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Organist von Notre-Dame Olivier Latry zu Gast in München

Olivier Latry | Bildquelle: Deyan Parouchev

Bildquelle: Deyan Parouchev

Die Bilder sind uns allen noch präsent. Paris, 15. April 2019: Die berühmteste Kathedrale der Welt steht in Flammen. Der hölzerne Dachstuhl stürzt ein – ein Schock. Die große Orgel von Notre-Dame bleibt zum Glück unbeschädigt. Heute, zwei Jahre später, sieht Olivier Latry, Organist von Notre-Dame, die Brand-Katastrophe gelassen. Schließlich sei er schon öfter von seinem Instrument dort getrennt gewesen. Etwa bei den verschiedenen Restaurierungen, die jeweils drei Jahre andauerten. Nun müsse man eben warten. Die historische Cavaillé-Coll-Orgel wurde mittlerweile abgebaut, um sie von den Brandrückständen zu reinigen. Bis 2024 soll die Große Orgel in der Pariser Kathedrale wieder zu hören sein.

Das ist für mich nicht so dramatisch, weil ich weiß, dass die Orgel noch da ist, und die Kathedrale noch da ist.
Olivier Latry, Organist von Notre-Dame

Olivier Latry, der Organist von Notre Dame. | Bildquelle: BR Olivier Latry, damals noch vor seiner Großen Orgel in Notre-Dame, zu Gast in der Sendung KlickKlack. | Bildquelle: BR Olivier Latry gilt als einer der berühmtesten Organisten der Welt. Seit rund 35 Jahren ist er einer von drei Titularoganisten an der Großen Orgel der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Dieser Posten ist einer der prestigeprächtigsten der Orgelwelt. Nicht nur, weil der Bau von Notre-Dame zugleich die Geburtsstunde der europäischen Kunstmusik markiert. Sondern vor allem auch wegen dieser Orgel. Aristide Cavaillé-Coll, der "maître des maîtres" des französisch-romantischen Orgelbaus, erbaute sie bis zum Jahr 1868. Und läutete mit dem besonderen Klang dieses Instruments eine regelrechte Blüte der französischen Orgelmusik ein. Entsprechend begehrt ist der Organistenposten. Olivier Latry aber merkt man seinen Status nicht an. Im Gespräch mit BR-KLASSIK gibt er sich unprätentiös, locker, launig. Nimbus ist nicht seine Sache.

Fasziniert von der Komplexität der Orgel

Seine Welt ist die Orgel. Geradezu ins Schwärmen kommt Latry, als er gefragt wird, wie sehr er sich denn auf ein neues Instrument einstellen müsse. "Oh ja!", fällt er sofort ein. Schließlich gelte es immer, eine neue Verbindung zwischen dem Instrument und dem jeweiligen Stück zu schaffen. "Wir müssen jedes Mal die Farben, die Registrierungen suchen und wählen. Das braucht viel Zeit!" Besonders begeistern ihn die nationalen Unterschiede im Orgelbau. So klängen etwa spanische Orgeln ganz anders als französische: "So demonstrativ, so wie die Spanier sprechen. Das ist unglaublich, das zu hören!" Damit müsse man dasselbe Stück auf einmal ganz anders spielen. Eine Interpretation ist damit nicht einfach von dem einen aufs andere Instrument übertragbar.

Es ist sehr wichtig, wie das Publikum vorher reagiert hat – das ist eine geniale Atmosphäre.
Organist Olivier Latry

Für seinen Auftritt beim Münchner Orgelherbst hat Olivier Latry, der auch als Professor am Pariser Konservatorium unterrichtet, eine Mischung aus Bekanntem und Rarem aufs Programm gesetzt: Werke des Zeitgenossen Vincent Paulet, der sonst nie in München zu hören sei, wie auch Bekanntes von Camille Saint-Saëns – passend zum Saint-Saëns-Jahr. Ein Werk habe er speziell für die Münchner Michaelsorgel ausgesucht: die Legende Nr. 1 "Die Vogelpredigt des heiligen Franz von Assisi" von Franz Liszt, die Saint-Saëns für Orgel transkribiert hat. Die passe besonders gut zur Akustik in München. Auch improvisieren wird Latry. Sein Motto dabei: sich vorab nicht festlegen. Er reagiere dabei spontan auf die Atmosphäre des jeweiligen Konzerts, auf die Stücke, die er davor gespielt habe. Und eben auf das Publikum selbst.

Spitzentreffen der Organistenszene

Das Konzert des Notre-Dame-Organisten Olivier Latry am 17. Oktober 2021 ist der krönende Abschluss des "Münchner Orgelherbst". Dieses Internationale Orgelfest in der Jesuitenkirche St. Michael findet heuer zum 13. Mal statt. Damit nicht nur Orgelfans und -Interessierte bei diesem Spitzentreffen der Top-Organisten auf ihre Kosten kommen, gibt es noch eine Kammermusikreihe und seit einigen Jahren auch ein Begleitprogramm für Kinder.

Münchner Orgelherbst: Alle Infos und Konzertdaten hier.

Sendung: "Allegro" am 12. Oktober 2021 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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