BR-KLASSIK

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Samstag, 26.08.2017

22:30 bis 23:00 Uhr

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Musiknotenblatt auf Klaviertasten | Bildquelle: colourbox.com

Bildquelle: colourbox.com

Aus dem Studio Franken: Forum Alte Musik

Raritäten und Neuheiten aus der Welt von historischer Aufführungspraxis und Originalklang.

Die Tränen trieben John Dowland um: 1596 hatte er in einer Lauten-Pavane mit dem Titel "Lachrimae" (Tränen) den melodischen Kern eines ganzen Schaffenskomplexes gelegt, der seine Fortsetzung 1600 in dem Lied "Flow, my tears" fand und schließlich in die Sammlung "Lachrimae or Seaven Teares figured in Seaven Passionate Pavans" aus dem Jahr 1604 mündete. Das Leben war aber auch zum Heulen für John Dowland: Königin Elisabeth I. lehnte alle seine Bewerbungen als Hofmusiker ab, weil er katholisch war. Er wusste, dass er misstrauisch vom Umfeld der Königin beäugt wurde und ging daher auf Reisen durch Europa. Doch geriet er in Italien - bewusst oder aus Versehen? - in den Dunstkreis einer katholischen Verschwörung gegen die englische Königin. Ihm war bewusst, dass manche in London auf eine solche Chance nur lauerten. Überstürzt floh Dowland aus Italien und griff, nachdem er in der freien Reichstadt Nürnberg angekommen war, am 10. November 1595 zur Feder. In einem berühmten und berührenden Brief berichtete er seinem Gönner Sir Robert Cecil von der Verschwörung und beteuerte gleichzeitig trotz religiöser Differenzen seine unbedingte Treue dem Königshaus gegenüber. Erst unter Jakob I. aus dem Haus Stuart erhielt Dowland den ersehnten Posten am Königshof - ein Leben und Schaffen geprägt von den konfessionellen Verwerfungen auf den britischen Inseln um 1600.

Zwischen den Konfessionen
Komponieren im Zeitalter der Reformation: John Dowland
Von Wolfgang Schicker

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