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Ausstellung 100 Jahre Salzburger Festspiele Großes Welttheater an der Salzach

Was wäre Salzburg ohne die Festspiele? Wie hätte sich die Stadt entwickelt? Ihre Gesellschaft, Kultur und Identität? Und wie anders sähe die Altstadt ohne den Festspieltourismus aus? All diese Fragen zeigen: Es verlangt einiges an Fantasie, sich Salzburg ohne die Festspiele vorzustellen. Seit 100 Jahren prägt das Festivals die Stadt. Und ihren Ruf in der Welt. Wie sehr, das zeigt nun eine Ausstellung im Museum Salzburg.

Jedermann 1920 in der Regie von Max Reinhardt | Bildquelle:  © Archiv der Salzburger Festspiele/Foto Ellinger

Bildquelle: © Archiv der Salzburger Festspiele/Foto Ellinger

Ein roter Teppich und eine Miniaturausgabe der Domplatz-Tribüne empfangen den Besucher im Hof des Salzburg Museums. Und dann heißt es: Vorhang auf. Zur Salzburger Landesausstellung "Großes Welttheater"!

Geschichte und Geschichten auf drei Etagen

Regiebuch von Max Reinhardt | Bildquelle: © Salzburg Museum/Luigi Caputo Besonderes Exponat: Max Reinhardts Regiebuch zur ersten Inszenierung des "Jedermann" in Salzburg | Bildquelle: © Salzburg Museum/Luigi Caputo Verteilt auf etwa 1.800 Quadratmeter und über drei Etagen wird die Schau in einem außergewöhnlichen Rahmen präsentiert. Sie erzählt die Festspielgeschichte von der ersten Jedermann-Inszenierung von 1920 bis heute. Oft anhand sehr besonderer Festspiel-Devotionalien. Dabei ist etwa das rote Kleid von Anna Netrebko, das sie in der legendären "Traviata" trug. Aber auch ein Objekt aus dem Anfangsjahr – das für die kuratorische Assistentin Sarah Oswald außergewöhnlichste Exponat: das Regiebuch von Max Reinhardt, dem legendären Regisseur und Festspielgründer.

Multimedialer Rundgang durch 100 Jahre Festspiele

Installation "KlangRaum/KlangKörper" im Salzburg Museum.  | Bildquelle: © Salzburg Museum/Luigi Caputo Installation im Salzburg Museum: Abtauchen in die Klangwelten der Wiener Philharmoniker | Bildquelle: © Salzburg Museum/Luigi Caputo Konzipiert hat das Salzburg Museum diese Jubiläumsausstellung in enger Kooperation mit den Salzburger Festspielen. In den großen, häufig dunkel gehaltenen Räumen kann man im besten Sinne wandeln und sich auf die Film- und Tondokumente, Fotos, Kostüme und Requisiten und viele Ausschnitte aus Opern und Konzerten einlassen. Hier dominieren natürlich die Wiener Philharmoniker – seit 1925 untrennbar mit den Salzburger Festspielen verbunden. Zusätzlich zeigt die Ausstellung die Installation "KlangRaum/KlangKörper". Zu erleben ist sie in einem dem Großen Festspielhaus nachempfunden Ambiente und eröffnet so die Möglichkeit, in die Klangwelt der Wiener Philharmoniker abzutauchen.

Dunkles Kapitel NS-Zeit

Max reinhardt auf Schloss Leopoldkron | Bildquelle: © Archiv Setzer-Tschiedel/Imagno/picturedesk.com Von den Nazis vertrieben: Festspielgründer Max Reinhardt | Bildquelle: © Archiv Setzer-Tschiedel/Imagno/picturedesk.com Es sei bemerkenswert, meint Wilfried Haslauer, Salzburger Landeshauptmann, "wie 100 Jahre Festspiele auch 100 Jahre der gesellschaftlichen Brüche, des kulturellen, des historischen, des sozialen Zusammenlebens widerspiegeln." So werden auch die NS-Zeit und insbesondere der Umgang mit Max Reinhard in einem eigenen Raum dokumentiert. Der große Regisseur hatte 1920 mit seiner Jedermann-Inszenierung die Salzburger Festspiele eröffnet und musste nach dem Anschluss Österreichs als Jude von seinem Salzburger Wohnsitz, Schloß Leopoldkron, nach New York fliehen. Für Kurator Martin Hochleitner war es keine Frage, dass die Salzburger Festspiele mit dieser Ausstellung auch in den Spiegel schauen müssen.

Am Ende heißt es: Weiterspielen!

Und ganz am Ende der Ausstellung befindet sich im sogenannten Festspielarchiv noch eine besondere Attraktion: das Polyphon des österreichischen Sound-Künstlers Peter Androsch. Er hat einen riesigen Kasten mit kleinen Schubladen befüllt. Beim Öffnen erklingen aus unterschiedlichen Aufführungen, Inszenierungen und Lesungen Musik, Sprache und Geräusche. Da möchte man am liebsten immer weiterspielen.

Sendung: "Allegro" am 24. Juli 2020 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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