BR-KLASSIK

Inhalt

Urteil im Konzertsaal-Streit Braunfels-Klage abgewiesen

Das Oberlandesgericht München hat die Klage des Architekten Stephan Braunfels im Streit um den Architektenwettbewerb für den neuen Münchner Konzertsaal abgewiesen. Braunfels, der in München die Pinakothek der Moderne entworfen hat, war in der Vorauswahl des Wettbewerbs ausgeschieden und fühlte sich falsch bewertet. Der Architekt berief sich auf intransparente Auswahlkriterien, die Willkür ermöglichten. Sein Ziel war ein Stopp des gesamten Wettbewerbs.

Stephan Braunfels, 2011 | Bildquelle: picture-alliance/dpa/Martin Schutt

Bildquelle: picture-alliance/dpa/Martin Schutt

Die Voraussetzungen für eine Aufhebung des Wettbewerbs waren nicht gegeben, sagte die Vorsitzende Richterin. Braunfels hätte die Auswahlkriterien vor dem Einreichen seiner Bewerbung rügen müssen. Auch sei seine Bewerbung bereits nachgeprüft worden. Gegen das Urteil gibt es keine Rechtsmittel. Der Wettbewerb für den neuen Münchner Konzertsaal kann somit weitergehen. Durch den Rechtsstreit war er um mehrere Monate verzögert worden. Insgesamt wurden 35 Büros zum Architektenwettbewerb für den neuen Münchner Konzertsaal eingeladen. Sechs davon waren bereits im Vorfeld gesetzt.

Niedrige Punktzahl führte zur Klage

Wie gefordert, hatte Braunfels drei Referenzprojekte zur Begutachtung eingereicht. Diese wurden nach einem Punktesystem bewertet; nur Kandidaten mit den besten Bewertungen kamen weiter. Braunfels war nicht darunter. Stephan Braunfels hat in München die Pinakothek der Moderne und Gebäude im Regierungsviertel im Berlin entworfen. Genau diese Gebäude erhielten in der Vorauswahl zum Architektenwettbewerb für den neuen Konzertsaal in München nicht die volle Punktzahl. Die Vergabekammer Südbayern, die bereits mit den Beschwerden des Architekten befasst war, hatte Braunfels zunächst teilweise Recht gegeben und eine Neubewertung seiner Bewerbung veranlasst.

Nachdem die Punktzahl der Nachprüfung erneut nicht ausreichte, um sich für den Wettbewerb zu qualifizieren, stellte Braunfels einen weiteren Nachprüfungsantrag. Diesen wies die Vergabekammer als unbegründet ab, woraufhin Braunfels Klage beim Oberlandesgericht einreichte. Bereits im März 2017 haben die teilnehmenden Architekten ihre Entwürfe für das Gelände im Werksviertel am Münchner Ostbahnhof eingereicht. Diese können jedoch erst von einer Jury bewertet werden, wenn im Fall Braunfels Rechtssicherheit herrscht. Eine ursprünglich für Mai geplante Jurysitzung musste aufgrund des Rechtsstreits abgesagt werden.

Preisgericht soll im Herbst tagen

Der Siegerentwurf beim Architektenwettbewerb für den neuen Münchner Konzertsaal soll noch in diesem Jahr feststehen. Im Herbst soll die Jurysitzung angesetzt werden, die im Mai wegen dem Rechtsstreits mit dem Architekten Stephan Braunfels abgesagt worden war. Das teilte Innenminister Joachim Herrmann mit.

Ich freue mich, dass die Misstöne auch offiziell beseitigt sind.
Schriftliche Stellungnahme des Innenministers Joachim Herrmann nach der Urteilsverkündung

Nachdem das Oberlandesgericht München die Beschwerde des Architekten Braunfels abgewiesen hat, soll nun so schnell wie möglich ein neuer Termin für die Begutachtung der Entwürfe festgelegt werden. "Der beste Entwurf soll gewinnen, damit endlich gebaut werden kann", so Herrmann. Baustart für den neuen Konzertsaal ist für Frühsommer kommenden Jahres geplant, dann soll zuerst das Baufeld im Werksviertel am Münchner Ostbahnhof freigemacht werden. Dazu wird das Erdreich bis vier Meter Tiefe auf Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg sowie Schadstoffe untersucht. Der Konzertsaal entsteht auf einem ehemaligen Industriegelände. Hier hat die Firma Pfanni früher Knödel produziert.

Sendung: Leporello am 10. August 2017 ab 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK

    AV-Player