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Ärger in Bayreuth um Stefan Mickisch Wagner-Experte in Villa Wahnfried unerwünscht

Nach Jana aus Kassel jetzt Stefan aus Bayreuth: Der bekannte Pianist und Wagner-Experte Stefan Mickisch wettert auf seinem Facebook-Kanal schon seit Monaten gegen die Corona-Politik von Bund und Ländern. Zuletzt verglich er sich in einem Post mit dem Nazi-Widerstandskämpfer Hans Scholl. Auf dem Grünen Hügel hat man nun reagiert und den Pianisten zur unerwünschten Person erklärt: Für Mickisch ist die Villa Wahnfried in Zukunft tabu.

Wagnerexperte Stefan Mickisch | Bildquelle: Stefan Mickisch

Bildquelle: Stefan Mickisch

Abgegeben hat die Erklärung der Leiter des Richard-Wagner-Museums Dr. Sven Friedrich. Gegenüber der Mainwelle betonte Friedrich, man müsse den sogenannten Querdenkern entschieden entgegentreten. Auch auf Facebook. Und auch wenn es sich dabei um einen Musiker handle, der den Wagner-Festspielen einst eng verbunden war. Mickischs Einführungsmatineen am Flügel genossen in Bayreuth jahrelang Kultstatus. Sogar der britische Schauspieler, Schrifststeller und Komiker Stephen Fry lies sich 2010 in seiner Dokumentation "Wagner & Me" von Mickisch den Tristan-Akkord erklären.

Schon 2014 allerdings wurde Mickisch mit einem kruden Text auf Facebook auffällig. Sein Ziel damals: Richard Wagner vom Vorwurf des Antisemitismus reinzuwaschen. Unter anderem die Verharmlosung des Holocaust wurde dem Pianisten in der Folge vorgeworfen. Endgültig zum intellektuellen Außenseiter hat sich Mickisch mit Beginn der Corona-Pandemie gemacht: Im April nannte er die Gesundheitspolitik der Bundesregierung "Coronafaschismus", warnte vor drohender Totalüberwachung ("Chippen") und rief zum Widerstand gegen die Polizei auf. Der Wagnerianer als Verschwörungstheoretiker.

Nach den erneuten Wortmeldungen des selbsterklärten "Widerstandskämpfers" Stefan Mickisch ist auch unklar, wie die Bayreuther Festspiele darauf reagieren.

Sendung: Allegro am 21. Dezember 2020 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (13)

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Freitag, 25.Dezember, 19:05 Uhr

Johanna Herzog

Stefan Mickisch

Es wird mir angst und bang, wenn ich lese, dass ein genialer Künstler wie
Herr Mickisch "reflexartig" diffamiert wird. Die sogenannten
Demokraten stellen sich nicht der Diskussion, sondern erklären schlichtweg
Andersdenkende "zur unerwünschten Person". Kann es sein, dass Herr Dr.
Friedrich seine Position überschätzt. Er ist nicht Herr im Hause Wahnfried,
sondern hat dem Nachlass Richard Wagners zu dienen.

Mittwoch, 23.Dezember, 18:33 Uhr

Bonitz, Matthias

Mikisch

Das wird ja alles immer unerträglicher. Wie tief eingedrungen ist inzwischen dieses Nazi Gedankengut in unserer Gesellschaft, wenn selbst "Intellektuelle" in dieser Stellung wie Mikisch sich dermaßen verhalten. Es ist Zeit, dass man weiß, wie Paul Celan schon 1948 in n seinem Gedicht Corona geschrieben hat, Celan, der Zeit seines Lebens an einer "Überlebensschuld" litt, die auch sein Verhältnis zu Ingeborg Bachmann beeinträchtigte, eine Schuld, weil er dem KZ Tod entkommen ist und seine Eltern nicht. "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" . Diese Textzeile aus seiner Todesfüge darf nie wieder Realität werden. Deshalb muss dringend gegen rhetorische Brandstifter vorgegangen werden und diese dürfen nicht von einer schweigenden Mehrheit toleriert. werden.

Montag, 21.Dezember, 19:01 Uhr

Andreas

Verfassungstreue

Durch die Suspendierung wird doch nicht die Meinungsfreiheit eingeschränkt! Hier geht es um die Art und Weise der Kritik. Sich mit Widerstandskämpfern zu vergleichen und den Holocaust zu leugnen, ist keine Gesellschaftskritik ,sondern Volksverhetzung. Das Grundproblem aller Querdenker ist die Ablehnung des demokratischen Rechtsstaates. Und dagegen muss sich der Staat wehren.

Montag, 21.Dezember, 16:18 Uhr

Dr. Clemens Capelle

Stefan Mikisch

Man muss das erlebt haben, wie er bei der letzten Sonntagsmatinee im Wiener Konzerthaus 40 min lang über die Polizei, die Beamten und Politiker, insbesondere den Bundeskanzler mit leerem Hirn herzog, ca 25 Besucher haben entrüstet das Haus verlassen. Die nächste angekündigte Matinee wurde abgesagt.

Montag, 21.Dezember, 15:28 Uhr

Heiko

Meinungsfreiheit

... gibt es bei uns schon lange nicht mehr

Montag, 21.Dezember, 14:02 Uhr

Jan Kampmeier

Mickisch

Die Coronapolitik zu kritisieren ist eindeutig legitim. Es fällt aber auf, daß solche Kritik gesellschaftlich nicht erwünscht ist und erschreckend hart sanktioniert wird. Nun weiß ich allerdings nicht, was Herr Mickisch gesagt hat und ob man dem zustimmen kann oder nicht. Vielleicht irrt er sich, vielleicht hat er Unrecht. Aber grundsätzlich halte ich es für verkehrt, jemanden wegen seiner Meinung derart öffentlich zu brandmarken. Ist das etwa liberal? Ist das etwa tollerant? Eher nicht. Sind aber nicht genau das die Werte, die heute als so wichtig gelten?

Montag, 21.Dezember, 13:39 Uhr

G.B.

Mikisch

Eigentlich müsste der Mann aufgrund seiner Äußerungen mal auf seinen Geisteszustand untersucht werden.
Eine Schande für Wagner und Bayreuth.
5

Sonntag, 20.Dezember, 19:23 Uhr

Kaminski

MICKISCH

Es ist eine Schande für unser Land, dass der berühmte Wagner Interpret wegen seiner Meinung zur Corona Strategie der Reg. Rausgeworfen. Schande ,Schande Schande!

Sonntag, 20.Dezember, 17:53 Uhr

Balk Gerhard

Mickisch

Ich kenne den Stefan persönlich sehr gut.
Leider ist dieser eigentlich geniale Musiker dermaßen tief ins braune rechte Lager abgedriftet, so dass jegliche Begegnung mit ihm zu hässlichen Anwürfen gegen alle und alles kommt, die nicht seiner kruden Meinung sind.
Schade um ihn. Richtig die Reaktion aus Bayreuth

Sonntag, 20.Dezember, 17:52 Uhr

Martin Beddig

Obenstehender Artikel

Das war überfällig, man muss diesen Verschwörungstheorien entschieden entgegen treten. Diese Menschen wissen scheinbar überhaupt nicht, was eine Diktatur ausmacht. Vielleicht wäre ein Aufenthalt beispielsweise in Belarus oder Nordkorea als Therapie anzuraten.
Wagners Antisemitismus ist bzw. war eine Tatsache, man muss nur sein Pamphlet " Das Judentum in der Musik " lesen, leider erschreckend. Schlimm vor allem, das es nicht nur ein einmaliger Ausrutscher war, nein, gleich zweimal hat er es verfasst ( 1850 und 1869 ), in der zweiten Version teilweise noch radikaler. Das gibt es nichts zu euphemisieren.

Sonntag, 20.Dezember, 09:56 Uhr

H.A.

VOM HÜGEL GEFLOGEN

Wenn Musik und Kunst zu einem Instrument der politischen Verfolgung wird, dann haben wir alte Verhältnisse, die die Welt nicht braucht und die im allgemeine nicht wollen. Aber vielleicht zeigt sich ja nicht das Alte im Neuen, sondern schlicht die Tatsache, dass wir unsere Zivilisation qualitativ stark überschätzen.

Samstag, 19.Dezember, 19:12 Uhr

K.-P.Karkossa

Corona Politik

Die Politik hat sicher nicht alles richtig gemacht.
Wie auch bei der Kompliziertheit der Materie und der Eigensinnigkeit mancher Länderchefs.
Kreuz und quer zu denken scheint bei dem Herrn normal zu sein. Er sollte mal versuchen geradeaus zu denken.
Als ausübender Künstler wird sich Herr Mickisch sicherlich wundern wo ein Großteil des Publikums bleibt wenn alle Alten tot sind.

Samstag, 19.Dezember, 18:11 Uhr

Dr. Sven Friedrich

Mickisch

1. Das Haus Wahnfried ist nicht der "Grüne Hügel". Die Bayreuther Festspiele haben damit zunächst nichts zu tun.
2. Ich habe Mickisch kein "Hausverbot" erteilt, sondern ihn zu unerwünschten Person in Wahnfried erklärt. Das ist ein zwar kleiner, aber feiner Unterschied...

BR-KLASSIK: Vielen Dank für den Hinweis, wir haben das mit dem "Hausverbot" entsprechend korrigiert.

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