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Bayerische Musikschulen in Corona-Zeiten Nach der Krise ist vor der Krise

Rund 200.000 Musikschüler gibt es in Bayern. Verteilt auf über 200 Musikschulen, die coronabedingt wochenlang schließen mussten. Seit dem 11. Mai ist der Präsenzunterricht zwar wieder möglich. Trotzdem hat die Coronakrise ihre Spuren hinterlassen. Wegen des Unterrichtsausfalls müssen die Schulen immense Summen zurückzahlen, die angestellten Lehrer haben beträchtliche Teile ihres Gehalts verloren. Teilzeitkräften und Freiberuflern geht es mitunter sogar an die Existenz.

Musizierende Kinder mit Lehrerin | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die Kinderstimmen sind immer noch nicht zurückgekehrt in die Musikschule Gründwald. Seit März muss der Kinderchor pausieren. Gerade die musikalische Früherziehung leidet unter Corona. Und auch der reguläre Einzelunterricht musste wochenlang aussetzen – zu groß war die Gefahr der Ansteckung.

Hohe Rückforderungen 

Für den ausgefallenen Unterricht haben die Eltern das Recht, Gebühren zurückzufordern. Und viele tun das auch. So muss die Musikschule Unterhaching, eine der größten in Bayern, jetzt 210.000 Euro zurückzahlen. 96.000 Euro sind es bei der Musikschule in Grünwald. Gelder, von denen eigentlich die Lehrkräfte ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Die angestellten Lehrerinnen und Lehrer haben bereits durch Kurzarbeit Teile ihres Gehaltes verloren, Teilzeitkräfte sehen ihre Existenz bedroht. Markus Lentz, Leiter der Musikschule Grünwald und Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen, ist dankbar für das Engagement des Bayerischen Kunstministeriums, das eine Summe von 5 Millionen Euro für die Musikschulen in Aussicht gestellt hat. Das Ministerium sende damit ein wichtiges Zeichen an die Kommunen, glaubt Lentz: "Wirklich schwierig werden die Zeiten ja erst im nächsten Kalenderjahr, wenn die Gewerbesteuern einbrechen."

Wir müssen den Gemeinden klarmachen: Wir gehören zur Grundausstattung des kommunalen Angebots.
Markus Lentz, Vorsitzender des Bayerischen Sing- und Musikschulverbandes

Onlineunterricht: Nicht nur eine Frage der Ausstattung

Die Musikschule Grünwald reagierte vergleichsweise schnell auf die Krise: Durch die Bereitstellung von Software-Lizenzen und Geräten wurde vielen Lehrkräften der Onlineunterricht ermöglicht. Die meisten konnten ihre Schülerzahlen dadurch halten. An manchen Musikschulen hapert es aber vor allem an der Ausstattung der Schüler. Viele von ihnen haben gar keinen geeigneten Zugang zum Internet, erzählt Lentz. Auch manche Lehrkräfte sind privat nicht mit einem schnellen Internetzugang ausgestattet. Ihre Stellensituation ist unsicherer geworden, gibt auch Lentz zu. "Natürlich versucht man, die Lehrkräfte zu halten, aber das ist vor allem bei den großen Schulen nicht so einfach."

Man vergibt jetzt eher befristete Verträge.
Markus Lentz, Vorsitzender des Bayerischen Sing- und Musikschulverbandes

Freiberufler besonders betroffen

Private Musikschulen und freiberufliche Musiklehrer haben es noch schwerer: Sie werden weniger vom Staat unterstützt. Vernetzt sind sie im Bayerischen Tonkünstlerverband, der seine Mitglieder in den letzten Wochen ausgiebig beraten und informiert hat. Der Flötist Edmund Wächter, Vorsitzender des Münchner Tonkünstlerverbandes, hat selbst gemischte Erfahrungen mit dem Unterrichten übers Internet gemacht:

Die Schüler fanden den Onlineunterricht auch spannend am Anfang, aber die Technik muss verbessert werden.
Edmund Wächter, Vorsitzender des Münchner Tonkünstlerverbandes, über digitalen Instrumentalunterricht

Immerhin: Seit dem 11. Mai ist an den bayerischen Musikschulen auch Präsenzunterricht wieder möglich. Zur Freude von Schülern wie Lehrern. Nichts fürchtet man hier mehr, als eine erneute Schließung – oder gar eine Datenschutzklage gegen den Onlinunterricht. Das würden viele Musikschulen wahrscheinlich nicht überleben.

Sendung: Allegro am 21. Juli 2020 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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