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Zensur bei "Les Misérables" in Singapur Kussszene zweier Männer gestrichen

Ein Kuss zwischen zwei männlichen Musicaldarstellern hat in Singapur die Medienbehörde auf den Plan gerufen - und wurde daraufhin gestrichen. Künstler reagierten empört auf die Zensur.

Opernhaus Singapur in Form einer Durianfrucht | Bildquelle: © imago/Chai von der Laage

Bildquelle: © imago/Chai von der Laage

In Singapur hat eine Kussszene zwischen zwei männlichen Darstellern im Musical "Les Misérables" Protest unter den Zuschauern ausgelöst - daraufhin drohte die Medienbehörde des Stadtstaats mit Sanktionen gegen das Theater.
Während des Songs "Beggars at the Feast" hatten sich die Lippen der beiden Männer kurz berührt. Der Kuss wurde mittlerweile von den Veranstaltern gestrichen, um weiteren Ärger mit der Medienbehörde zu vermeiden, wie der Promoter Moses Lye berichtete. Künstler reagierten empört auf die Zensur. Der Dramatiker Alfian Sa'at postete auf Facebook, es sei eine Grenze überschritten worden: Das sei kein "stolzer Konservatismus" mehr, sondern bereits "verschlafenes Kulturbanausentum".

Im Vorfeld der Aufführung am Esplanade Theatre Singapur hatte die Medienbehörde die gleichgeschlechtliche Kussszene im Musical zunächst nicht beanstandet, da sie nicht eindeutig aus dem Skript hervorgegangen sei. Homosexualität ist in dem südostasiatischen Stadtstaat verboten. Nach eigenen Angaben ergreifen die Behörden allerdings keine Strafmaßnahmen gegen gleichgeschlechtliche Paare, wie sie betonen. Zensur ist in Singapur bei internationalen Produktionen nichts außergewöhnliches. Bei einem Konzert der Pop-Ikone Madonna im März wurden Songs mit religiösen Inhalten wie "Holy Water" gestrichen. In einer Aufführung des "King Lear" 2007, bei der Hauptdarsteller Sir Ian McKellen nackt auf der Bühne stehen sollte, trug er in Singapur einen Lendenschurz.

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