BR-KLASSIK

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Sonntag, 14.01.2018

20:15 bis 21:15 Uhr

ARD-alpha

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Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielt unter der Leitung von Mariss Jansons. | Bildquelle: Honorarfrei lediglich für Ankündigungen und Veröffentlichungen im Zusammenhang mit obiger BR-Sendung bei Nennung: Bild: BR/Peter Meisel. Die Nutzung im Social Media-Bereich sowie inhaltlich andere Verwendungen nur nach vorheriger schriftlicher Vereinbarung mit dem BR-Bildmanagement, Tel. 089 / 5900 10580, Fax 089 / 5900 10585, Mail Bildmanagement@br.de

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Mariss Jansons zum 75. Geburtstag BR-KLASSIK: Jansons dirigiert Corigliano und Rachmaninow

Mariss Jansons ist nicht nur Chefdirigent des Symphonieorchesters, sondern auch des Chores des Bayerischen Rundfunks. Im Januar 2016 leitete er „seine“ beiden Klangkörper in Sergej Rachmaninows gewaltigem Werk „Die Glocken“. Außerdem stand im Herkulessaal der Münchner Residenz „Fantasia on an Ostinato“ des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten John Corigliano auf dem Programm.

Mitwirkende

 
Dirigent Mariss Jansons
Redaktion Peter Fohrwikl
Vier verschiedene Szenarien behandelt der Schriftsteller Edgar Allan Poe in seinem Gedicht „Die Glocken“. Jedes steht symbolisch für einen Abschnitt bzw. eine elementare Gemütslage im Leben eines Menschen. So verhält es sich auch mit den vier Sätzen von Sergej Rachmaninows gleichnamigem Symphonischen Poem. Er wurde 1912 in einem anonymen Brief gebeten, Poes Gedicht zu vertonen. Rachmaninow ließ sich von dieser Idee gerne begeistern, da Glocken für ihn, so wie für viele Russen, allgemein eine große Rolle spielten.

„Mein ganzes Leben fand ich Gefallen an den unterschiedlichen Stimmungen und der Musik freudig schlagender und traurig läutender Glocken,“ so sagte er einst von sich selbst. Dieses Faible ist in seinem Oeuvre an mehreren Werken erkennbar, teils sogar titelgebend. Nirgends aber so opulent und allegorisch wie in „Kolokola“, wie das Werk im Original heißt.

Im 1. Satz zeigen silberhelle Schlittenglöckchen die unbedarfte, unbeschwerte, spielerische Leichtigkeit der Kinder- und Jugendjahre an, während im 2. Satz schon die Hochzeitsglocken läuten. Doch nach diesem Glückszustand künden sich im 3. Satz die vielen Kämpfe, Unglücke und Schicksalsschläge die das Leben bereithält an, indem die Glocken Alarm schlagen, wie es bei Katastrophen, z. B. Krieg oder Bränden, der Fall war und ist.

Im Schlusssatz endlich läutet die Totenglocke, die keinem erspart bleibt. Rachmaninov übersetzte diese starken Emotionen in Musik und ließ sich dabei stark von der Sprachmelodie Poes inspirieren: „Als ich die Verse Poes vor mir hatte, hörte ich die Glockentöne und versuchte, ihre herrlichen Klänge, die für mich die verschiedenen Facetten der menschlichen Erfahrung auszudrücken schienen, aufs Papier zu bringen.“

Ebenfalls von einem Großen ließ sich John Corigliano zu seiner „Fantasia on an Ostinato“ inspirieren. Allerdings von keinem Schriftsteller, sondern einem Komponistenkollegen, nämlich Ludwig van Beethoven. Der berühmte Beginn des „Allegretto“-Satzes der 7. Symphonie war die Vorlage für das Werk des 1938 geborenen New Yorkers. Ursprünglich hatte Corigliano das Stück für Soloklavier geschrieben, ehe er die 1986 uraufgeführte Orchesterfassung erstellte.

Wie in einem musikalischen Labor klopft er hierbei Beethovens Ostinato kompositorisch ab, untersucht es und dringt so immer weiter an dessen Kern heran, eher er es gegen Ende quasi wieder zusammensetzt und zum Ursprungszustand des Themas zurückkehrt.

Mariss Jansons dirigierte das Symphonieorchester und den Chor des Bayerischen Rundfunks im Herkulessaal der Münchner Residenz. Am 14. und 15. Januar 2016 erklangen John Coriglianos „Fantasia on an Ostinato“ sowie „Die Glocken“ von Sergej Rachmaninow. Die Solisten hierbei waren die Sopranistin Tatiana Pavlovskaja, der Tenor Oleg Dolgov sowie der Bariton Alexey Markov.

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