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Vergabeverfahren zum Münchner Konzertsaal Stephan Braunfels klagt sich in den Wettbewerb

Der Berliner Architekt Stephan Braunfels liegt weiterhin im Clinch mit dem Freistaat Bayern. Nun hat er sich erfolgreich in das Vergabeverfahren geklagt. Der Wettbewerb wird zwar nicht neu ausgeschrieben, aber er könnte als Nachrücker in den Topf kommen.

Architekt Stephan Braunfels | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

BR-KLASSIK berichtete im November davon, dass der berühmte Berliner Architekt Stephan Braunfels - er hat unter anderem in München die Pinakothek der Moderne und Regierungsbauten in Berlin entworfen - nicht am Vergabeverfahren des Staatlichen Bauamts für den neuen Münchner Konzertsaal teilnehmen darf. Braunfels fühlt sich daher von Bayern ausgegrenzt.

Es ist offensichtlich, wie absichtsvoll ich hier vom Freistaat ausgegrenzt worden bin.
Stephan Braunfels gegenüber der SZ

Zum explizit "nicht offenen Verfahren" wurden sechs Architekturbüros direkt eingeladen, über 200 weitere hatten sich beworben. Anhand einer "Matrix" genannten Bewertungstabelle kamen 29 von ihnen in den Wettbewerb. Im Mai soll der Sieger feststehen, bis Ende des Jahres die Aufträge vergeben sein.

Im Streit mit dem Freistaat

Stephan Braunfels wurde weder direkt in die Auswahl genommen, noch gehört er zu den 29 Teams in der engeren Auswahl, denn er hat nach der Auswertung der abgefragten Kriterien nicht die nötige Punktzahl erreicht. Braunfels bezeichnet das Vergabeverfahren als "Skandal". In seinen Augen wurde die Matrix so angelegt, dass er auf keinen Fall zum Zuge kommen konnte. Die von ihm gebaute Pinakothek der Moderne in München, bei der der Bauherr ebenfalls der Freistaat Bayern ist, wurde nicht in die Bewertung mit aufgenommen: Die Matrix akzeptiert nur Projekte ab 2010, der spektatkuläre Museumsbau wurde allerdings bereits 2002 eröffnet. Braunfels liegt seit Jahren im Streit mit dem Freistaat, es geht um Honorare in Millionenhöhe.

Nun bekommt der Architekt zumindest teilweise Recht - von der Vergabekammer der Regierung, die unabhängig vom federführenden Kultusministerium und dem Staatlichem Bauamt entscheidet. So habe der Freistaat Bayern "im Verfahren jedenfalls eher deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er eine Teilnahme [von Braunfels, Anm. d. Red.] möglichst vermeiden möchte", so die Urteilsbegründung. Kommt Braunfels nun nicht zum Zug - also in die engere Auswahl -, könnte er beim Oberlandesgericht erneut Klage einreichen.

Der Wettbewerb - bisherige Planung

Die ausgewählten Bewerber für den Planungswettbewerb um den Münchner Konzertsaal haben nach bisheriger Planung bis zum März 2017 Zeit, ihre Vorschläge einzureichen. Mitte Mai will die Jury dann die Preisgerichtssitzung abhalten. Wie das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst mitteilte, wurden die Namen der neu ausgewählten 29 Bewerber auf Wunsch der Fachpreisrichter nicht genannt, um eine mögliche Voreingenommenheit der Jurymitglieder zu verhindern. Bekannt sind damit nur die sechs bereits zuvor gesetzten Architekturbüros.

Ehrgeiziger Zeitplan in Gefahr

All das gefährdet den ehrgeizigen Zeitplan von Kultusminister Ludwig Spaenle, laut dem "im Frühsommer 2018" mit den Bauarbeiten begonnen werden soll, also noch vor der Landtagswahl im Herbst. Der Architekt beschreibt eine mögliche Lösung gegenüber der Süddeutschen Zeitung: Die bis März abzugebenden Entwürfe werden beim Notar hinterlegt und Braunfels' Büro erhält einen entsprechenden Aufschub, weil die Konkurrenten bereits seit Dezember daran arbeiten.

Wenn man mich an einem Wettbewerb teilnehmen lässt, werde ich ihn auch gewinnen
Stephan Braunfels gegenüber der SZ

Im Moment werde "eingehend geprüft"; mehr war aus dem Kultusministerium nicht zu erfahren. Der (gerichts-) streitlustige Stephan Braunfels ist sich sicher: "Wenn man mich an einem Wettbewerb teilnehmen lässt, werde ich ihn auch gewinnen." Beinahe sicher ist jedoch auch, dass es dann zusätzliche Verzögerungen geben würde, weil weitere Architekten ihre Berücksichtigung einklagen könnten.

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