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Verdi-Oper "Der Troubadour" am Staatstheater Nürnberg Peter Konwitschny setzt auf Scheiterhaufen

Wo er inszeniert, lassen die Schlagzeilen meistens nicht lang auf sich warten: Regisseur Peter Konwitschny. Ende der 90er ließ er in der "Csardasfürstin" Leichenteile fliegen und Soldaten kopflos tanzen, lieferte sich danach einen Gerichtsprozess mit der Semperoper, die seine Aufführung entschärft hatte. Am Samstag feiert eine neue Konwitschny-Inszenierung am Staatstheater Nürnberg Premiere. In seiner dritten Arbeit für Nürnberg widmet sich der Opernregisseur Giuseppe Verdis "Troubadour".

Szene aus der Oper "Der Troubadour" am Staatstheater Nürnberg, die am 13. November 2021 Premiere hat. | Bildquelle: Bettina Stoess

Bildquelle: Bettina Stoess

Es ist unverkennbar Guiseppe Verdi, der da aus dem Orchestergraben und von der Bühne in der Nürnberger Oper schallt. Seine Musik wird von Klassikliebenden weltweit verehrt und wurde von Peter Konwitschny nur leicht ergänzt. Ohnehin passen der "Troubadour" und Konwitschnys oft düsterer Regieansatz sehr gut zusammen, findet der Dirigent und musikalische Leiter Lutz de Veer. Der "Troubadour" sei zwischen "La Traviata" und "Rigoletto" entstanden, "und man hat ja auch oft gesagt, der Troubadour ist die schwärzeste Oper von Verdi", so der Dirigent. Auch musikalische mache es ihm Spaß, diese "dunklen Seiten" aus der Musik herauszukitzeln.

Schwarze Asche auf dem Bühnenboden

Szene aus der Oper "Der Troubadour" am Staatstheater Nürnberg, die am 13. November 2021 Premiere hat. | Bildquelle: Bettina Stoess Bildquelle: Bettina Stoess Peter Konwitschny fügt der schwärzesten Oper Verdis noch viel schwarze Asche hinzu. Sie bedeckt den Bühnenboden. Ansonsten gibt es als Bühnenbild nur einen riesigen Scheiterhaufen, ein hochaufragendes Puppentheater und zum Schluss vier Stühle. All das in einem schwarzen, raumlosen Raum. Konwitschny nutzt die ohnehin schon in der Opernwelt als legendär kompliziert verschriene Handlung des Troubadours und entfremdet sie.

Die Story des "Troubadour"

Im Original will Azucena den Feuertod ihrer Mutter rächen und dafür das Kind des Grafen verbrennen. Doch sie wirft aus Versehen ihr eigenes ins Feuer. Dafür zieht sie dann das Kind des Grafen als ihr eigenes auf – Troubadour Manrico. Der verstrickt sich in einen Liebeskampf mit seinem Bruder, Graf Luna, von dem er nicht weiß, dass er sein Bruder ist. Sie kämpfen erbittert um die adelige Leonora – mit den üblichen Toten am Ende.

Singen und Puppenspielen

Dieses Emotionschaos inszeniert Konwitschny als surrealistisches Puppenspiel. Die Hauptpartien des Stücks singen mit einer Puppe in der Hand – auch Sopranistin Emily Newton als Leonora. Für sie ein doppeltes Debut, in der Rolle als Leonora und als Puppenspielerin. Unterstützt habe sie ein Profi-Puppenspieler, erzählt Newton. Am Anfang sei sie ganz schön abgelenkt gewesen und habe die Worte durcheinandergebracht. "Jetzt bin ich aber routinierter und hoffe, es hat eine Wirkung im Publikum", so die Sopranistin. Auf das Publikum wirken dürften auch eine Vergewaltigung auf dem Scheiterhaufen, ein sehr eindrücklicher Feuertod, Nonnen mit Pistolen und Verdis Zigeuner als Cowboys.

Eine Oper ohne Ausweg

Szene aus der Oper "Der Troubadour" am Staatstheater Nürnberg, die am 13. November 2021 Premiere hat. | Bildquelle: Bettina Stoess Bildquelle: Bettina Stoess Am Ende gibt es dann nur noch sie, die Musik. Die beiden Brüder, Leonora und Azucena sitzen im Licht eines Scheinwerfers nebeneinander auf Stühlen, wie an der Bushaltestelle, singen sich selbst in den Tod, bejubeln ihre Rache. Peter Konwitschny gibt seinem Publikum wieder viel zu sehen und zu hören und das ohne Ausweg. Ein weiterer Clou, findet Dirigent Lutz de Veer – für ihn ist es eine Herausforderung, ohne Pause zu spielen. "In dieser Aufgeregtheit der Musik, da kommt man nicht dazu, einen Break zu machen." Wichtig sei, dass das Publikum dranbleibe, und nicht "nach 20 Minuten kalt vom Sekt kommt".

Das ist durchaus anstrengend, aber ich glaube, das erzählt sich gut so.
Dirigent Lutz de Veer

Sendung: "Leporello" am 12. November 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (1)

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Sonntag, 14.November, 08:23 Uhr

Robert Forst

Sänger?

Völlig unzureichende Kritik, in der fast alle Sänger nicht genannt werden. Was immer aber die Regisseure verbrechen, das ist das Wichtigste!!

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