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Dienstag, 23.05.2017

12:05 bis 14:00 Uhr

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Atahualpa Yupanqui  | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Mittagsmusik

Mit Ele Martens

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800-7733377.

Mittagsmusik - Thema der Woche
Nueva Cancion in Lateinamerika – Lieder gegen Not und Unterdrückung

Neue Lieder, Nueva Cancion, erzählten in Chile, Argentinien oder Uruguay von Armut, Benachteiligung und schlechter Schulbildung, denn in den 1960er und 70er Jahren war die Situation dort alles andere als rosig. Die Texte der Lieder prangerten die politische und soziale Situation in vielen Ländern Südamerikas an, die Melodien schöpften aus der reichen Tradition der Landbevölkerung.

Manchmal ging es um die schöne Natur oder um die Liebe, meist aber um zu niedrige Löhne, Hunger und politische Verfolgung. Die Nueva Cancion steht für die Verknüpfung von Musik und Politik in vielen Ländern Lateinamerikas. Ab Mitte des letzten Jahrhunderts waren dort Diktaturen an der Macht, unterstützt von den USA, die sich so ihren Einfluss in Südamerika sichern wollten.
Schlechte Arbeitsbedingungen, Armut und unzureichende Schulbildung für weite Teile der Bevölkerung waren die Konsequenz. Um mehr Gerechtigkeit für alle zu erreichen, sahen viele Musiker und Künstler das Heil in sozialistischen Bewegungen, Kuba stand Pate, in der nach der Revolution ein vorbildliches Bildungs- und Gesundheitssystem geschaffen wurde. Die politische Überzeugungsarbeit funktionierte wegen der hohen Analphabeten-Quote am besten mündlich. Und was könnte hierfür besser geeignet sein als Lieder?

Eine Schlüsselfigur in diesem Zusammenhang war der Argentinier Atahualpa Yupanqui, der auch den Anstoß zu diesem Thema der Woche gab, sein Todestag jährt sich am 23. Mai zum 25. Mal. Yupanqui, dessen Vater Indio war, die Mutter europäische Baskin, reiste als junger Mann viel durch Argentinien und sammelte die Musik der ländlichen Bevölkerung. Diese alten Lieder, die von den Gedanken und Empfindungen der Landbevölkerung erzählen, nahm Yupanqui als Grundlage für seine nuevas canciones, seine neuen Lieder.

"Ich habe jedes Wort von jedem Lied abgewogen, die Klangfarbe jedes Verses, jedes Gefühls, die auf ein Lied warteten um aufzublühen." Atahualpa Yupanqui

In der Tradition von Yupanqui bewegte sich die chilenische Musikerin und bildende Künstlerin Violeta Parra. Wie Yupanqui sammelte sie die überlieferten Gesänge der chilenischen Landbevölkerung und zog wie eine Folklore-Botschafterin von Dorf zu Dorf.
In ihrer Musik brachte Violeta Parra die andinen Instrumente wieder zum Klingen, die Bambus- und die Panflöte, und die Charango-Mandoline. Die bildende Künstlerin Parra stellte im Pariser Louvre aus, sie trat mit Édith Piaf auf und schrieb kurz vor ihrem Tod das Lied "Gracias a la Vida", das sie unsterblich machte.

1965 hatte Violeta Parra in der chilenischen Hauptstadt Santiago die "Pena de los Parra" gegründet, einen Begegnungsort für Künstler, Intellektuelle und die Musiker der Nueva Cancion. Sie führte ihn zusammen mit Victor Jara, der zu einem der weltweit bekanntesten Vertreter der Nueva Cancion werden sollte. Jara fühlte sich dem Grundsatz der Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit verpflichtet, ein Lied hat eine Botschaft, der Sänger soll als Sprachrohr des Volkes fungieren.

Auch die argentinische Sängerin Mercedes Sosa berief sich auf Atahualpa Yupanqui, auf die Wiederbelebung der argentinischen Folklore, auf Formen wie Chamamé, Zamba und Chacarera.
Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme besang sie die politische Situation, die Zensur und die Ungerechtigkeit in ganz Lateinamerika. Sosa musste 1978 ins Exil gehen – nach dem Ende der Ära Peron herrschten wechselnde Militärs – die politische Situation in Argentinien war verworren und spitzte sich bis zum Beginn der Militärdiktatur unter Jorge Rafael Videla noch weiter zu.   "Ich bin kein singendes Flugblatt" sagte Mercedes Sosa einmal, "aber als denkendes Wesen sehe ich die Widersprüche auf dieser Welt. Deshalb setze ich mich für die Menschlichkeit ein."

In Brasilien hatte das Militär schon 1964 geputscht und zwang viele Liedermacher, die sich mit den Zuständen in ihrer Heimat nicht abfinden wollten, zumindest zeitweise ins Exil.
Einer dieser Musiker ist Francisco Buarque de Hollanda, genannt Chico Buarque. Mit hintersinniger Ironie und Komik erzählt er vom Leben der kleinen Leute, schreibt und singt im Stil der Bossa Nova und des Samba. Gemeinsam mit Gilbert Gil, der 2003 Kultusminister Brasiliens wurde, schrieb Chico Buarque das Lied "Calice", das zur heimlichen Hymne gegen die brasilianische Militärdiktatur wurde.

"Ich habe so viele Brüder, dass ich sie nicht zählen kann, und eine sehr schöne Schwester, die Freiheit heißt." Atahualpa Yupanqui

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:09 E scherzo od e follia aus: Un ballo in maschera Giuseppe Verdi (1813-1901) / London Opera Chorus; National PhO London; Solti
12:13 Scherzo, Nocturne und Burlesca Peter Jansen (1921-) / Gürzenich Fagottquintett
12:21 Ruth, tanze heut' nacht mit mir kubanisch Will Meisel (1897-1967) / Max Raabe; Palast Orchester
12:25 Spanischer Tanz Nr.1 Manuel de Falla (1876-1946) / Elina Rubio; Graham Jackson
12:30 Camino del Indio (Cancion Andina) Atahualpa Yupanqui / Atahualpa Yupanqui
12:34 Cacharpaya Unbekannt / Atahualpa Yupanqui
12:39 Liza George Gershwin (1898-1937) / André Watts
12:43 Sunset and the mocking bird Duke Ellington (1915-1967) / Duke Ellington & His Orchestra
12:47 The single petal of a rose Duke Ellington (1915-1967) / Duke Ellington; Jimmy Woode
12:51 Apes and peacocks Duke Ellington (1915-1967) / Duke Ellington & His Orchestra
12:54 Stardust Hoagy Parrish (1899-1981) / The Palm Court Theatre Orchestra; Godwin
13:04 Pasadena Harry Warren (1893-1981) / Pasadena Roof Band
13:08 aus: Lieder ohne Worte für Klavier Alexej Stanchinsky (1888-1914) / Ekaterina Derzhavina (Klavier)
13:11 Andante cantabile aus: Lieder ohne Worte Alexej Stanchinsky (1888-1914) / Ekaterina Derzhavina
13:14 Nr.3 aus: Lieder ohne Worte Alexej Stanchinsky (1888-1914) / Ekaterina Derzhavina
13:16 Ich wollt' ich wär' ein Fisch Carl Friedrich Zelter (1758-1832) / Sibylle Kamphues; Hans Jörg Mammel; Ludwig Holtmeier
13:19 Ouvertüre im italienischen Stil C-Dur, op.170, D 591 Franz Schubert (1797-1828) / Prague Sinfonia; Benda
13:28 Unter einem Fliederbaum aus: Das Dreimäderlhaus Heinrich Berté / Dallapozza; Kerner; Kusche; Holte; Großes Imperial-Orchester; Ebert
13:33 I'll see you in my dreams Isham Jones / Sébastien Giniaux & Antoine Boyer Selmer#607 Adrien Moignard
13:36 Ballade F-Dur, op.38 Frédéric Chopin (1810-1849) / Henriette Gärtner
13:49 Canzone della strada Mulo Francel (1967-) / Quadro Nuevo
13:50 Hungarian Rhapsody, op.68 David Popper (1843-1913) / Antonio Meneses; Basler SO; Zollman

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