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Spielzeitvorschau 2021/22 an der Sächsischen Staatsoper Dresden Semperoper präsentiert sich harmonisch

Seit bekannt wurde, dass die Verträge von Chefdirigent Christian Thielemann und Intendant Peter Theiler nicht verlängert werden, hängt der Haussegen an der Semperoper schief – oder doch nicht? Bei der Saisonvorstellung war jedenfalls nichts davon zu spüren. 15 Neuproduktionen sind für die kommende Spielzeit geplant. Darunter auch ein erstes Mal für Christian Thielemann.

Die Semperoper in Dresden in der Dämmerung | Bildquelle: © Semperoper Dresden/Matthias Creutziger

Bildquelle: © Semperoper Dresden/Matthias Creutziger

Seit dem 10. Mai steht die Opernwelt in Dresden Kopf: An diesem Tag gab Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch überraschend bekannt, den Vertrag von Chefdirigent Christian Thielemann (Sächsische Staatskapelle Dresden) und Intendant Peter Theiler (Semperoper) nicht über 2024 verlängern zu wollen. Da wird eine Dirigenten-Koryphäe also schlicht vor die Tür gesetzt: Affront oder notwendiger Schritt, um konzeptionell einen echten Neustart zu ermöglichen? Die Meinungen darüber gehen weit auseinander, zumal Thielemann und Theiler kein besonders inniges Verhältnis nachgesagt wird: Erst im Februar dieses Jahres kam es zu heftigen Auseinandersetzungen über die Corona-Schutzmaßnahmen.

Wenig zu spüren vom Trubel der letzten Wochen

Dirigent Christian Thielemann bei einer Probe mit Musikerinnen und Musikern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks | Bildquelle: Astrid Ackermann Wollte sich zu seiner Nicht-Verlängerung nicht außern: Chefdirigent Christian Thielemann | Bildquelle: Astrid Ackermann Nichts von alldem bei der gemeinsamen Jahres-Pressekonferenz: Betont freundlich-kollegial präsentierten die beiden Verdis "Aida", die Christian Thielemann erstmals dirigieren wird. Die Besetzung dieser `Chefproduktion´ ist erwartungsgemäß vom Feinsten: Mit dabei sind die Sopranistin Krassimira Stoyanova, der Bass Georg Zeppenfeld und der Tenor Francesco Meli. Fragen zu seiner Nicht-Vertragsverlängerung waren bei dieser Pressekonferenz nicht erwünscht, wurden auch nicht beantwortet. Und in der Tat entschwand der Maestro nach knappen 25 Minuten.

Zuvor aber hatte Intendant Peter Theiler noch mit Nachdruck darauf verwiesen, wofür die Semperoper unter seiner Leitung bis 2024 steht: für künstlerische Exzellenz, breit gefächerte Regie-Handschriften, für bekannte Namen und Rising-Stars in der Gesangsszene, für zeitgemäßes Musiktheater, Internationalität und anderes mehr. Das wirkte wie eine Art Selbstvergewisserung, nachdem die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch in der vergangenen Woche bereits seine Nachfolgerin – die Grazer Intendantin Nora Schmid –, vorstellte und bei der Gelegenheit gleich noch fünf Thesen zur Zukunft der Oper unter dem Schlagwort "Semper 2030" präsentierte: Im Kern geht es vor allem darum, künftig neue, jüngere Zielgruppen zu erschließen, stärker auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren und intensiver in die Stadt und die Region hineinzuwirken.

Nun also 15 Premieren!

Joana Mallwitz | Bildquelle: © Simon Pauli Begehrte Pultmagierin: Joana Mallwitz wird in der kommenden Saison auch an der Dresdner Semperoper dirigieren | Bildquelle: © Simon Pauli Einige der Neu-Produktionen lagen beziehungsweise liegen inzwischen gut geprobt auf Halde. Udo Zimmermanns "Weiße Rose" zum Beispiel. Oder "Die andere Frau" – ein Auftragswerk der Oper an Torsten Rasch und Librettisten Helmut Krausser. Endlich kann auch die schon für Mai 2020 vorgesehene "Madama Butterfly" mit Kristine Opolais als Cio-Cio-San und Omer Meir Wellber am Pult der Sächsischen Staatskapelle herauskommen, außerdem noch Verdis "Don Carlo" mit dem Prolog von Manfred Trojahn (eine Uraufführung). Eröffnet und beschlossen wird die nächste Saison mit Inszenierungen von Altmeister Peter Konwitschny, der zweifelsfrei seine eigene Sicht auf die politische Dimension von Opern wie Vincenzo Bellinis "Norma" und Dmitri Schostakowitschs "Die Nase" entwickeln wird. Gespannt sein darf man auch auf Joana Mallwitz am Pult: Vor wenigen Jahren noch war sie die jüngste Generalmusikdirektorin Deutschlands an der Oper Erfurt.

Rückblick auf das Corona-Jahr

Große Freude war beim Intendanten Peter Theiler zu spüren – über all die Vorhaben und vielen Begleitveranstaltungen. Der Kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Rothe sprach dagegen von seinen "schlimmsten 15 Monaten" am Theater. Statt knapp 300.000 Besucherinnen und Besucher im Jahr 2019, kamen 2020 coronabedingt nur 64 000. Statt 17,3 Millionen Euro Eigeneinnahmen 2019, waren es im Jahr darauf nur noch 3,7 Millionen. Das tut weh, zumal die Semperoper traditionell einen hohen Eigenanteil erwirtschaftet.

Die Botschaft jetzt aber lautet: Es kann und wird besser werden!                                  

Sendung: "Allegro" am 18. Juni 2021 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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Dienstag, 22.Juni, 12:11 Uhr

Wilfried Schneider

SEMPEROPER PRÄSENTIERT SICH HARMONISCH

Der Herauswurf Thielemanns durch die CDU-Ministerin Klepsch ist an Unverschämtheit und Dummheit nicht zu überbieten. Sei´s drum, in Wien hat man sich bereits bei den Salzburgern (Rauswurf wegen wegen Bachler) und bei der Sächsischen Administration dafür bedankt. Dort freut man sich diebisch darüber. Die Semperoper wird verlieren. Nicht schade ist es dagegen um den Herrn Theiler. Ich war in der Zauberflöten-Premiere, der letzten Vorstellung vor der Schließung der Semperoper. Die Ansprache dieses "Intendanten" war praktisch ein Dank an die Sächsische Staatsregierung, dass er schließen durfte. Kein Wort der Kritik, nur Unterwürfigkeit. Wie es mit der Semperoper und mit der Staatskapelle in Zukunft weitergehen wird, weiß niemand. Ein Hoffnungsschimmer könnte die designierte Intendantin sein; ob sie es allerdings schafft, den Feldzug der Sächsischen Regierung gegen die Semperoper zu stoppen, muss abgewartet werden. Die Hoffnung ist allerdings gering.

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