BR-KLASSIK

Inhalt

Donnerstag, 14.09.2017

12:05 bis 14:00 Uhr

BR-KLASSIK

zur Übersicht
Maria Callas in der Oper "La Traviata" im Royal Opera House in London. | Bildquelle: © picture alliance / empics

Bildquelle: © picture alliance / empics

Mittagsmusik

Mit Frank Manhold

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800-7733377.

Thema der Woche vom 11. Sept. bis 15. September
Maria Callas -„Nur wenn ich sang, wurde ich geliebt“

Am 16. September 1977 starb Maria Callas in Paris, einsam und zurückgezogen. Die Opernwelt schien sie bereits damals vergessen zu haben. Mehrere Projekte, ein Callas-Museum zu eröffnen, waren gescheitert und so wurden ihre privaten Besitztümer nach ihrem Tod einfach versteigert.
Heute, 40 Jahre später, hat sich das Leben von Maria Callas längst zu einem Mythos verklärt. Fans, die die Operndiva noch live erleben durften, sprechen von einer geradezu magnetischen Wirkung, die von der Sängerin ausging und bis heute müssen sich Nachwuchstalente mit ihr vergleichen lassen.
Anlässlich ihres Todestages erinnern wir im Thema der Woche an diese außergewöhnliche Sängerin.

Aufstieg in Italien
Die Karriere von Maria Callas dauerte nur 13 Jahre. Der renommierte Dirigent Tullio Serafin hatte die 23jährige Callas in New York bei einem Vorsingen gehört und sie vom Fleck weg für die Oper "La Gioconda" von Amilcare Ponchielli in Verona engagiert, ihr Durchbruch.
Italien blieb auch in den folgenden Jahren ein wichtiges Land für ihre Karriere, denn dort lernte sie nicht nur den älteren Industriellen Giovanni Battista Meneghini kennen, der ihr Agent und Manager und drei Jahre später auch ihr Ehemann wurde, sondern wurde auch über Nacht zum Star:  1949 sprang sie in Venedig für eine erkrankte Kollegin ein, in nur sechs Tagen lernte sie damals die Hauptrolle der Elvira in Bellinis Oper "I Puritani".
Mit diesem Rollendebüt hatte die Callas sich den Weg in ihr Stimmfach geebnet: den Belcanto. Weitere wichtige Rollendebüts folgten in Werken von Bellini, Donizetti und Verdi und schließlich gab sie 1951 ihr Hausdebüt an der Mailänder Scala mit Verdis "I vespri siciliani". Die Scala wurde in den 50er Jahren ihr künstlerisches Zuhause.

Vom häßlichen Entlein zum schönen Schwan
In dieser Zeit vollzog sich auch ihr optischer Wandel: Aus dem unscheinbaren, übergewichtigen Mädchen, das sich privat hinter dicken Brillengläsern versteckte, wurde eine schlanke, stilsichere, elegante Frau. Sie betörte sogar den Theater- und Filmregisseur Luchino Visconti, der später bekannte, dass er nur ihretwegen anfing, Opern zu inszenieren.

Ihr Privatleben liest sich nicht so märchenhaft wie die Anfänge ihrer Karriere. Probleme mit ihrer überehrgeizigen Mutter führten zeitweilig zu öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten, ihre Ehe mit Meneghini machte sie auf Dauer nicht glücklich und ihre große Liebe, der griechische Reeder Aristoteles Onassis verließ sie für die Kennedy-Witwe Jackie.
Immer häufiger hatte Maria Callas auf dem Höhepunkt ihrer Karriere schließlich mit Stimmproblemen zu kämpfen und musste Vorstellungen und Konzerte absagen. 1958 kam es dadurch in Rom zu einem der größten Opernskandale: Maria Callas sollte mit Bellinis "Norma" die neue Saison der Scala eröffnen.
Obwohl sie bereits am Vortag über gesundheitliche Beschwerden geklagt hatte, wurde sie mehr oder weniger gezwungen die Vorstellung zu singen. Mehr schlecht als recht überstand sie den ersten Akt, konnte die Oper aber nicht mehr beenden. Obwohl ihre Bronchitis von Ärzten bestätigt wurde, musste sie auch in den folgenden Monaten immer wieder Beschimpfungen des Publikums und der Presse über sich ergehen lassen.

Bedeutung für die Opernwelt
Was die Rollen des dramatischen Koloraturfachs angeht, definierte Maria Callas den Stimmgeschmack neu und gab vor allem den höheren Registern wieder mehr Stimm- und Ausdruckskraft. Zuvor war eine Lucia oder eine Norma mit wesentlich leichteren Stimmen, die eine zarte Höhe hatten, besetzt worden.
Maria Callas orientierte sich aber an anderen Traditionen, zum Beispiel an der in Europa weitgehend unbekannten dramatischen Sopranistin Rosa Ponselle und an der überlieferten Ausdruckskraft früherer Gesangsstars wie Maria Malibran oder Giuditta Pasta. Bei ihren Interpretationen ging sie nicht nur an den Rand ihres stimmlichen Vermögens, sondern lieferte sich auch seelisch komplett der dargestellten Opernfigur aus.

Was bleibt sind zahlreiche Aufnahmen ihrer Gesangskunst, in Ton- und teils in Bildaufnahmen. Beinahe alle ihre Rollengestaltungen haben überlebt.

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:07 The Yeoman of the Guard Arthur Seymour Sullivan (1842-1900) / Dahl; Suart; The Winnipeg Singers; Winnipeg SO; Tovey
12:13 Victor Herbert favorites Victor Herbert (1859-1924) / Pittsburgh SO; Maazel
12:22 Sing For Your Supper aus: The Boiys From Syracuse Richard Rodgers (1902-1979) / Dawn Upschaw
12:25 Air aus: The Fairy Queen. Suite Second Music Henry Purcell (1659-1695) / Academy of St Martin; Marriner
12:42 Nußdorfer Walzer Johann Schrammel (1850-1893) / Philharmonia Schrammeln Wien
12:49 Sons d'Ischl Franz Lehar (1870-1948) / Herbert Mogg
12:52 Bolero Joseph Lanner (1801-1843) / Münchner RO; Mogg
13:04 Kinderträume Josef Rixner (1902-1973) / Münchner RO; Mattes
13:08 1. Satz aus: Klavierkonzert D-Dur, Hob XVIII:11 Joseph Haydn (1732-1809) / Leif Ove Andsnes; Norwegian ChO
13:16 aus: Così fan tutte, KV 588 Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) / Gerhaher; Freiburger Barockorchester; von der Goltz
13:21 Cadiz. Saeta, op.47 Nr.4 Isaac Albeniz (1860-1909) / David Russell
13:27 Ich stehe auf der Heide Hob. XXXI b Nr.27 Joseph Haydn (1732-1809) / Fritz Wunderlich
13:29 Im Schummern Hob. XXXI b Nr.36 Joseph Haydn (1732-1809) / Fritz Wunderlich
13:32 1. Satz: Allegro piacevole, aus: Serenade für Streicher e-Moll, op. 20 Edward Elgar / Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzh
13:36 Somebody loves me George (26.09.1898-11.07.1937 Gershwin / New Princess Theater Or Kiri Te Kanawa
13:39 Ouvertüre aus: Orpheus in der Unterwelt Jacques Offenbach (1819-1880) / Orch. de la Suisse Romande; N.Järvi
13:50 Pine Apple Rag Scott Joplin (1867-1917) / Itzhak Perlman; Andre Previn
13:53 Variation sur un Theme slave aus: Coppelia Leo Delibes (1836-1891) / Opera de Lyon; Nagano

    AV-Player