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München - Prozess wegen sexueller Nötigung Bewährungsstrafe für ehemaligen Präsidenten der Musikhochschule

Das Schöffengericht am Amtsgericht München hat Siegfried Mauser, den ehemaligen Präsidenten der Hochschule für Musik und Theater, am Nachmittag wegen sexueller Nötigung zu einer Zahlung von 25.000 Euro und einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Das Gerichtsgebäude für das Amtsgericht, das Landgericht I und II in München, das Oberlandesgericht und die Staatsanwaltschaft in München | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten gefordert, Mausers Verteidiger einen Freispruch ihres 61-jährigen Mandanten. Dem Pianisten und Musikwissenschaftler wurde vorgeworfen, während seiner Zeit als Präsident der Münchner Musikhochschule zwei ihm "untergebene" Dozentinnen sexuell genötigt zu haben.

Mit Verlaub, Herr Rektor, Sie sind ein Grapscher.
Richter Matthias Braumandl zu Beginn der Urteilsbegründung

In einem der beiden untersuchten Fälle sprach das Schöffengericht Siegfried Mauser frei, weil sich die Frau nicht eindeutig genug gewehrt habe. Im zweiten Fall befand es ihn für schuldig. Seine Bewährungsauflagen: Er muss 25 Monate lang 1000 Euro pro Monat an die gemeinnützige Einrichtung IMMA (Initiative für Münchner Mädchen) zahlen, einen eventuellen Wohnsitzwechsel melden und darf keine neuen Straftaten begehen. Ein Verstoß brächte ihn ins Gefängnis.

Verteidigung legt Berufung ein

Verteidiger Stephan Lucas sagte nach der Verkündung: "Mit dem Urteil sind wir nicht zufrieden. Wir werden Berufung einlegen. Und bei der rechtlichen Diskussion, die derzeit geführt wird, denke ich, werden noch ganz viele weitere Impulse kommen, die uns im Zweifel auch Recht geben können, wenn wir den ganzen Prozess nochmal durchführen." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Übergriffe in Räumlichkeiten der Münchner Musikhochschule

"Ich glaube den Zeuginnen", hatte der Staatsanwalt am Freitagvormittag vor dem Amtsgericht München gesagt, "da wurde tatsächlich Erlebtes geschildert." Die Übergriffe fanden demnach bei einer Besprechung und bei der Probe für ein Musikprojekt in Räumen der Musikhochschule statt. Beide Frauen sahen von einer Anzeige zunächst ab - laut Anklage weil sie Untergebene von Siegfried Mauser waren und mit diesem weiter zusammenarbeiten mussten.

Prozess in München: Verteidigung fordert Freispruch

Nach den Plädoyers äußerte sich auch Siegfried Mauser. Er beschrieb seine berufliche Laufbahn und sagte anschließend: "Was hier stattfindet, ist meine totale Existenzvernichtung - institutionell, akademisch, das Konzertwesen betreffend und wissenschaftlich." Insgesamt wurden nun 16 Zeugen vernommen. Das Verfahren verlief schneller als gedacht: Ursprünglich wurde mit dem Urteil erst am 31. Mai gerechnet.

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