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Dienstag, 16.07.2019

12:05 bis 14:00 Uhr

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Herbert von Karajan steht vor seinem Privat-Flugzeug | Bildquelle: © picture-alliance/dpa

Bildquelle: © picture-alliance/dpa

Aus dem Studio Franken Mittagsmusik

Mit Tobias Föhrenbach

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Heute vor dreißig Jahren, am 16. Juli 1989, starb Herbert von Karajan im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Anif bei Salzburg – völlig überraschend an einem Herzinfarkt, als er mit den Vorbereitungen einer Produktion von Verdis "Maskenball" im Rahmen der Salzburger Sommerfestspiele beschäftigt war. "Maestro der Millionen" wurde er genannt, war doch Karajan unter den größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts der populärste. Wie kaum ein anderer trug er zur massenhaften Verbreitung von Klassischer Musik bei - nicht nur durch seine Dirigierkunst, sondern auch durch seine Erscheinung und die ihn umgebende Aura von Luxus und Jetset. Dabei wollte der Sohn eines Arztes eigentlich gar nicht Dirigent, sondern Pianist werden. Am Mozarteum seiner Geburtsstadt Salzburg studierte er zunächst Klavier bei Franz Ledwinka und bei Bernhard Paumgartner Theorie. Paumgartner, als Dirigent und Musikforscher sowie als Gründungsmitglied und Präsident der Salzburger Festspiele seinerzeit eine der überragenden Persönlichkeiten der österreichischen Musikkultur, riet Karajan von der anvisierten Pianistenkarriere ab. Sinngemäß sagte er seinem Schüler: "Ihre Klangvorstellungen, ihre Klangphantasien sind zu gewaltig, als dass man sie mit zwei Händen am Klavier realisieren könnte. Sie brauchen das Orchester." Karajan ging nach Wien, wo er an der Technischen Hochschule Maschinenbau und an der Musikakademie Dirigieren bei Franz Schalk und Komposition bei Franz Schmidt studierte. Der zeigte sich allerdings von den Kompositionskünsten seines Studenten nicht sonderlich beeindruckt, wie Karajan später selbst erzählte.

Karajan à la Mantovani

Franz Schmidt. Er war ein phänomenales musikalisches Universalgenie: Komponist, Solo-Cellist der Wiener Philharmoniker in der Ära Gustav Mahlers, dazu auch ein professioneller Pianist und Dirigent sowie später eben auch Professor an der (heutigen) Wiener Universität für Musik. Als Komponist war Schmidt im Grunde ein "One-Hit-Wonder" - wirklich berühmt und bekannt wurde von ihm nur ein einziges Stück: das Intermezzo aus seiner Romantischen Oper "Notre Dame" nach Victor Hugos Roman über den Glöckner der Kathedrale. Karajan hat dieses Sehnsuchts-trunkene, rauschhaft klangsinnliche Intermezzo seines Kompositionslehrers dreimal aufgenommen: 1959 mit dem Philharmonia Orchestra und 1967 und 1981 mit den Berliner Philharmonikern. Die mittlere Einspielung ist wohl die gelungenste. Unter der Leitung Karajans, dem viel beschworenen Klang-Magier, wird die Musik zu einem Glanzstück der Entfaltung eines volltönenden, an Intensität kaum noch zu überbietenden Streicherklanges, zumal der Violinen, die in höchsten Höhen schier endlos weite Klangräume ausschreiten. Karajan à la Mantovani - freilich auf höchstem Berliner philharmonischen Niveau.

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:08 On s'aimera Leo Ferre (1916-1993) / Patricia Petibon; Susan Manoff; Nemanja Radulovic
12:12 Quel temps fait-il a Paris A. Romans / Filmorchester
12:15 Qu'on ne me parle plus d'amour. Madrigal Pierre Guedron (1565-1621) / Le Poeme Harmonique; Vincent Durnestre
12:24 Intermezzo aus: Notre Dame Franz Schmidt (1874-1939) / Berliner Philharmoniker; Herbert von Karajan
12:29 L'arsène Jean-Pierre Bourtayre / Jacques Dutronc
12:32 Runnin' wild Grey / Wood / Gibbs / Glenn / His Orchestra Miller
12:36 Ballszene Joseph Hellmesberger (1828-1893) / SO Göteborg; Neeme Järvi
12:43 Tremo fra' dubbi miei aus: La clemenza di Tito Christoph Willibald Gluck (1714-1787) / Cecilia Bartoli
12:51 Etincelles, op.229 Emile Waldteufel (1837-1915) / PhO Kosice; Alfred Walter
13:04 O burrico de pau Antonio Carlos Gomes (1836-1896) / Philharmonisches Kammerorchester München; Michael Helmrath
13:09 Doralice Dori Caymmi (1917-1995) / Joao Gilberto & Stan Getz
13:12 Sonorella, op.3 Emmanuel Arias y Luna (1935-) / Bamberger Symphoniker; Nott
13:20 Poeme, op.39 Zdenek Fibich (1850-1900) / Tschechische Philharmonie; Neumann
13:25 aus: Mignon Ambroise Thomas (1811-1896) / Christine Schäfer; Deutsches Symphonie-Orchester Berlin; Julien Salemkour
13:31 2. Satz aus: Klaviersonate A-Dur, D 664 Franz Schubert / Henriette Gärtner
13:37 3. Satz aus: Fagottkonzert g-Moll Franz Danzi / Michael Alexander Gower
13:45 Nr. 4 aus: Vier letzte Lieder, o. op. (AV 150) Richard Strauss / Herbert von Janowitz
13:51 3. Satz aus: Klavierkonzert B-Dur, KV 450 Wolfgang Amadeus Mozart / Christian Zacharias; English Chamber Orchestra; David Zinman

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