BR-KLASSIK

Inhalt

Nathalie Stutzmann übernimmt Atlanta Symphony Orchestra Zweite Chefdirigentin in der Geschichte der USA

Nathalie Stutzmann übernimmt als erste Frau in der Geschichte des Atlanta Symphony Orchestra den dortigen Chefposten. Sie ist die zweite Frau überhaupt, die eines der großen US-Orchester leitet. Die 56-jährige Französin wurde als klassische Sängerin auf Opern- und Konzertbühnen berühmt. Mit ihrer charakteristisch dunklen, außergewöhnlich tiefen Alt-Stimme machte sie sich besonders im Lied-Gesang einen großen Namen. Bereits während ihres Gesangs-Studiums nahm sie Dirigier-Unterricht. Den Sprung ans Pult wagte sie 2008. Seitdem leitet sie renommierte Orchester weltweit.

Dirigentin und Sängerin Nathalie Stutzmann | Bildquelle: Brice Toul

Bildquelle: Brice Toul

Derzeit ist Stutzmann Erste Gast-Dirigentin am Philadelphia Orchestra und Chef-Dirigentin des Kristiansand Symphony Orchestra in Norwegen. In dieser Saison tritt sie in Atlanta bereits mit zwei Konzertprogrammen auf, bevor sie im kommenden Frühjahr dem derzeitigen Chefdirigenten Robert Spano nachfolgt. Ihr Vertrag läuft zunächst für vier Jahre.

Weiterer Meilenstein für Dirigentinnen

Stutzmann veröffentlichte gestern auf ihrem Twitter-Account ihr neues Engagement als "Breaking News". Tatsächlich ist diese Personalie eine kleine Sensation: Stutzmann ist in der Geschichte des Atlanta Symphony Orchestras die erste Dirigentin überhaupt. Das Orchester im US-Bundesstaat Georgia gibt es seit 1945. Es gehört zwar nicht zu den offiziellen "Big Five", also den fünf renommiertesten US-Orchestern, gilt aber – ähnlich wie das Baltimore Symphony Orchestra – als eines der Top-Orchester in den Vereinigten Staaten. Stutzmann ist damit erst die zweite Frau, die die Chance bekommt, eines dieser großen US-Orchester zu leiten – nach Marin Alsop. Die US-Amerikanerin leitete 2017 bis August 2021 das Baltimore Symphony Orchestra und schrieb Schlagzeilen, als sie 2013 als erste Frau der Geschichte für die Londoner Last Night of the Proms engagiert wurde.

Ich will als Dirigentin keine Minderheit mehr sein.
Nathalie Stutzmann

Dirigentin und Sängerin Nathalie Stutzmann | Bildquelle: Simon Fowler Nathalie Stutzmann: Dirigentin und Sängerin | Bildquelle: Simon Fowler Durchaus mit Stolz gab das Orchester dann auch gestern die Personalie Stutzmann bekannt, begleitet von einer ausführlichen Presseerklärung. Die New York Times reagierte prompt: "Die 25 größten Orchester in den Vereinigten Staaten haben etwas gemeinsam: Kein einziges wird von einer Frau geleitet. Doch das wird sich nun ändern" — dank der Ernennung von Nathalie Stutzmann. Die Dirigentin selbst sagte der amerikanischen Tageszeitung: "Ich brauche keine Welt, die von Frauen dominiert wird. Ich will einfach Gleichheit — dass wir eines Tages nicht mehr als Minderheit angesehen werden, sondern als Musikerinnen, Dirigentinnen und Maestros."

Ich wusste, dass ich als Dirigentin keine Chance habe.
Nathalie Stutzmann über ihre Zeit am Konservatorium

Bereits während ihres Studiums am Konservatorium von Nancy nahm die 15-Jährige Unterricht im Dirigieren. Damals habe man sie entmutigt, eine Karriere als Dirigentin weiter zu verfolgen — eben weil sie kein Mann ist, wie Stutzmann der New York Times erzählte. Sie konzentrierte sich auf den Gesang, nahm Unterricht bei den Sänger-Legenden Michel Sénéchal und Hans Hotter. Und legte damit den Grundstein für ihre Karriere als Altistin. Diese führte sie an die großen Häuser und Bühnen weltweit. Mit ihrer außergewöhnlich tiefen, dunklen Stimme machte sie sich einen großen Namen als Lied-Sängerin, etwa in den Werken von Gustav Mahler oder Schubert, aber auch französischer Komponisten. Auch für Ihre Interpretationen von Händel und Bach wurde sie gefeiert.

Unterricht bei Jorma Panula – dem Dirigier-Lehrer einer ganzen Generation

Nathalie Stutzmann | Bildquelle: Sabine Burger Simon Rattle über die Dirigentin Nathalie Stutzmann: eine "wundervolle, warmherzige, temperamentvolle Persönlichkeit." | Bildquelle: Sabine Burger Parallel verfolgte sie jedoch das Dirigieren weiter, nahm Unterricht bei dem legendären finnischen Dirigenten Jorma Panula — bei ihm sind schon Esa-Pekka Salonen, Sakari Oramo und Jukka-Pekka Saraste in die Lehre gegangen. Ihr Mentor Seji Ozawa schließlich ermöglichte ihr 2008 den ersten offiziellen Auftritt als Dirigentin, beim Mito Chamber Orchestra in Japan. Von da an ging es steil nach oben: Bald gründete sie ihr eigenes Kammerorchester "Orfeo 55", und wurde von den großen europäischen Orchestern engagiert wie dem Königlichen Philharmonischen Orchester Stockholm, den Bamberger Symphonikern oder dem London Symphony Orchestra. Seit 2018 ist sie Chefdirigentin des Kristiansand Symphony Orchestra in Norwegen. Auch Simon Rattle unterstützte sie bei ihrem Werdegang. Ihre Ernennung zur Chefin des Atlanta Symphony Orchestras kommentierte Rattle gegenüber der New York Times: Ihr Hintergrund als klassische Sängerin werde den Klang des Orchesters prägen. Er prophezeit dem Orchester "mehr Farben, mehr Wagnis". Stutzmann sei eine "wundervolle, warmherzige, temperamentvolle Persönlichkeit."

Wie Stutzmann in der Presseerklärung des Atlanta Symphony Orchestras bekannt gab, freue sie sich als Dirigentin und Sängerin auch sehr auf die Zusammenarbeit mit dem Chor des Orchesters. Laut New York Times wolle sie außerdem mehr französisches und barockes Repertoire auf das Konzertprogramm in Atlanta setzen. Den Schwerpunkt auf zeitgenössische Musik, den das Orchester auszeichnet, wolle sie beibehalten.

Kommentare (0)

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein. (noch Zeichen)
Bitte beachten Sie, dass Ihr Kommentar vor der Veröffentlichung erst noch redaktionell geprüft wird. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Richtlinien.

Spamschutz*

Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein:

Neun plus sieben ergibt?
Zu diesem Inhalt gibt es noch keine Kommentare.

    AV-Player