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Wirtschaftsfaktor Salzburger Festspiele Hoffen auf die Sommergäste

Die Coronakrise führt zu massiven Ausgangsbeschränkungen. Vielerorts steht der Kulturbetrieb still. Das hat nicht nur Auswirkungen auf Theater, Konzertsäle, Opernhäuser, Kinos und Kleinkunstbühnen, sondern auch auf den örtlichen Tourismus. Bestes Beispiel: Salzburg. Nach der Absage der Osterfestspiele fallen nun auch die Pfingstfestspiele aus.

Großes Festspielhaus Salzburg | Bildquelle: Salzburger Festspiele, Andreas Kolarik

Bildquelle: Salzburger Festspiele, Andreas Kolarik

In Salzburg sieht es derzeit aus wie in vielen anderen Städten weltweit auch: überwiegend leere Straßen, verwaiste Plätze und geschlossene Parks, Geschäfte und Restaurants. Auch das klassische Hufgetrappel der Kutschen in der Altstadt ist nicht mehr zu hören, die Fiaker fahren nicht mehr. Das Geschäft von Franz Winter steht still: "Wir haben in Salzburg den Betrieb komplett eingestellt, weil natürlich keine Gäste da sind", erzählt der Kutscher. "Die Pferde müssen allerdings bewegt werden. Wir fahren also jeden Tag ein bisschen herum, außerhalb der Stadt. Das ist der Wahnsinn, so etwas haben wir noch nicht erlebt. Das ist für niemanden angenehm."

Salzburg ohne Festspiele

Präsidentin der Salzburger Festspiele Helga Rabl-Stadler | Bildquelle: © Doris Wild & Team Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele | Bildquelle: © Doris Wild & Team An der Fassade des großen Festspielhauses prangt noch stolz ein Werbeplakat zum diesjährigen 100-jährigen Jubiläum der Salzburger Festspiele. Doch auch hier herrscht Tristesse. Nach den Osterfestspielen mussten nun auch die Pfingstfestspiele abgesagt werden. Die Präsidentin der Festspiele, Helga Rabl-Stadler, spricht von einem großen finanziellen Schaden. So lagen allein die Karteneinnahmen bei 1,3 Millionen Euro. Dieses Geld wird nun zurückgezahlt. Aber auch ideell sei ein großer Schaden entstanden: "Die Pfingstfestspiele waren in den letzten Jahren so etwas wie ein Glücksbringer", so Rabl-Stadler. "Es hat immer so erfolgsversprechend begonnen mit diesen vier Tagen. Jetzt mussten wir auch die Künstler in aller Welt verständigen, dass sie nicht stattfinden."

Festspiele als Wirtschaftsfaktor

Die Absage ist nicht nur ein herber Verlust für die Festspiele und die Künstler, sondern auch für die Hoteliers, Restaurantbesitzer und Inhaber der vielen Geschäfte in der Altstadt. Denn die Gäste der Festspiele sind ein treues Stammpublikum. Sie bleiben deutlich länger als andere Touristen (im Durchschnitt sechs Tage) und geben verhältnismäßig viel Geld aus. Das zeigt eine aktuelle Studie der Salzburger Wirtschaftskammer: Demnach gibt jeder Festspielbesucher täglich im Schnitt 870 Euro aus, rund 550 Euro für Festspielkarten und knapp 320 Euro für Verpflegung, Unterkunft und Konsumartikel. Die meisten Gäste übernachten in Hotels wie dem Goldenen Hirschen oder der Blauen Gans in der Getreidegasse. Für Andreas Gfrerer, den Betreiber der Blauen Gans sind die abgesagten Festspiele daher besonders bitter: "Wir hangeln uns in der ersten Jahreshälfte eigentlich so von Festival zu Festival. Die Oster- und Pfingstfestspiele waren wichtige Impulsgeber und haben Liquidität gebracht. Dass das wegfällt, erschwert die Situation nochmals.

Wir hangeln uns eigentlich von Festival zu Festival.
Andreas Gferer, Salzburger Hotelier

Wie Gfrerer erzählt, machen er und andere touristische Betriebe in der Stadt ungefähr ein Drittel ihres Jahresumsatzes in den ersten sechs Monaten, zwei Drittel in der zweiten Jahreshälfte. Vor allem die Monate Juli, August und Dezember seien stark. Dementsprechend wächst mit jeder Absage die Sorge bei den Unternehmen, wie es in diesem Jahr weitergeht. Schließlich könnten auch die Sommerfestspiele entfallen.

Hoffnungsanker: Sommerfestspiele

Während man unlängst in Salzburg noch angesichts der Besuchermassen über Overtourism diskutierte, hoffen nun alle, dass wenigstens im Sommer etwas Normalität zurückkehrt. Die Jubiläumsfestspiele sind bis jetzt nicht abgesagt worden, erst Ende Mai soll darüber entschieden werden: "Irgendetwas werden wir im Sommer machen, denn die Festspiele sind nicht irgendein Event. Sie wurden 1920 als Zeichen für die Kraft der Kunst in schwierigen Zeiten ins Leben gerufen. Es wäre ein unverzeihliches Beispiel von Selbstmitleid und Kleinmut, wenn wir jetzt sagen, wir machen gar nichts."

Es wäre ein unverzeihliches Beispiel von Selbstmitleid und Kleinmut, wenn wir jetzt sagen, wir machen gar nichts.
Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele

In welcher Form die Sommerfestspiele stattfinden und mit welchen Gästen hängt natürlich auch davon ab, ob die Grenzen offen sind. Denn viele der Festspielbesucher kommen aus Deutschland. Der Geschäftsführer der Tourismus Salzburg GmbH Bert Brugger rechnet damit, dass der Tourismus erst langsam wieder hochfährt: "Wir werden mit Österreichern anfangen, und es wird sich dann auf Europa ausweiten. Ich denke aber, dass die Überseemärkte erst dann wieder anlaufen, wenn entweder die Medikation sich stark verbessert hat oder eine Impfung angeboten werden kann. Dann wird es sich wieder normalisieren." 

Die Stimmung in der Stadt ist also im Moment zwar überwiegend trostlos, aber nicht hoffnungslos. Und vielleicht ist demnächst auch wieder das Hufgetrappel der Kutschen in der Altstadt zu hören.

Sendung: Allegro am 15. April 2020 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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