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Dienstag, 04.08.2020

23:15 bis 00:10 Uhr

BR Fernsehen

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Szene aus "Das große Welttheater – Salzburg und seine Festspiele" | Bildquelle: BR/ pretv

Bildquelle: BR/ pretv

Das große Welttheater

Salzburg und seine Festspiele

Im 100. Jahr der Salzburger Festspiele gewährt der szenische Dokumentarfilm einen Schlüssellochblick auf die Dramen und unbekannten Ereignisse hinter der Bühne. Von der Gründung 1920, über den künstlerischen Widerstand nach Hitlers Machtergreifung, den Neustart 1945, bis zur Ära Karajan und einem Ausblick in die Gegenwart.

Mitwirkende

 
Redaktion Henning Weber
Regisseurin Beate Thalberg wählt ein unterhaltsames Setting: Franz Swatosch, der langjährige und historisch verbriefte Diener von Festspielgründer Max Reinhardt, bereitet auf dessen Salzburger Schloss Leopoldskron ein besonderes Diner vor: Am Tisch sitzen die Schlüsselfiguren der Festspiel-Geschichte. Die Gründer Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss. Die Künstlerinnen und Strateginnen Helene Thimig, Margarete Wallmann und Anna von Mildenburg. Hinzu stößt der Erneuerer und Komponist Gottfried von Einem. Der eine am Tisch ist Jahrgang 1864, die andere erzählt von ihren Erlebnissen in den 1960er Jahren. Und während bei Tisch gestritten und gelacht wird, schleichen Schwarz-weiß-Figuren aus dem Archiv durchs Haus. Diener Franz, die vermeintliche Nebenfigur der Festspiele, ist bestens informiert. Er rollt die Ereignisse in Rückblenden auf, die Tafelrunde kommentiert und reflektiert. Grundlage der Dialoge sind authentische Äußerungen der historischen Figuren.
Der Film enthüllt auch, wie sehr Salzburg immer von der Lokalpolitik abhängig war. Der 28-jährige Erneuerer der Festspiele, Komponist Gottfried von Einem, wird über eine politische Intrige stolpern. Und „Weltmusiker“ Herbert von Karajan beherrscht genauso wie die Festivalgründer die Kunst der Vernetzung, bis die globale Klassik-Industrie ihre weltweiten Millionen-Geschäfte allsommerlich in der „bedeutendsten Provinzstadt der Welt“ abwickelt.
Unbekanntes Film-Material aus weltweit 30 Archiven zeigt neue Facetten des Festivals. So konnten nicht nur Sequenzen von Reinhardts Festspiel-Familie aus 1927 in sommerlicher Ausgelassenheit gefunden werden, sondern auch nie gesehenes Material mit Dichter Hugo von Hofmannsthal oder Opernstar Anna von Mildenburg. Sowie zahlreiche Privatfilme, von der österreichischen Schauspieldynastie Thimig, Dirigent Bruno Walter bis Hollywood-Star Douglas Fairbanks jun. Letzterer Film, heute im Besitz der Oscar Academy, zeigt eine vergnügte Marlene Dietrich in Lederhosen als Festspiel-Gast und die ganz junge Hedy Lamarr im Publikum des „Jedermann“ auf dem Salzburger Domplatz. Für die Rolle des Erzählers konnte der österreichische Burg- und Filmschauspieler Florian Teichtmeister gewonnen werden, der den Diener elegant und mit einem wissenden Augenzwinkern gestaltet.

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