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Deutsche Orgelbaumeister tagen in Regensburg Klimawandel bedroht alte Orgeln

Der Klimawandel hat Auswirkungen auch auf Kirchenorgeln. Er ist mitverantwortlich dafür, dass immer mehr Orgeln von Schimmel befallen sind. Das wurde beim Erfahrungsaustausch der Orgelbaumeister aus ganz Deutschland in Regensburg deutlich. Außerdem ging es um die Nachwuchsarbeit der Orgelbauer.

Orgel in Kirche | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Der Klimawandel zeigt sich nicht nur in Stürmen und Hitzeperioden. Betroffen sind auch Musikinstrumente wie die Orgel. In Deutschland gibt es heute im Schnitt deutlich mehr feuchte Tage als früher. Eine Konsequenz daraus ist, dass die bis zu 500 Jahre alten Orgeln vermehrt von Schimmel befallen werden. Ob pelzig, flockig, in den Pfeifen oder am Holz: Während vor 15 Jahren in Deutschland etwa eine von 100 Orgeln mit Schimmel befallen war, ist es heute jede dritte. Für die Orgelbauer ist das eine Herausforderung.

Schimmel an jeder dritten Orgel

Ein Grund für den Schimmelbefall ist auch die veränderte Heizpraxis in den Kirchen. Heute wird nicht mehr gleichmäßig durchgeheizt, sondern "nur noch schnell am Wochenende, und dann die Heizung gleich wieder abgestellt", so der Orgelbauer Matthias Kaps. Nachdem die Leute die Kirche verlassen hätten, würde "nicht mehr ordentlich gelüftet", meint Kaps. Die kalten Oberflächen in der Kirche würde deshalb auch kalt bleiben. "Von ein paar Stunden Heizen werden die Oberflächen nicht warm. Die Feuchtigkeit setzt sich immer an Flächen ab, und das ist ein Nährboden für den Schimmel.“ Ein Problem sei zudem, dass die Mesner heutzutage oft nicht mehr in der Nähe der Kirche wohnen und daher das regelmäßige Lüften schwieriger zu bewerkstelligen sei.

Restaurieren und Putzen

Nahaufnahme Orgelpfeifen | Bildquelle: picture-alliance/dpa Ob am Holz oder in den Pfeifen: Orgeln sind in Zeiten des Kilmawandels verstärkt von Schimmel bedroht. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Für die Orgelbauer bedeutet das mehr Arbeit an der Restauration - das macht etwa die Hälfte des Geschäfts aus. Große Freude bereitet ihnen diese Arbeit allerdings nicht. Reizvoller ist es, neue Orgeln zu bauen. "Deutsche Orgelinstrumente sind weltweit sehr gefragt", so Markus Zimmermann vom Bund Deutscher Orgelbaumeister. Aufträge kämen vor allem aus Asien.
Für junge Leute in Ausbildung sei das einerseits anziehend, "andererseits auch ein Problem, weil man sehr lange Montagereisen hat."

Nachwuchsarbeit in Schulen

Apropos Nachwuchs: Der Verband der Orgelbauer versucht aktiv, an junge Leute heranzugehen und sie früh für die Orgel und das Handwerk zu begeistern. So wurde eine Aktion gestartet, bei der Schulen mit Bausätzen für Holzpfeifen versehen wurden. Im Werkunterricht würden dann etwa Holzpfeifen zusammengebaut, oder der Orgelbauer besuche persönlich in die Schule, so Thomas Jann, Vorsitzender vom Bund Deutscher Orgelbaumeister.

Sendung: "Allegro" am 10. Oktober 2017, 06.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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