BR-KLASSIK

Inhalt

Dirigent Roger Norrington beendet Karriere Ein Abschied mit Haydn

Der Abschied hat ein Datum: Am 18. November 2021 dirigiert Sir Roger Norrington noch einmal Joseph Haydn am Pult der Royal Nothern Sinfonia. Er habe entschieden, dass dies sein letztes Konzert auf dem Podium sei, teilt das Konzerthaus "The Sage Gateshead" auf seiner Webseite mit. Mit diesem letzten Auftritt, der auch live vom Konzerthaus übertragen wird, beendet Norrington seine über 50-jährige Karriere. Im Gespräch mit BR-KLASSIK verrät Sir Roger, was sein Haydn-Geheimnis ist und warum er auf Memoiren verzichtet.

Sir Roger Norrington | Bildquelle: Manfred Esser

Bildquelle: Manfred Esser

BR- KLASSIK: Herr Norrington, so eine Entscheidung fällt man ja nicht über Nacht. Wie geht es Ihnen jetzt, seitdem klar ist, dass Sie aufhören?

Roger Norrington: Der Ruhestand ist mit Covid gekommen. Und ich habe das relativ angenehm gefunden. Jetzt bin ich 87 Jahre alt, also das ist vielleicht genug. Einige meiner Freunde sind mit 65 in den Ruhestand gegangen – oder früher.

BR- KLASSIK: Sie haben es sich mit Ende 80 auf jeden Fall verdient. Auf dem Programm Ihres letzten Konzerts steht ausschließlich Musik von Haydn. Wie kommt es dazu?

Roger Norrington: Ich finde es wunderbar, so ein Konzert als letztes zu machen. Ich habe vielleicht 65 Symphonien von Haydn dirigiert, nicht alle, leider. Haydn ist schwierig. Seine Musik kann ein bisschen langweilig klingen, aber wenn man Haydn gut spielt, dann gibt es keine bessere Musik auf der Welt.

BR- KLASSIK: Was ist Ihr Geheimnis? Was machen Sie, um Haydn nicht langweilig klingen zu lassen?

Sir Roger Norrington: Das Tempo! Besonders in einem Andante. Wir spielen nächsten Donnerstag die Sinfonie Nummer 101. Tempo 60 ist da gut. Das Andante ist wirklich ein Geheimnis bei Mozart und Haydn. Dann die Phrasierung und das Orchester darf nicht zu groß sein, maximal acht erste Geigen. So klingt es wunderbar, so fantastisch, so witzig. Ich kann es nicht abwarten.

BR- KLASSIK: Das ist ja schon sehr symbolträchtig, wenn Sie mit dieser Sinfonie, die den Beinamen "Die Uhr" trägt, enden. Gibt es eine Zeit in Ihrer Karriere, die sie besonders in Erinnerung haben?

Sir Roger Norrington: Eine Menge! "Night of the Proms" natürlich, mit drei Millionen Zuhörern. In Stuttgart war es so fantastisch, das Orchester hat so wunderbar gespielt. Wir hatten wunderbare 15 Jahre zusammen, sehr, sehr freundlich und offen. Und ich bin sehr dankbar. Ich hatte wunderbare 60 Jahre auf dem Podium und jetzt ist es Zeit, ein bisschen in den Ruhestand zu gehen und ein paar CD's zu hören.

BR- KLASSIK: Was fangen Sie denn jetzt mit der Zeit an, wenn Sie jetzt nicht mehr auftreten?

Sir Roger Norrington: Lesen! Wir leben ganz wunderbar auf dem Land hier. Wir können den Ärmelkanal von zu Hause und den Dartmoor Nationalpark sehen. Und auch ein bisschen schreiben.

BR- KLASSIK: Ihre Memoiren? Oder auf was dürfen wir uns freuen?

Sir Roger Norrington: Nur für meine Familie. Nein, ich bin nicht so interessant.

Sendung: "Allegro" am 12. November 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (0)

Kommentieren ist nicht mehr möglich.
Zu diesem Inhalt gibt es noch keine Kommentare.

    AV-Player