BR-KLASSIK

Inhalt

Montag, 14.03.2022

12:05 bis 14:00 Uhr

BR-KLASSIK

zur Übersicht
Johann Sebastian Bach | Gemälde Elias Gottlob Haussmann | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

BR Franken BR-KLASSIK - Mittagsmusik

Mit Susanne Kruse

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800 - 77 333 77.

Konzertierte Aktionen – Vom Concerto grosso zur Big Band

Sonate, Symphonie und Streichquartett, Oper, Oratorium und Lied - dies sind zentrale Formen und Gattungen der klassischen Musik. Im Thema der Woche der Mittagsmusik kreisen wir dieses Mal um eine andere wichtige Form und Gattung: das Konzert, und zwar nicht speziell um das Solokonzert (wie zum Beispiel das Konzert für Violine und Orchester), sondern um das Konzert für mehrere Solo-Instrumente und Orchester. Unter der Überschrift "Konzertierte Aktionen - Vom Concerto grosso zur Big Band" präsentierten wir Ihnen jeden Tag ein Beispiel für diese Konstellation.

Zwietracht und Eintracht

Um das konzertante Prinzip zu begreifen, muss man vorab einen Blick auf die Herkunft des Wortes "Konzert" als musikalischem Gattungsbegriff werfen. Es leitet sich einerseits her vom lateinischen "concerto", was so viel wie streiten, kämpfen oder disputieren bedeutet, andererseits kommt es vom italienischen "concertare", das für das genaue Gegenteil steht, nämlich für zusammenwirken, in Übereinstimmung bringen, zu einem Einvernehmen kommen. Konkurrieren und Zusammenarbeiten - es ist ein Paradoxon. Und auf den Punkt bringt dieses Paradoxon der Titel einer Kantate von Johann Sebastian Bach aus dem Jahr 1726. Er lautet "Vereinigte Zwietracht der wechselnden Saiten". Für die widersprüchlichen Grundbedeutungen des Begriffes "Konzert" ist der Kantatentitel eine treffende Metapher. In ihr kommt exakt zum Ausdruck, was den Kern des dualistischen Konzertprinzips bildet: Das Mit- und Gegeneinander konkurrierender und vereinter musikalischer Kräfte.

Concerto grosso oder Gruppenkonzert

Es ist wohl kein Zufall, dass der Eingangschor der Kantate eine Bearbeitung des rund sieben Jahre zuvor entstandenen dritten Satzes aus dem Ersten von Bachs Sechs Brandenburgischen Konzerten ist. In der originalen, in französischer Sprache gehaltenen Titelformulierung bezeichnete Bach die sechs Werke als "Concerts avec plusieurs Instruments", als "Konzerte für mehrere Instrumente". Bei den Brandenburgischen Konzerten handelt es sich also nicht um Solokonzerte, nicht um Konzerte für ein Solo-Instrument und Orchester. Vielmehr sind Bachs Brandenburgische Konzerte sogenannte "Gruppenkonzerte" oder - nach der weiter verbreiteten italienischen Bezeichnung - "Concerti grossi". Dabei steht dem Orchester nicht nur ein Solo-Instrument gegenüber, sondern mindestens zwei oder drei. In Bachs Erstem Brandenburgischen Konzert sind es eine Solo-Violine sowie drei Oboen und zwei Hörner, die mit dem Tutti, bestehend aus einem Streicherensemble plus Basso continuo, konzertieren. Eine Vielzahl von Möglichkeiten der Konfrontation und Kombination zwischen der Solo-Violine, den Bläsern und dem Tutti werden durchgespielt. Damit aber erscheint das Solo im konzertanten Diskurs nicht als Aktion eines Einzelnen, sondern eben als eine "konzertierte Aktion", als ein gemeinsames Agieren.

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:08 La Campanella. Etüde gis-Moll, S 141 Nr. 3 (R 3b Nr. 3) Franz Liszt (1811-1886) / Yundi Li
12:13 Oh, temerario Arbace! - Per quel paterno amplesso Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) / Gens; Orchestra of the Age of Enlightenment; Bolton
12:20 Tiger Rag Original Dixieland Jazz Band / Sabine und Wolfgang Meyer; Bigband der Bamberger Symphoniker; Metzmacher
12:23 Chiacona Antonio Bertali (1605-1669) / L'Arpeggiata; Pluhar
12:30 aus: Brandenburgisches Konzert Nr. 1 F-Dur, BWV 1046 Johann Sebastian Bach (1685-1750) / Halstead; Rutherford; The English Concert; Pinnock
12:36 Valse-Improvisation (sur le nom de Bach), FP 62 Francis Poulenc (1899-1963) / Pascal Roge
12:38 aus: Sinfonie Nr. 6 D-Dur, op. 60, B 112 Antonin Dvorak (1841-1904) / Staatsphilharmonie Nürnberg; Bosch
12:48 aus: Il matrimonio segreto Domenico Cimarosa (1749-1801) / Hampson; Ramey; Münchner RO; Gomez-Martinez
12:51 aus: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 f-Moll, op. 5 Ferdinand Hiller (1811-1885) / H.Shelley; Tasmanian SO
13:05 Mozart Ouvertüre Reynaldo Hahn (1874-1947) / Nürnberger Symphoniker; Wong
13:10 aus: Armida Antonio Salieri (1750-1825) / Reiss; L'arte del mondo; Ehrhardt
13:15 aus: Suite española Gaspar Sanz (1640-1710) / Narciso Yepes
13:21 Air norvegien für Violine und Orchester, op. 7 Johan Halvorsen (1864-1935) / Kang; Slowakisches Radio-Symphonieorchester Bratislava; Leaper
13:32 Alice-Polka, op. 238 Johann Strauss (1804-1849) / London Symphony Orchestra; Georgiadis
13:36 Wedding cake, op. 76 Camille Saint-Saens (1835-1921) / Lortie; PhO Bergen; N.Järvi
13:43 Corri amica, 1. Akt aus: Belisari Gaetano Donizetti / Stroppa; Coro e Orchestra Donizetti Opera; Frizza
13:49 Konzertwalzer Nr. 2 F-Dur, op. 51 Alexander Glasunow (1865-1936) / Bamberger Symphoniker; N.Järvi
13:49 aus: Slowakische Suite, op. 32 Vitězslav Novak (1870-1949) / Tschechische Philharmonie Prag; Neumann
13:54 aus: Der Zarewitsch Franz Lehar (1870-1948) / Ursula Schirrmacher; Willy Hofmann

    AV-Player