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Freitag, 06.03.2020

12:05 bis 14:00 Uhr

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Philippe Jaroussky  | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Mittagsmusik Höhenflieger – Countertenöre zwischen HIP und Pop

Mit Susanne Kruse

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800-7733377.

Countertenor ist ein englisches Wort, und in der englischen Kirchenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts liegen auch Wurzeln und erste Traditionsbestände dieses Stimmfaches und seiner Gesangskultur. Unterscheiden muss man die Countertenöre von den Kastraten in der Oper des 17. und 18. Jahrhunderts. Deren hohe Sopran- oder Altstimmen resultieren aus dem kruden operativen Eingriff vor dem Stimmbruch, dagegen erreichen die  Countertenöre die hohen Lagen dadurch, dass sie nicht mit der Voll- oder Bruststimme, sondern mit der Falsett- oder Kopfstimme singen. Kastraten haben Knabenstimmen - beim Sprechen wie beim Singen. Countertenöre haben Männerstimmen, die nur beim Singen in die Höhe gehen. Die Kastraten verschwanden Anfang des 19. Jahrhunderts, und auch der englische Countertenor-Gesang lebte nur noch in den Kirchenchören des Vereinigten Königreichs fort. Erst mit der Etablierung der Historischen Aufführungspraxis, der Historically Informed Performance (der "HIP"), wie die Angelsachsen sagen, setzte um die Mitte des 20. Jahrhunderts ganz allmählich auch ein Countertenor-Revival ein. Alfred Deller, Paul Esswood und James Bowman waren erste große Namen. Heute sind diese schier unzählig: Der Countertenor-Gesang bildet geradezu eine eigene Branche des Musikbetriebs, repräsentiert durch funkelnde Gesangsstars, die den "alten" Vokalstil zum Teil auch in die Rock- und Popmusik integrieren. Unter dem Motto "Höhenflieger - Countertenöre zwischen HIP und Pop" stellen wir Ihnen in der Mittagsmusik im Thema der Woche jeden Tag einen dieser Sänger vor.

Philippe Jaroussky - Der Berühmteste

Er ist weltweit der berühmteste und bekannteste aller Countertenöre unserer Zeit, gewissermaßen ihr ungekrönter König, sein Name ist schon fast ein Synonym für sein Stimmfach: Philippe Jaroussky aus Frankreich. 1978 wurde er in Maisons-Laffitte im Großraum Paris geboren. In Versailles und Boulogne studierte er zunächst Violine, Klavier und Komposition, später Gesang und Alte Musik an der Pariser Ecole de Musique National-Régional bei Michel Laplenie und Kenneth Weiss. Als Countertenor ist Philippe Jaroussky heute rund um den Erdball unterwegs und musiziert seit Jahren mit der Crème de la Crème der Originalklang-Szene, darunter die Ensembles Les Arts Florissants, Les Musiciens du Louvre, Le Concert d'Astrée, Le Cercle de l'Harmonie und Europa Galante. Zu den Dirigenten, mit denen er zusammenarbeitet, gehören Fabio Biondi, William Christie, René Jacobs und Marc Minkowski. 2002 gründete sein eigenes Ensemble Artaserse. Philippe Jaroussky pflegt ein weit gespanntes Repertoire - von der Oper und Musica Sacra des Barock über das deutsche und französische Kunstlied der Romantik bis zum zeitgenössischen Musiktheater. Die Breite seines Repertoires korrespondiert mit der erstaunlichen musikalische Wandlungsfähigkeit seiner Stimme - von der fast quälenden Schönheit des sinnlich Timbrierten bis zum virtuosen Feuerwerk atemberaubender Koloraturen. Stets weist Philippe Jaroussky auf das Maskuline seines Stimmfaches hin: "Stimmen von Countertenören sind hohe Männerstimmen. Ich hasse es, wenn man sagt, wir klängen weiblich."

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:08 Scherzo, op. 61 Nr. 1 Felix Mendelssohn Bartholdy / Saint Paul ChO; McFerrin
12:14 Des Waldhorns Traum. Lyrische Skizze für Horn und Orchester Hans-Willy Bergen (1920-1997) / Peter Arnold; SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern; Emmerich Smola
12:19 4. Satz aus: Sinfonie B-Dur Joseph Haydn (1732-1809) / Haydn Philharmonie; Fischer
12:30 aus: Serse Georg Friedrich Händel (1685-1759) / Philippe Jaroussky; I Barocchisti; Diego Fasolis
12:35 aus: Capriccio. Ein Konversationsstück für Musik in einem Aufzug, op. 85 Richard Strauss (1864-1949) / Bamberger Symphoniker; Rickenbacher
12:40 Titelfolge Frederick Loewe (1901-1988) / Orchestra of the Americas; Freeman
12:50 3. Satz aus: Sinfonia concertante Es-Dur; KV 297b Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) / Frömbgen; Forstmaier; Zempléni; Tkachuk; Bamberger Symphoniker; Nott
12:50 L.O.V.E. (Love) Bert Kaempfert (1923-1980) / Nat King Cole
13:04 Am Monte Cassino Ludwig Kess / Das Studio-Orchester Nürnberg; Waldenmaier
13:09 Galopp und 8 Ecossaisen für Klavier, D 735 (op. 49) Franz Schubert (1797-1828) / Gerhard Oppitz
13:14 Sul cucuzzola Carlo Alberto Vianello / Rita Pavone; Ensemble
13:17 Canzonetta, op. 55 Nr. 1 Giuseppe Martucci (1856-1909) / Philharmonia Orchestra; Francesco D'Avalos
13:20 Trompetenkonzert Valentin Rathgeber / Wolfgang Kierski
13:22 aus: Sailing for Phil Eric Sammut (1968-) / Vivi Vassileva Quintett
13:27 Bolero Maurice Ravel / Paavo Cincinnati Symphony Orchestra; Järvi
13:42 The easy winners. A ragtime two-step. Bearbeitet für Bläserensemble Scott Joplin (1867-1917) / Südtiroler Bläserensemble; Resch
13:46 What a wonderful world George David Weiss (1921-2010) / Bryn Terfel; Orchestra at Temple Square; Wilberg
13:49 Seid umschlungen, Millionen!. Walzer, op. 443 Johann Strauß (1825-1899) / Berliner Philharmoniker; Harnoncourt

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