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Samstag, 23.06.2018

14:05 bis 15:00 Uhr

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Bruno Walter und Thomas Mann | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Das Musik-Feature

Freundschaft übern Gartenzaun

Thematische Wort-Musiksendungen - freitags um 19.05 Uhr, Wiederholung samstags um 14.05 Uhr auf BR-KLASSIK

Glauben wir Katja Mann, begann alles mit einem Zwist unter Nachbarskindern in München-Bogenhausen. Klaus (Mann) hatte Gretel (Walter), in die er angeblich auch ein wenig verliebt war, auf dem Schulweg an den Haaren gezogen. Der Konflikt der Kleinen hatte etwas Gutes. Zur Streitschlichtung nahmen die beiden betroffenen Elternpaare Kontakt auf. Es ist der Anfang einer der außergewöhnlichsten und faszinierendsten Künstlerfreundschaften des 20. Jahrhunderts.
"Der Musik habe ich mich in den letzen Jahren wieder viel mehr genähert. Hauptsächlich wohl durch den Verkehr mit B. Walter, dem guten, feurigen, kindlichen, begeisterten Generalmusikdirektor", wird der musikaffine Literaturnobelpreisträger Thomas Mann 1917 über seinen Nachbarn schreiben. Die lebenslange Freundschaft zwischen dem Autor der "Buddenbrooks" und dem großen, international erfolgreichen Dirigenten Bruno Walter ist überraschend facettenreich. Sie beginnt im Privaten, bei Faschingsfeiern, Familienfesten und Familientragödien, geht über gemeinsames kulturelles Engagement (zum Beispiel für Pfitzners Oper "Palestrina") und kulminiert in der gemeinsamen leidvollen Erfahrung der Emigration, als beide Familien 1933 von den Nazis aus Deutschland vertrieben werden. Die enge Beziehung zwischen Mann und Walter ist deshalb nicht nur die Literatur- und Musikgeschichte. Sie ist deutsche Geschichte und Weltgeschichte. Das macht sie so erzählenswert.

Thomas Mann und sein Nachbar Bruno Walter
Von Markus Vanhoefer
Wiederholung vom Freitag, 19.05 Uhr

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