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Symposium an Münchner Musikhochschule Taekwondo für Musiker bei "Art in Motion"

Klingt die Tonleiter unregelmäßig? Spielen die Finger nicht richtig mit? Dann hilft nur Taekwondo. Bestimmte Kampfsportarten können Musikern helfen, ihre Bewegungsabläufe besser zu koordinieren. Einige dieser Techniken hat das Symposium "Art in Motion" an der Münchner Musikhochschule vorgestellt. Antonia Morin hat sich Workshops zu Taekwondo und Timani angesehen.

Symposium "Art in motion" an der Musikhochschule München | Bildquelle: © Musikhochschule München

Bildquelle: © Musikhochschule München

Workshop

Taekwondo und Timani für Musiker

Eine Hand vor dem Körper ausstrecken, eine Faust bilden, die andere Hand geht an die Hüfte. Wir stehen barfuß in einem Raum der Münchner Musikhochschule: 16 Workshopteilnehmer aus der ganzen Welt. Für uns alle ist es die erste Taekwondo-Stunde. Es ist ein heißer Tag, die Luft ist stickig. Vor uns steht Alex Berghammer, Großmeister im Taekwondo - mit weißem Anzug und schwarzem Gürtel. Jetzt sollen wir zur Übung noch die Füße dazunehmen. Gar nicht so einfach. Ich komme mit meinen Händen durcheinander, muss kurz stoppen und neu anfangen. Anscheinend bin ich nicht die Einzige.

Diagonales Training

"Ich merke, das Links - Rechts, das fehlt mir ein bisschen", stellt Gitarrist Peter Hackel fest. "Wenn ich mit beiden Händen was Unterschiedliches machen soll, denke ich immer nach, was ich machen muss - und dann ist es schon vorbei." Peter Hackel ist stellvertretender Schulleiter der Kreismusikschule Erding. Was sein und mein Gehirn so durcheinander gebracht hat, nennt sich "Diagonales Training". Durch Gegenbewegungen mit den Händen würden beide Gehirnhälften trainiert, sagt Alex Berghammer. "Dadurch wird die Konzentration gestärkt", erklärt er.

Bessere Konzentration und Koordination

Mit reinem Kampfsport hat Taekwondo nichts zu tun, das merke ich schnell. Die Übungen erinnern mich teils an Yoga, teils an Gymnastik oder Tai Chi. In Korea ist Taekwondo Nationalsport. Schon kleine Kinder lernen so, sich zu konzentrieren und ihre Bewegungen zu fokussieren. Das könnte also auch beim Schlagzeugspielen helfen, überlegt Simon Jaffa. Er studiert Schulmusik und hofft, mit Hilfe von Taekwondo mehr Fokus ins Spiel zu bekommen.

Das bewirkt wirklich ne Stimmungsveränderung.
Heidi Brande, Teilnehmerin

Mittlerweile hab ich den Dreh raus: Ausfallschritt zur Seite, rechte Hand ausgestreckt wie in Abwehrhaltung nach vorn, anspannen, linke Faust an die Hüfte, und wieder zur Mitte, entspannen. Alex Berghammer wechselt die Musik. Jetzt das Ganze schneller und im Rhythmus. Das ist fast wie Tanzen. Ich fühle mich plötzlich ganz locker und merke, dass ich lächle - obwohl im Raum inzwischen Saunatemperaturen herrschen und wir alle schwitzen. Viel zu schnell geht die Stunde vorbei. "Ich bin total überzeugt von der Methode", sagt Heidi Brande. Die Hamburgerin coacht Musiker vor Bühnenauftritten. Sie kann sich gut vorstellen, in Zukunft Taekwondo als Vorwärmübung auszuprobieren: "Es geht aus der Entspannung in die Anspannung. Und dann habe ich das Gehirn auf Reset und kann wieder neue Cluster lernen. Finde ich sehr genial."

Muskeln aktivieren und entspannen

Beim Timani-Workshop geht es weniger schweißtreibend zu. Wir sitzen auf dem Boden, während uns die isländische Flötistin Björg Brjánsdóttir eine Übung erklärt: Mit der Hand stellen wir ein schwimmendes Entlein im Teich nach. Rechter Arm parallel zum Boden, Handrücken aufstellen, Finger lang strecken und in Richtung Handknöchel ziehen. Nach drei Wiederholungen beginnt meine Hand zu kribbeln, meine Handfläche wird ganz warm. Wir sollen ein Gefühl für die Muskeln in unserer Hand bekommen, Muskeln aktivieren, die wir normalerweise beim Musizieren nicht brauchen und andere Muskeln entspannen, die sonst permanent angespannt sind. Das kann zum Beispiel Sehnenscheidenentzündungen vorbeugen. Timani stammt ursprünglich aus Norwegen und ist eine Methode, die speziell für Musiker entwickelt wurde. Wichtig bei dieser Methode: eine gewisse Neugier, etwas über den eigenen Körper zu lernen, erklärt Björg Brjánsdóttir.

Indem wir Musiker uns Anatomie und Bewegungsabläufe bewusst machen, können wir unsere Koordination neu programmieren.
Björg Brjánsdóttir , Timani-Trainerin

40 Minuten Workshop sind natürlich viel zu wenig, um eine Technik wie Timani wirklich auszuprobieren. Aber immerhin: Timani hat mir bewusst gemacht, wie wichtig es ist, als Musiker seinen Körper zu kennen und wahrzunehmen. Und aus dem Taekwondo-Workshop werde ich die ein oder andere Übung sicher zur Entspannung vor meinem nächsten Konzert einsetzen.

"Art in Motion 2016 - Training for Excellence"

24./25. Juni 2016
Symposium an der Hochschule für Musik und Theater München

Alle Informationen zu den Workshops finden Sie hier.

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