BR-KLASSIK

Inhalt

Wegen Corona: Kurzarbeit an einigen Opernhäusern Weniger Lohn für Orchester und Chor

Das Coronavirus macht zahlreichen Kulturinstitutionen weltweit zu schaffen, millionenschwere Verluste stehen überall ins Haus. Das Opernhaus in Zürich reagierte nun mit Einführung der Kurzarbeit. Auch die Bundestheater in Österreich, zu denen unter anderem die Wiener Staatsoper zählt, meldeten entsprechende Maßnahmen an. Die Beschäftigten müssen je nach Umfang des Arbeitsausfalls mit Gehaltseinbußen rechnen.

Die Wiener Staatsoper. | Bildquelle: BR/Wiener Staatsoper GmbH/Axel Zeininger

Bildquelle: BR/Wiener Staatsoper GmbH/Axel Zeininger

Wegen der Corona-Krise dürfen seit dem 13. März 2020 am Opernhaus Zürich – wie auch an zahlreichen anderen Opernhäusern weltweit – keine Vorstellungen mehr stattfinden. Der für Opernhaus Zürich dadurch zu erwartende Einnahmeverlust beträgt bei einem Aufführungsverbot bis zum 30. April über vier Millionen Schweizer Franken - dies teilte eine Sprecherin des Opernhauses gegenüber BR-KLASSIK mit. Auch das Versammlungsverbot für mehr als fünf Personen würde das Proben unmöglich machen. Der Subventionsgeber des Opernhauses Zürich, der Kanton Zürich, forderte das Opernhaus deshalb auf, Kurzarbeit für die Mitarbeitenden des Opernhauses einzuführen.

Für diese Situation sieht das Gesetz Kurzarbeit vor.
Opernhaus Zürich

Die Kurzarbeit gelte für alle Festangestellten und feste Aushilfen am Opernhaus Zürich. Konkret betroffen sind dadurch die Philharmonia Zürich, das Ballett Zürich, der Chor, sowie die Intendanz und die Direktion des Opernhauses. Die Höhe der Kurzarbeitsentschädigung soll 80 Prozent des ausfallenden Lohnes betragen. Allerdings steht nicht das ganze Opernhaus still: In der Mittteilung heißt es, die Theater-Werkstätten würden ihre Arbeit unter Einhaltung der hygienischen Vorgaben und des Mindestabstandes fortsetzen, "um die Dekorationen und Kostüme für die anstehenden Premieren und die der nächsten Saison herzustellen".

Kurzarbeit an österreichischen Bundestheatern

In Österreich wurden ähnliche Maßnahmen bekannt gegeben. So sollen alle Bundestheater mit ihren mehr als 2000 Mitarbeitern ab sofort in Kurzarbeit gehen. Betroffen sind von der Maßnahme unter anderem die Wiener Staatsoper und das Burgtheater. Der Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, Christian Kircher, sprach in diesem Zusammenhang nicht nur von einem "tiefen künstlerischen, sondern auch einem tiefen finanziellen Einschnitt". Die derzeitige Schließung der Spielstätten führt zu Einnahmeeinbußen von ca. 190.000 Euro pro Tag.

Realistischerweise müssen wir von einer Ausdehnung der derzeit vorgesehenen Schließtage ausgehen.
Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding

Situation an Bayerischen Staats- und Landestheatern

Für die Bayerische Staatsoper kommt nach derzeitigem Stand Kurzarbeit nicht in Frage: "Momentan ist Kurzarbeit bei uns kein Thema", teilte Christoph Koch, der Pressesprecher der Bayerischen Staatsoper auf Anfrage von BR-KLASSIK mit. Allerdings liege die Entscheidung über eine so folgenreiche und einschneidende Maßnahme nicht bei der Staatsoper, sondern bei der Bayerischen Staatsregierung, so Koch. Aktuell können an der Staatsoper keine regulären Aufführungen stattfinden, weshalb Intendant Nikolaus Bachler auf Kammerkonzerte als Videostreams setzt.

Auch das Landestheater Niederbayern schließt derzeit die Einführung von Kurzarbeit aus, heißt es von der Pressestelle aus Passau. Das Theater würde alle verfügbaren Mittel wie Noten- und Rollenstudium von daheim, bzw. Homeoffice anwenden. Auch Überstunden könnten erst einmal abgebaut werden, um für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin die Lohn- und Gagenzahlung in der bisherigen Höhe zu garantieren.

Wir hoffen sehr, dass die augenblickliche Ausnahmesituation zeitnah enden wird und der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann.
Landestheater Niederbayern

Freistellung von Musikern an der New Yorker Met

In den USA sieht die Lage teilweise wesentlich dramatischer aus als in Europa: Die Metropolitan Opera in New York zog vergangene Woche drastische Konsequenzen aus der derzeitigen Corona-Krise und stellte die Mitglieder des Orchesters und des Chores frei. Sie bekommen ab April keinen Lohn mehr ausbezahlt, stattdessen beschränkt sich die Met auf Fortzahlung der Kranken- und Instrumentenversicherung.

Sendung: "Leporello" am 23. März 2020 um 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

    AV-Player