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Brechts "Kaukasischer Kreidekreis" Episches Theater in Würzburg

Eine Interimsspielstätte als Inspiration: Das Würzburger Mainfranken Theater bringt Bertolt Brechts "Kaukasischen Kreidekreis" auf die Bühne. Am 15. Januar ist Premiere – an einem besonderen Ort.

Matthias Fuchs als Azdak wirft mit Geldscheinen um sich. | Bildquelle: Nik Schölzel

Bildquelle: Nik Schölzel

Aufgeführt wird "Der Kaukasische Kreidekreis" nämlich in der Würzburger St. Andreas Kirche (Sonderau), ein Sakralbau der 60-er Jahre, der im Stil des Brutalismus gebaut wurde. Seit 2018 wird das Mainfranken Theater, das in diesem Jahr zum Staatstheater wird, bei laufendem Betrieb saniert. Somit gibt es derzeit einige Interimsspielstätten, an die sich die Ensembles des Vier-Sparten-Hauses anpassen müssen. Im Interview mit BR-KLASSIK beschreibt Regisseurin Bea Martinek den Raum der St. Andreas Kirche: Er habe sehr viel Weite und eine Größe, die in der Inszenierung auf jeden Fall mitgedacht werden sollte. "Wir haben uns den Ort erst einmal angeschaut, und haben versucht, das Bühnenbild in diese Kirche einzufügen." Beispielsweise sei bei einem Steg auf dem Altar die Betonoptik wiederaufgenommen, und auch die kreisförmige Ausrichtung der Treppe passe sich dem Bild der Kirche an.

Wir haben uns den Ort erst einmal angeschaut, und haben versucht, das Bühnenbild in diese Kirche einzufügen.
Bea Martinek

Musik von Paul Dessau neu arrangiert

Nicht nur das Bühnenbild wurde an den Raum angepasst, sondern auch die Instrumentierung und das Arrangement der Musik von Paul Dessau (1894-1979). Komponist und Jazz- Gitarrist Adrian Sieber hat sich intensiv mit der Musik von Paul Dessau beschäftigt, ebenso wie Regisseurin Bea Martinek. Gemeinsam haben sie sich dann für die besondere Instrumentierung mit E-Gitarre, Saxophon und Orgel – passend zum Spielort – entschieden. Die ursprünglich in der Komposition enthaltenen Schlaginstrumente schlossen die beiden aufgrund des Ortes von vornherein aus.  Die Musik soll nicht nur ein Hintergrundrauschen sein, so Bea Martink, denn sie hat eine tragende Rolle im Stück:  Sie soll das Publikum durch die Geschichte hindurchführen. Figuren wie die der Grusche und des Azdak hätten deshalb sogar eigene musikalische Motive bekommen.

Brechts Episches Theater will das Publikum erziehen

Mit dem Epischen Theater, das Brecht als ein "Theater des wissenschaftlichen Zeitalters" bezeichnete, wollte der Schriftsteller an die Vernunft der Zuschauer appellieren und damit letztlich die Gesellschaft verändern, er wollte sein Publikum erziehen. Von dieser Idee Brechts ist Bea Martinek allerdings nicht überzeugt. "Ich finde den Begriff 'erziehen' persönlich schwierig, vielleicht eher ein Aufzeigen von Zuständen", so die Regisseurin im BR-KLASSIK-Interview. "Ein Nochmal-Bewusstmachen, aber die Interpretation dessen, was dann unten ankommt, belasse ich dann gerne dem Zuschauer, der Zuschauerin."

Worum geht es im Kaukasischen Kreidekreis?

In dem Stück geht es um Flucht und die Verteilung von Reichtum und Besitz. Ein Thema, das auch heute noch aktuell ist. Nachdem der Gouverneur umgebracht wurde und die Revolution immer näherkommt, ist die Magd Grusche auf der Flucht. Ebenso wie die Gouverneursfrau Natella, die ihr Kind zurückgelassen hat. Grusche kümmert sich um dieses Kind. Um es zu schützen und es als ihr eigenes ausgeben zu können, heiratet sie einen armen, im Sterben liegenden Bauern – obwohl sie bereits verlobt ist. Nachdem sich die Unruhen gelegt haben, kommt die Gouverneursfrau Natella zu ihr und möchte das Kind wiederhaben – sie spekuliert auf das Erbe des Gouverneurs. Doch Grusche liebt das Kind und will es nicht hergeben - und so wird vom "Armeleuterichter" Azdak die berühmte Kreidekreisprobe gefordert, bei der die echte Mutterschaft geklärt werden soll.

Bertolt Brechts "Der Kaukasische Kreidekreis" entstand in musikalischer Zusammenarbeit mit Paul Dessau, als beide in den USA im Exil lebten. 1948 wurde des Stück in Minnesota uraufgeführt.  Erst im Oktober 1954 kam es am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin unter der Regie von Brecht selbst zur deutschsprachigen Erstaufführung. Am 15. Januar 2022 feiert das Stück Premiere am Mainfranken Theater Würzburg .

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