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Provisorium in Genf Opernhaus aus Holz

Die Genfer Oper überbrückt die Sanierung ihres Hauptgebäudes Grand Théâtre in einem hölzernen Ausweichquartier, der Opéra des Nations. Musiker und Publikum mögen den Bau, auch wenn er das Repertoire einschränkt. Im kommenden Jahr soll das frischsanierte Opernhaus dann wieder bezogen werden.

Es klingt tatsächlich ein bisschen wie in einer Scheune, wenn das Genfer Opern-Publikum zu seinen Sitzen läuft. Kein Wunder, ist doch die derzeitige Spielstätte tatsächlich ein Gebäude ganz aus Holz. Denn das Stammhaus der Oper, das Grand Théâtre, wird für zweieinhalb Jahre saniert. So lange wollte man sich weder in einen anderen Saal einmieten noch auf ein Zelt ausweichen. Zum Glück hörten die Genfer von einem hölzernen Interimsbau der Comédie Française in Paris. Dieser wurde aufgekauft und auf 60 Sattelschleppern nach Genf gebracht, erklärt Opern-Generalsekretär Claus Hässig. Allerdings musste das Schauspiel-Theater den Bedürfnissen eines Opernhauses angepasst werden.

Umbau in Genf

Interimsbau des Grand Théâtre de Genève - Ausweichspielstätte aus Holz | Bildquelle: © GTG / Samuel Rubio Bildquelle: © GTG / Samuel Rubio Für den neuen Standort in Genf gleich neben dem UNO-Sitz, dem Palais des Nations, wurde das Holzhaus deutlich erweitert. Neu hinzu kam beispielsweise ein Orchestergraben. In der "Opéra des Nations", wie man den Bau taufte, finden nun 1.100 Zuhörer Platz, 400 mehr als im ursprünglichen Pariser Bau. Voller Skepsis kam das Publikum, als im Februar 2016 mit Georg Friedrich Händels "Alcina" die provisorische Bühne eröffnet wurde. Doch dann, so berichtet Claus Hässig, haben die Leute den ansprechenden Saal gesehen und waren begeistert.

Warmer Klang

Und auch die Musiker schätzen den sehr intimen Rahmen der Bühne. Chorsänger Phillip Casperd etwa lobt die Akustik des Holzbaus. Etwas trockener als im Grand Théâtre, aber beeindruckend.

Ich denke, die hölzerne Struktur sorgt für einen warmen Klang.
Phillip Casperd, Bassbariton

Kollege Sasha Koushk-Jalali vergleicht die Opera des Nations gar mit einer Violine. Das Holz des Saals vibriere förmlich - das könne man während des Auftritts spüren.

Holzbau beschränkt das Repertoire

Natürlich bringt der Holzbau auch Einschränkungen mit. Eine Unterbühne fehlt und Werke mit großbesetztem Orchester, etwa von Wagner oder Meyerbeer, gehen nicht. So setzt man in Genf vornehmlich Barock-Opern auf den Spielplan. Auch extra Proberäume fehlen, deshalb nutzen die Musiker tagsüber schon mal das Foyer zum Üben.

Finanziell attraktiv

Finanziell rechnet sich die Holz-Variante übrigens für die Oper, denn Spender kamen zu 100 Prozent dafür auf. Für gemietete Säle seien nur schwerlich Mäzene zu finden, sagt Claus Hässig. Für den Holzbau jedoch fand sich Sponsorengeld.

Weil es doch attraktiver ist, an so einem Abenteuer teilzunehmen, als schon bestehende Säle anzumieten.
Generalsekretär Claus Hässig

Noch bis Sommer 2018 bleibt das hölzerne Opernhaus in Genf im Einsatz. Dann soll das Gebäude erneut zerlegt werden und auf LKWs verpackt auf die Reise gehen. Einen Interessenten dafür soll es bereits geben.

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