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Mittwoch, 26.01.2022

12:05 bis 14:00 Uhr

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v.li. Tommaso Albinoni (1674-1745), Egizio, Giuseppe Colla (1731-1806). Kupferstich | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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BR Franken BR-KLASSIK - Mittagsmusik

Am Mikrofon: Tobias Föhrenbach

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800 - 77 333 77.

Adagio - Von der Schönheit der Langsamkeit

Das "Adagio-Schöne" ist dieses Mal das Thema der Woche in der Mittagsmusik. Damit gemeint ist nicht das italienische Adjektiv "adagio" im Sinne der allgemeinen Tempovorgabe "langsam", sondern im Sinne der substantivisches Bezeichnung "Adagio" für ein ganzes Musikstück - für einen Satztypus, der sich in diesem Tempo bewegt. Unter der Überschrift "Adagio - Von der Schönheit der Langsamkeit " präsentieren wir Ihnen im Thema der Woche der Mittagsmusik jeden Tag ein Highlight in der Kunst des Adagio-Komponierens - ein berühmtes Beispiel für das "Adagio-Schöne". Sein bevorzugter Platz liegt im Mittelfeld von zyklischen Formen wie der Symphonie, der Sonate, dem Solokonzert oder dem Streichquartett, doch gibt es natürlich auch ganz eigenständige Adagio-Sätze. Zu diesen gehört das sogenannte "Adagio von Albinoni".

Albinonis Adagio von Remo Giazotto

Von schier quälender Schönheit ist dieses Adagio - feierlich und klangsinnlich, atmosphärisch und ausdruckstark. Dementsprechend wurde es zu einem Hit "klassischer" Adagio-Stimmungsmusik und dabei gewissermaßen zum tönenden Logo von jenem Tomaso Albinoni, einem venezianischen Komponisten und Geiger, der sich - Zeitgenosse von Bach, Händel und Vivaldi - vor allem als Opernkomponist und als Pionier der seinerzeit jungen Gattung des Violinkonzerts profilierte. Doch keines seiner Konzerte und keine seiner Opern wurden wirklich populär. Albinonis bekanntestes und berühmtestes Werk ist nach wie vor jenes "Hit-Adagio". Der Haken dabei: Das Stück ist - nach allem, was wir heute wissen - in keinem einzigen Takt ein Werk von Tomaso Albinoni, sondern ein wunderschöner Schwindel. Es ist in Wahrheit eine Komposition von Remo Giazotto, einem italienischen Musikwissenschaftler, Musikkritiker und Komponisten des 20. Jahrhunderts in der Nachfolge von Mascagni, Puccini und Respighi. 1958 veröffentlichte er jenes Adagio, basierend auf angeblich von ihm entdeckten Skizzen Albinonis, deren Authentizität aber bis heute nicht bewiesen wurde. Im Angelsächsischen kursiert deshalb dazu ein "böser" Vierzeiler: "The Adagio of Albinoni / is largely phoney / and is a musical risotto / cooked up by Giazotto." (Das Adagio von Albinoni / ist größtenteils Talmi, / ein musikalisches Risotto, / gekocht von Giazotto.) Dennoch: Ob von Albinoni oder von Giazotto - dieses Adagio gehört zu den schönsten der Musikgeschichte.

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:05 Sinfonia aus: Der lächerliche Prinz Jodelet Reinhard Keiser (1674-1739) / Akademie für Alte Musik Berlin
12:10 aus: Die Fledermaus Johann Strauß (1825-1899) / Kirchschlager; Tonkünstler-Orchester NÖ; Eschwé
12:13 Principessa Richard Galliano (1950-) / Fresu; Galliano; Lundgren
12:18 Melodie in F, op. 3 Nr. 1 Anton Rubinstein (1829-1894) / Balazs Szokolay
12:23 1. Satz aus: Sinfonia turchesca C-Dur Franz Xaver Süßmayr (1766-1803) / Sarband; Concerto Köln
12:33 Adagio für Streicher und Orgel g-Moll Tomaso Albinoni (1671-1751) / Wolfgang Meyer; Berliner Philharmoniker; Herbert von Karajan
12:44 March of the two left feet Leroy Anderson (1908-1975) / Richard Hayman and his Orchestra
12:47 "Vado, ma dove? - Oh Dei!". Arie für Sopran und Orchester, KV 583 Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) / Kozena; Age of Enlightenment; Rattle
12:52 aus: Sinfonia concertante Es-Dur, op. 70 Franz Krommer (1759-1831) / Meyer; Rampal; Rolla; Franz Liszt KO
12:52 Old Shatterhand Melodie Martin Böttcher (1927-2019) / Orchestra Martin Böttcher
13:04 Quick-Step-Time Francis Drake "Pat" Ballard (1899-1960) / Münchner Rundfunk-Tanzorchester; Gert Wilden
13:08 Decarísimo. Bearbeitet für Violine und Gitarre Ástor Piazzolla (1921-1992) / Friedemann Eichhorn; Thomas Müller-Pering
13:12 Promenade. Bearbeitet für Klarinette und Orchester George Gershwin (1898-1937) / Silfies; Saint Louis SO; Slatkin
13:16 On s'aimera. Für Singstimme, Violine und Klavier Leo Ferre (1916-1993) / Petibon; Manoff; Radulovic
13:21 Kumru aus: 3 Ballades, op. 12 Fazıl Say (1970-) / Fazıl Say; casalQuartett
13:28 I want to be happy Vincent Youmans (1898-1946) / Stephane Grappelli
13:32 Tota pulchra es Maria Anton Bruckner (1824-1896) / Vladimir Nachazel; Prager Kammerchor; Josef Pancik
13:37 Canzonetta, op. 55 Nr. 1 Giuseppe Martucci (1856-1909) / Philharmonia Orchestra; Francesco D'Avalos
13:40 Wenn ich mit meinem Dackel Hans Lang (1908-1992) / Heinz Conrad
13:44 Nachtschwärmer. Walzer, op. 466 Carl Michael Ziehrer / Wiener Philharmoniker; Daniel Barenboim
13:52 aus: Sinfonia concertante für Oboe, Fagott und Orchester Nr 9 Giuseppe Maria Cambini (1746-1825) / Ciacci; Carlini; Orchestra di Padova e del Veneto

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