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Augsburger Trompetenstreit Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof

Der sogenannte Augsburger Trompetenstreit wurde am 28.9.2018 vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt. Ein Trompeter übte und unterrichtete regelmäßig zu Hause auf seinem Instrument. Die Nachbarn klagten. Wie kam es zum Gang bis zur letzten Instanz?

Comic- Musiker spielt Trompete und der Nachbar hält sich die Ohren zu | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Seit Jahren schon schwelt der Streit zwischen den beiden Nachbarn: Der eine ist Orchestermusiker - er muss üben und möchte Unterricht geben. Der andere will seine Ruhe haben in dem ansonsten beschaulich ruhigen Augsburger Wohngebiet.

Zum üben ins Dachgeschoss

Das Augsburger Landgericht hatte dem Musiker bereits das Unterrichten verboten, zum Üben muss er seitdem in seinen Übungsraum ins Dachgeschoss gehen. Ein Ortstermin mit dem Richter hatte ergeben, dass dann das Trompetenspiel im Nachbarhaus nicht mehr zu hören ist. Allerdings soll der Musiker auch dort nur noch werktags zu bestimmten Zeiten spielen dürfen - insgesamt nicht mehr als zehn Stunden die Woche. Der Profitrompeter wollte diese Entscheidung nicht akzeptieren und legte Revision ein. Bei der Verhandlung am Bundesgerichtshof in Karlsruhe sagte die vorsitzende Richterin Christina Stresemann nun zu dem vorhergegangenen Urteil des Landgerichts: "Das scheint uns deutlich zu streng zu sein".

Wie viel Hausmusik ist erlaubt?

Prinzipiell muss niemand auf das Musizieren daheim komplett verzichten. Für die Gerichte ist es "Bestandteil eines sozial üblichen Verhaltens" und gehört zur grundgesetzlich geschützten Entfaltung der Persönlichkeit. Weil sich kaum ein Instrument in Zimmerlautstärke spielen lässt, müssen allerdings die Ruhezeiten eingehalten werden. In vielen Bundesländern geht die Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr. In der Hausordnung kann außerdem festgelegt werden, wie lange am Tag höchstens gespielt werden darf. Maßgeblich seien aber auch die "tatsächlichen Gegebenheiten", so entschied der BGH im Jahr 1998. Es kommt also darauf an, wie hellhörig ein Gebäude ist, wie laut die Umgebung und welche Art von Musik gemacht wird. Der Deutsche Mieterbund meint dazu: "Das Recht, Musik zu spielen, muss so schonend wie möglich ausgeübt werden." Das Urteil des BGH in dem Augsburger Fall wird am 26. Oktober 2018 verkündet.

Sendung: "Allegro" am 28. September 2018 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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