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Freitag, 28.01.2022

12:05 bis 14:00 Uhr

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Gustav Mahler | Bildquelle: Internationale Gustav Mahler Gesellschaft Wien

Bildquelle: Internationale Gustav Mahler Gesellschaft Wien

BR Franken BR-KLASSIK - Mittagsmusik

Am Mikrofon: Tobias Föhrenbach

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800 - 77 333 77.

Thema der Woche:
Adagio - Von der Schönheit der Langsamkeit

In der Ruhe liegt die Kraft, in der Langsamkeit die Schönheit. Im Blick auf die Musik gilt dies für zahllose Adagio-Sätze vom Barock bis zur Romantik und darüber hinaus. Das Adagio ist auch das Thema der Woche in der Mittagsmusik dieser Tage. Unter der Überschrift "Adagio - Von der Schönheit der Langsamkeit " präsentieren wir Ihnen jeden Tag ein Highlight in der Kunst des Adagio-Komponierens. Das "Adagio-Schöne" hat man diese atmosphärischen, ausdrucksvollen, gefühlsgeladenen Sätze genannt; sie laden ein zum Träumen und Schwelgen, zum Sich-Versenken und Dahinschmelzen. Natürlich gibt es eigenständige Adagios, doch liegt der angestammte Platz des langsamen Satzes seit der Wiener Klassik und deren Umkreis im Mittelfeld der Satzfolge von Sonate und Symphonie, Streichquartett und Solokonzert. Dort bildet er den Ruhepol zwischen den aktions- und temporeichen Satztypen - zwischen dem Kopfsatz und dem Scherzo oder zwischen dem Scherzo und dem Finale. Unser letztes Beispiel für das "Adagio-Schöne" ist ein langsamer Satz zwischen einem gigantischen Scherzo und einem gigantischen Finale. Allerdings trägt er als Überschrift nicht das Wort "Adagio", sondern dessen Verkleinerungsform - das "kleine" Adagio, kurz: das Adagietto.

Gustav Mahler - Adagietto

Seit der Visconti-Film "Tod in Venedig" Anfang der 1970er Jahre die Kinos eroberte, schmilzt die ganze Welt dahin, wenn es erklingt. In der Verfilmung von Thomas Manns gleichnamiger Erzählung über Liebe und Sehnsucht, Melancholie und Tod in der Lagunenstadt dient es als nahezu allgegenwärtige Begleit- oder Hintergrundmusik: das Adagietto aus Gustav Mahlers Fünfter Symphonie. Bis heute ist es Mahlers populärstes Stück, und dabei wurde es zum Inbegriff einer sehnsuchtstrunkenen, traumverlorenen und stimmungsvollen Ausdrucks- und Liebesmusik.

Liebeserklärung

In der Tat war das Adagietto ursprünglich auch als musikalische Liebeserklärung gedacht. Die Entstehung der Fünften Symphonie in den Jahren 1901 und 1902 fällt in die Zeit von Mahlers Verlobung und Heirat mit der fast zwanzig Jahre jüngeren Alma Schindler. Mahler sandte ihr das Manuskript des Adagiettos, wobei er der Stimme der Ersten Violinen zu Beginn Worte unterlegte:

"Wie ich Dich liebe, Du meine Sonne,
Ich kann mit Worten Dir's nicht sagen.
Nur meine Sehnsucht kann ich Dir klagen
Und meine Liebe, meine Wonne!"

Mit Streichern und Harfe

Im Kontext der riesig dimensionierten, über eine Stunde dauernden Fünften Symphonie vertritt das relativ kurze Adagietto den langsamen Satz (zwischen dem langen Scherzo und dem noch längeren Finale). Mahler reduzierte dafür das ansonsten groß besetzte Orchester auf eine Harfe und die Streicher. Die Harfe spielt durchwegs gebrochene Akkorde, von zarten Klangtupfern bis zu rauschenden Arpeggios, die Streicher entfalten ihr gesamtes expressives und klangfarbliches Potential. Ausgehend von dem berühmten Eröffnungsthema mit dem dreitönigen Auftakt, der in einen klangsinnlichen Septakkord mündet - davon ausgehend entwickelt sich die Musik in mehreren Wellen der Spannung und Entspannung. Momente, in denen die Zeit still zu stehen scheint, wechseln mit sehnsuchtsvoll drängenden und fordernden Passagen. Am Ende verrauscht alles im kraftvollen, vielfach aufgefächerten Streichersatz und volltönenden Harfenakkorden.

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:10 aus: Gräfin Mariza Emmerich Kalman (1882-1953) / Beczala; RPO; Borowicz
12:16 Ungarischer Tanz Nr. 6 Des-Dur für Klavier zu vier Händen Johannes Brahms (1833-1897) / Alfons Kontarsky; Alois Kontarsky
12:20 Cicerenella N. N. / Neapolis Ensemble
12:26 4, Satz aus: Sinfonie Nr. 5 cis-Moll Gustav Mahler (1860-1911) / Berliner Philharmoniker; Herbert von Karajan
12:39 aus: Musique pour faire plaisir Jean Francaix (1912-1997) / Bläserensemble Mainz; Klaus Rainer Schöll
12:42 aus: Il pittor parigino Domenico Cimarosa (1749-1801) / Kincses; Klietmann; Salieri-Kammerorchester; Pal
12:53 Galavant Frederic Curzon (1899-1973) / Slowakisches RSO; Leaper
12:53 Blumenwalzer aus: Nußknacker-Suite, op. 71a Peter Tschaikowsky (1840-1893) / Chicago SO; Claudio Abbado
13:05 Fang's fröhlich an Kurt Herrlinger (1918-2003) / Salonorchester Cölln
13:08 Parlami d'amore, Mariù Cesare Andrea Bixio (1896-1978) / Jonas Kaufmann
13:14 Scherzando für Sinfonieorchester Nr. 5 E-Dur, Hob II:37 Joseph Haydn (1732-1809) / Haydn-Ensemble Berlin
13:22 Die Schlittschuhläufer. Walzer, op. 183 Émile Waldteufel (1837-1915) / Münchner RO; Franz Bauer-Theussl
13:32 aus: Il prigioniero fortunato Alessandro Scarlatti (1660-1725) / Simone Kermes; Le Musiche Nove; Claudio Osele
13:34 Alexander's Ragtime Band Irving Berlin (1888-1989) / Travelin'Light
13:40 Dorfmusikanten-Sextett Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) / The English Concert; Andrew Manze
13:45 "Wolferl, it's wonderful!", HV op. 51a George Gershwin (1898-1937) / Opera Swing Quartet
13:48 What a wonderful world George David Weiss (1921-2010) / Terfel; Mormon Tabernacle Choir; Orchestra at Temple Square; Wilberg
13:49 Seid umschlungen, Millionen!. Walzer, op. 443 Johann Strauß (1825-1899) / Berliner Philharmoniker; Harnoncourt

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