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"Zaide" - Opernprojekt mit Flüchtlingen Hauptdarsteller reist nach Afghanistan aus

Bereits im Jahr 2015 tourte das vom Verein "Zuflucht Kultur" organisierte Musiktheaterprojekt "Zaide. Eine Flucht", in dem Mozarts Oper von geflohenen Künstlern neu erzählt wird, durch Deutschland. Mittlerweile hat die Realität allerdings die Produktion eingeholt. Ahmad Shakib Pouya, einer der Hauptdarsteller, musste das Land jetzt verlassen. Ein Münchner Geiger fliegt mit nach Afghanistin, um ihn zu unterstützen.

Ahmad Shakib Pouya in Begleitung von Albert Ginthör am 20.01.2017 am Flughafen in Frankfurt am Main | Bildquelle: Bianka Huber

Bildquelle: Bianka Huber

Fürsprache von namhaften Politikern, über 23.000 Unterschriften in einer Online-Petition und viele ehrenamtliche Helfer konnten die Entscheidung nicht aufhalten. Am Abend des 20. Januar ist Ahmad Shakib Pouya, einer der Hauptdarsteller des Operprojekts für Flüchtlinge "Zaide. Eine Flucht", von Frankfurt am Main nach Kabul in Afghanistan "freiwillig ausgereist" - in der Hoffnung, dass die Härtefallkommission doch noch positiv für ihn entscheidet und er zurückkehren kann. In seiner Heimat fürchtet Pouya um Leib und Leben, weil er von Deutschland aus immer wieder Lieder gegen die Taliban ins Internet gestellt hatte. Zwei Termine hat die Kommission bislang verstreichen lassen, ohne über Pouya zu entscheiden. Nächste Woche tagt die Kommission erneut.

Münchner Geiger reist mit

Shakib Pouya, Zahnmediziner und politischer Sänger | Bildquelle: BR Ahmad Shakib Pouya | Bildquelle: BR Ahmad Shakib Pouya fliegt nicht alleine nach Afghanistin. Mit ihm reist der ehemalige Orchestervorstand des Münchner Gärtnerplatztheaters, Albert Ginthör. Als Freund Pouyas versteht er sich als Garant dafür, dass die deutschen Behörden den Fall mit dessen Ausreise nicht sofort ad acta legen. Er wolle versuchen, im Goethe-Institut unterzukommen und den deutschen Botschafter zu sprechen, so sein Plan für die kommenden Tage. Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes heißt es: "Vor Reisen nach Afghanistan wird dringend gewarnt", denn es bestünde "in ganz Afghanistan (...) ein hohes Risiko, Opfer einer Entführung oder eines Gewaltverbrechens zu werden."

"Vor Ort Kontakt bekommen"

Ginthör möchte bis zu einer Woche in Kabul bleiben, will dies aber von seinem eigenen Sicherheitsgefühl abhängig machen, wie er kurz vor Abflug in einem Telefonat mit BR-KLASSIK sagte: "Wenn ich mich äußerst unsicher fühle, dann muss ich natürlich früher raus. Es ist für uns das Allerwichtigste, dass wir vor Ort Kontakt bekommen und die (Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, Anm. d. Red.) dann auch etwas machen, wenn sie Druck aus Deutschland kriegen. Das ist vielleicht noch ein bisschen zu wenig."

Der Fall Ahmad Shakib Pouya

Afghanistan ist die Heimat des ehemaligen Zahnarztes. Teile des Landes seien "sicher genug", so die Bundesregierung - auch nach dem schweren Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Sharif im November 2016. Sechs Jahre lebte Ahmad Shakib Pouya in Deutschland, hat hier Familie und nach islamischem Recht geheiratet. Für eine Hochzeit vor einem deutschen Standesamt fehlte allerdings ein Papier. Der 33-Jährige bekam mehrere Stellenangebote, etwa von der IG Metall als Dolmetscher. Pouya, der in Deutschland geduldet war, engagierte sich ehrenamtlich, etwa in dem Flüchtlings-Opernprojekt "Zaide. eine Flucht". Zuletzt stand er am 14. Januar auf der Bühne - bei einer Aufführung von "Zaide" in der Münchner Kongresshalle. Kurz vor Weihnachten im vergangenen Jahr sollte Pouya bereits abgeschoben werden. Buchstäblich in letzter Sekunde erhielt er einen Aufschub für drei Wochen. Nun ist er am 20. Januar 2017 "freiwillig ausgereist". Sein Fall lag der bayerischen Härtefallkommission vor, die bis zuletzt keine Entscheidung getroffen hatte.

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