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Zum 80. Geburtstag der Sängerin Norma Winstone Die große Poetin der leisen Songs

Eine ruhigere Stimme als ihre muss man lange suchen. Vor allem, wenn es eine ebenso ausdrucksstarke sein soll. Die englische Jazz-Sängerin Norma Winstone ist eine Interpretin, bei der ein besonderer Reiz aus dem feinen Verweben des Gesangs mit dem Rest des musikalischen Geschehens kommt. Sie hat mit so berühmten Kollegen wie Fred Hersch, Jimmy Rowles und Ralph Towner zusammengearbeitet und ist selbst zu einer großen Figur der internationalen Jazz-Szene geworden. Viele junge Interpretinnen orientieren sich an ihr, wenn es darum geht, Texte möglichst fein und plastisch zu interpretieren.

Norma Winstone | Bildquelle: Lisa Valder

Bildquelle: Lisa Valder

Porträt

Norma Winstone - Die große Poetin des leisen Gesangs

Ihre Stimme klingt klar, unaufgeregt und ist traumhaft schön. Und auch: ungemein frisch und zeitlos in der Ausstrahlung. Mit ihrer Stimme kann die englische Jazz-Vokalistin Norma Winstone Geschichten erzählen. Sie selbst sagt aber, sie wolle eher Bilder malen als Geschichten erzählen – Bilder in ungewöhnlichen Klängen. Denn diese Stimme singt nicht immer Texte und steht nicht immer im Vordergrund einer Band.

Eine weitere Stimme in der Musik

Sie fühle sich stets als eine weitere Stimme in der Musik. Genau dieses Selbstverständnis macht diese am 23. September 1941 in London geborene Musikerin aus. Auf der Bühne und im Studio führt sie Dialoge mit den Instrumentalstimmen. Verschmilzt mit ihnen, umrundet und umrankt sie, lässt sich von ihnen tragen und trägt dann wiederum sie mit.

Worte keine Pflicht

Norma Winstone | Bildquelle: Michael Putland/ECM Die Sängerin Norma Winstone | Bildquelle: Michael Putland/ECM Man müsse nicht unbedingt Worte singen, nur weil man mit der Stimme die Möglichkeit dazu habe, sagt Norma Winstone. Ihre stärksten Einflüsse seien stets die Musik des Trompeters Miles Davis und der Klang von Frank Sinatras Stimme gewesen. Wenn man das weiß, muss man nicht lange rätseln, woher die besondere Klarheit von Norma Winstones Stimme und der Linien kommt, die sie singt.

Sinatras Stimme hörte sie in früher Jugend. Da wusste sie, dass sie Sängerin werden wollte. Am berühmten Trinity College studierte sie aber zunächst Klavier und Orgel, da es für den Gesang, der ihr vorschwebte, keine Ausbildung gab. Doch mit Ende zwanzig sorgte sie im Londoner Club Ronnie Scott's für Aufhorchen, etwas später zeichnete sie die Zeitschrift Melody Maker als beste Jazzsängerin aus – und dann war der Weg klar.

Norma Winstone, eine Songpoetin

In unterschiedlichen Bands bis hin zu ihrem jüngsten eigenen Trio mit dem italienischen Pianist Glauco Venier und dem deutschen Klarinettisten Klaus Gesing hat sie eine stets auffällig leise und ungemein profilstarke Musik gemacht – und oft schrieb sie zu bekannten Kompositionen eigene Texte von besonderer Schönheit.

Jazzsängerin – ein viel zu enges Wort für eine Stimme wie diese. Norma Winstone ist eine Songpoetin im umfassenden Sinn des Worts. Eine ganz große Stimme, die es nie nötig hatte, laut zu sein.

Sendungen: 
"Allegro" am 23. September 2021 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK
"Jazztime" am 23. September 2021 ab 23:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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