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Freitag, 25.10.2019

12:05 bis 14:00 Uhr

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Blick vom Corcovado, dem Standort der Christo Redentor Statue in Rio de Janeiro. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Aus dem Studio Franken Mittagsmusik

Am Mikrofon: Tobias Föhrenbach

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800-7733377.

Darius Milhaud - er war einer der bedeutendsten, produktivsten und vielseitigsten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts: herausragender Vertreter der Pariser "Groupe des Six", Galionsfigur der Polytonalität, Souverän der "mittleren Musik", Meister des Mediterranen. 1892 wurde er geboren, 1974 - vor 45 Jahren - ist er gestorben, dieser Tage ist er unser Thema der Woche in der Mittagsmusik. Dabei liegt der Akzent auf Milhaud, dem Komponisten südlicher Impressionen. Denn prägend für Milhauds menschliche und künstlerische Existenz war vor allem zweierlei: Zum einen seine jüdische-provenzalische Herkunft, sein Verwurzeltsein im südfranzösischen Boden, in der Stadt Aix-en-Provence, wo er aufwuchs und wo er bis zuletzt sein emotionales Lebenszentrum hatte. Zum anderen wurde Milhaud nachhaltig geprägt durch seine Jahre in Rio de Janeiro, wo er während des 1. Weltkriegs als Attaché des französischen Botschafters in Brasilien Paul Claudel arbeitete.

"Die Provence erstreckt sich von Konstantinopel bis Rio de Janeiro"

In Milhauds Imagination wurden die südfranzösische Mittelmeerküste und das brasilianische Rio gewissermaßen zur Vorder- und Rückseite ein und derselben Medaille - der strahlenden Medaille des "Grand Bleu" nämlich, des Lichts des Südens. Für Milhaud erstreckte sich die heimatliche Provence "von Konstantinopel bis Rio de Janeiro". In ungezählten Werken des Komponisten verbinden sich die charakteristischen Stimmungen und Ansichten der südlichen Zonen zu einer Musik von unvergleichlich mittelmeerisch-kosmopolitischem Charme und Flair: die sengende Sonne, die flimmernd heiße Luft, die zerklüfteten Felsen, das leuchtende Blau des Himmels und des Meeres. "Das exquisite Blau des Himmels über Aix", von dem Milhaud stets so sehr schwärmte - es war für ihn immer auch "das exquisite Blau des Himmels über Rio".

"Le Carnaval d'Aix"

Für eigene Auftritte als Konzertpianist schrieb Milhaud 1926 eine Fantasie für Klavier und Orchester, in dem Aix-en-Provence und Rio de Janeiro auch namentlich zusammenkommen. Das Werk heißt "Le Carnaval d'Aix" (Der Karneval in Aix) und besteht aus zwölf der siebzehn Nummern des zwei Jahre zuvor entstandenen Balletts "Salade" - einem Ballett nach einem Sujet der Commedia dell'Arte. Die Nummern, die Milhaud dem Ballett für die Fantasie entnahm, sind bis auf eine Ausnahme ausschließlich Charakterstücke, die Figuren der Commedia dell'Arte porträtieren - zum Beispiel Cinzio, der zum Personal der "Innamorati" (der Verliebten) zählt. Milhaud zeichnet ihn als verwegenen Draufgänger und Charmeur, als einen Homme à Femmes, der "zur Sache geht". Nach seinem Auftritt folgt als letzter Satz vor dem Finale des "Carnaval d'Aix" jener Satz, der als einziger in keiner direkten Beziehung zur Commedia ell'Arte steht. Er ist vielmehr "Souvenir de Rio" (Erinnerung an Rio) überschrieben und spielt wohl auf eigene Erlebnisse Milhauds während seiner Zeit in der südamerikanischen Metropole an. Das Stück beginnt mit einem lasziven Tango, der wie aus einer durchfeierten Nacht in die desolate Katerstimmung der Morgendämmerung herüberzuklingen scheint. Dann schlägt die Musik unvermittelt in einen verrückt-ausgelassenen Maxixe um - einen schnellen brasilianischen Tanz, der einen Vorläufer der Samba darstellt. Er führt direkt in die schrille Helle eines neuen, turbulenten Tages an der Copacabana. "Bom Dia, Rio!"

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:05 So what's new? John Pisano (1931-) / Bert Kaempfert & His Orchestra
12:08 aus: Der Vogelhändler Carl Zeller (1842-1898) / Popp; SO Graunke; Bauer-Theussl
12:12 aus: Le postillon de Lonjumeau Adolphe Adam (1803-1856) / Florez; Orchestra del Teatro Bologna; R.Abbado
12:16 aus: Boccaccio Franz von Suppe (1819-1895) / Manfred Ball; Chor des BR; Münchner Rundfunkorchester; Hildebrandt
12:21 Les Vendredis. Polka für 2 Violinen, Viola und Violoncello Nikolaj Sokolow (1865-1936); Lj / Rimskij-Korsakow Quartett
12:29 aus: Le carnaval d'Aix, op. 83b Darius Milhaud / Béroff; Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo; Prêtre
12:35 Ouvertüre aus: Dichter und Bauer Franz von Suppe (1819-1895) / Berliner Philharmoniker; Herbert von Karajan
12:45 aus: Die Jahreszeiten
12:49 Nr. 13 aus: Kinderszenen Leichte Stücke für Klavier, op. 15 Robert Schumann (1810-1856) / Detlef Kraus
12:51 3. Satz aus: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 f-Moll, op. 5 Ferdinand Hiller (1811-1885) / H.Shelley; Tasmanian SO
12:51 The longest time Billy Joel (1949-) / ensemble amarcord
13:04 12. Satz aus: Water Music Georg Friedrich Händel (1685-1759) / Concert des Nations; Savall
13:08 Baïlèro für Sopran und Orchester Joseph Canteloube (1879-1957) / Martinez; Prager Philhmarmonia; Mercurio
13:16 Variationen über 'Karneval von Venedig' Jean-Baptiste Arban (1825-1889) / Marsalis; Eastman Wind Ensemble; Hunsberger
13:24 Es lebt eine Vilja N. N. / Rosita Serrano; Eric Helgar
13:30 Aus Böhmens Hain und Flur aus: Mein Vaterland Bedrich Smetana / Charles Tschechische Philharmonie; Mackerras
13:43 What a wonderful world für Bassbariton, Chor und Orchester George David Weiss (1921-2010) / Bryn Terfel; Orchestra at Temple Square; Mack Wilberg
13:49 Seid umschlungen, Millionen!. Walzer, op. 443 Johann Strauß (1825-1899) / Berliner Philharmoniker; Harnoncourt

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