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Trevor Pinnock zum 70. Geburtstag Musik mit Sprache und Seele

Der Brite Trevor Pinnock ist ein außerordentlich vielseitiger Musiker. Als Dirigent setzt er sich seit langem intensiv für die Aufführung barocker und klassischer Musik auf Originalinstrumenten ein und zählt hier zu den Pionieren. Zudem genießt er einen außergewöhnlichen Ruf als Cembalist. Sein Wissen und seine Erfahrungen gibt er gerne weiter, arbeitet immer wieder mit Studenten. Am 16. Dezember feiert Trevor Pinnock seinen 70. Geburtstag.

Dirigent und Cembalist Trevor Pinnock | Bildquelle: © Peer Lindgreen

Bildquelle: © Peer Lindgreen

"Warum ich mit dem Cembalo angefangen habe? Ich kann Ihnen sagen, dass ich mit sieben Jahren überhaupt nichts über Cembali wusste", erinnert sich Pinnock an seine musikalischen Anfänge. "Aber seit ich die Alte Musik für mich entdeckt habe, hat das Interesse an dieser Musik nicht nachgelassen. Und der Reiz des Cembalos ist vielleicht, dass man diesem sehr einfachen Instrument eine Musik mit Sprache, eine Musik mit Seele entlocken muss und nicht nur etwas rein Mechanisches."

Ausbildung in Canterbury und London

Cembalist, Kammermusiker und Dirigent - die "Times" sagt, Trevor Pinnock sei "the complete musician". Seine ersten Instrumente waren das Klavier und die Orgel, beides spielte er bereits als Kind. Musikalisch ausgebildet wurde Pinnock dann an der Canterbury Cathedral und am London Royal College of Music. Hier lernte er schließlich das Cembalo kennen, das später sein Lieblingsinstrument wurde. Zunehmend reizte ihn auch das Dirigieren. 1973 gründete er sein Orchester "The English Concert" und leitete es drei Jahrzehnte. Die Besonderheiten dieses Barockorchesters: Es widmet sich bis heute ausschließlich der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, und die Musiker spielen auf Originalinstrumenten.

Authentizität ohne Engstirnigkeit

Trevor Pinnock Cembalist | Bildquelle: picture-alliance/dpa Trevor Pinnock | Bildquelle: picture-alliance/dpa Wichtiger als der Klang der historischen Instrumente bleibt jedoch für Trevor Pinnock die Art und Weise des Spielens: "Sobald ein Komponist ein Werk fertig geschrieben hat, gibt er es an Musiker weiter, um es von ihnen spielen zu lassen", erläutert er. "Die Musik gehört ihm nicht mehr alleine, und ein authentischer Klang ist die Antwort guter Musiker auf diese Komposition über alle Zeiten hinweg. Authentizität beschränkt sich für mich nicht auf den Einsatz von Originalinstrumenten; auch eine respektvolle Neubearbeitung ist authentisch, egal auf welchen Instrumenten gespielt wird. Obwohl ich mich auf alte Instrumente spezialisiert habe und zutiefst an sie glaube, ist mir eine enge Definition von Authentizität völlig fremd."

Früher habe ich mit Taktstock dirigiert. Heute dirigiere ich ohne.
Trevor Pinnock

Das Orchester als atmender Körper

Trevor Pinnock arbeitet aber nicht nur auf dem Gebiet der Historischen Aufführungspraxis, sondern auch gerne mit modernen Instrumenten. Dabei hat er als Dirigent eine außergewöhnliche Art des Kommunizierens mit den Orchestern entwickelt: "Ja, früher habe ich mit Taktstock dirigiert. Heute dirigiere ich ohne. Ich finde es auch fruchtbarer für die Musik, einfach nur mit meinen Händen und mit meinen Augen zu arbeiten. Und natürlich auch mit dem Atem. Das ist ganz wichtig! Alle Musiker sollten zu einem gemeinsam atmenden Körper werden. Es ist wichtig, dass wir uns mehr über die Musik verständigen, als über Worte."

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