg 1930-1950.
Seitenanzahl: 522
Preis: 68,00 EUR
Verlag Königshausen & Neumann

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