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Freitag, 18.03.2022

12:05 bis 14:00 Uhr

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Dave Brubeck Quartet in Colston Hall, Bristol, 1958. Brubeck (Klavier) and Eugene Wright (double bass) | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

BR Franken BR-KLASSIK - Mittagsmusik

Mit Susanne Kruse

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800 - 77 333 77.

Konzertierte Aktionen - Vom Concerto grosso zur Big Band

Wettstreit und Teamwork, Diskurs und Agreement, Konfrontation und Kombination - alle diese Gegensätze schwingen in dem Wort "Konzert" als musikalischem Gattungsbegriff mit. Leitet er sich doch einerseits her vom lateinischen Wort "concerto", was so viel wie streiten oder disputieren bedeutet, andererseits kommt er vom italienischen "concertare", das für das genaue Gegenteil steht, nämlich für zusammenwirken und in Übereinstimmung bringen. Dieses Mit- und Gegeneinander prägt die konzertanten Spielarten - vom spätbarocken Concerto grosso über das Solokonzert und die Sinfonia concertante bis zum Big-Band-Stil der Swing-Ära und darüber hinaus. Im Thema der Woche der Mittagsmusik präsentieren wir Ihnen jeden Tag ein Beispiel für das Prinzip der Konzertierten Aktion.

Alles in einem

Eine grandiose Realisierung im musikalischen Grenzbereich zwischen "E" und "U" fand dieses Prinzip in einem Werk, das zugleich Concerto grosso und Konzertante Symphonie ist, Klavierkonzert und Saxophonkonzert, Big-Band-Stück und symphonisches Orchesterwerk. Es heißt "Dialogues for Jazz Combo and Orchestra", besteht aus vier Sätzen und stammt von Howard Brubeck, dem älteren Bruder des legendären Jazzpianisten Dave Brubeck, dem Komponisten des notorischen 5/4-Takt-Evergreens "Take Five". Die "Dialogues", die "Dialoge" von Howard Brubeck datieren vom Ende der 1950er Jahre und wurden im Dezember 1959 in New York erstmals aufgeführt. Kurz darauf spielten die Interpreten der Uraufführung das Werk auf Schallplatte ein. Es war das Dave Brubeck Quartet mit Dave Brubeck (Klavier), Paul Desmond (Altsaxophon), Joe Morello (Schlagzeug) und Eugene Wright (Bass). Dieser vierköpfigen Jazz Combo, die in Begriffen der Concerto-grosso-Praxis gleichsam das Solo oder das Concertino darstellt, standen als Tutti, Ripieno oder Concerto grosso die New Yorker Philharmoniker gegenüber. Die Leitung hatte Leonard Bernstein.

Konzertierte Aktion von Jazz und Symphonik

Der erste Satz ist eine hektische Großstadmusik, wirft das Publikum gewissermaßen mit Vehemenz hinein in den brodelnden Hexenkessel von New York City. Das musikalische Geschehen wird zunächst vom schweren Blechbläser-Apparat der New Yorker Philharmoniker angeführt. Nach einem zündenden Beckenschlag hat dann Dave Brubeck am Klavier seinen ersten Solo-Auftritt, gefolgt von Paul Desmond mit seinem Altsaxophon über einem samtenen Klangteppich der "philharmonischen" Streicher - alles kontrapunktiert oder kommentiert von Bläser-Einwürfen. Von Anfang an auch immer mit dabei: Der Bassist Eugene Wright und der Schlagzeuger Joe Morello, dessen Drum-Set sich leicht gegen jedes 100-Mann-Symphonieorchester durchzusetzen vermag. Mannigfache Möglichkeiten der Kombination und Konfrontation von Combo und Orchester werden durchgespielt. Gegen Ende findet sogar ein Rollentausch statt: Der Jazzer Dave Brubeck begleitet am Klavier das klangschöne Englischhorn-Solo seines New-Yorker-Philharmoniker-Kollegen - Konzertierte Aktionen, die Jazz und Symphonik zu einem Feuerwerk instrumentaler Virtuosität entzünden.

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:08 The bluebell of Scotland, Hob XXXIa:176 Joseph Haydn (1732-1809) / Klaus Mertens
12:12 Are mou rindineddha. Griechisch-Salentinische Volksweise Unbekannt / Capezzuto; L'Arpeggiata; Pluhar
12:18 aus: Suite Brasileira. Für Orchester Alberto Nepomuceno (1864-1920) / Minas Gerais Philharmonic Orchestra; Fabio Mechetti
12:22 Baïlero aus: Chants d'Auvergne Joseph Canteloube (1879-1957) / Gens; Orch. National de Lille; Casadesu
12:29 aus: Dialoge für Jazz-Ensemble und Orchester Howard R. Brubeck (1916-1993) / Dave Brubeck Quartet; New York Philharmonic; Bernstein
12:36 Jeux interdits. Romance für Gitarre Narciso Yepes (1927-1997) / Narciso Yepes
12:39 Ballettmusik zur Oper "Idomeneo" für Orchester, KV 367 Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) / SO des BR; Colin Davis
12:53 Blumenwalzer; aus: Nußknacker-Suite, op. 71a Peter Tschaikowsky (1840-1893) / Chicago SO; C.Abbado
12:55 aus: Der Rosenkavalier Richard Strauss (1864-1949) / Francisco Araiza; Münchner RO; Heinz Wallberg
13:05 Ouvertüre aus: La scala di seta. Farsa comica Gioachino Rossini (1792-1868) / Bamberger Symphoniker; Giuseppe Patane
13:12 Hawai. Tango für Violine, Violoncello und Klavier Peter Ludwig (1951-) / Tango a trois
13:16 Ballettmusik Nr. 2 G-Dur Franz Schubert (1797-1828) / Age of Enlightenment; Mackerras
13:24 A Paris Francis Lemarque (1917-2002) / Anne Sofie von Otter; Bengan Janson; Olle Linder
13:30 aus: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg Richard Wagner (1813-1883) / Christian Gerhaher; Symphonieorchester des BR; Daniel Harding
13:37 aus: Konzert für Violine und Orchester e-Moll, op. 64 Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) / Liza Ferschtman; Het Gelders Orkest; Kees Bakels
13:44 aus: La dolce vita. Suite für Jazz-Orchester Nino Rota (1911-1979) / Orchestra del Teatro alla Scala di Milano; Riccardo Chailly
13:47 Imagine John Lennon (1940-1980) / John Lennon; Plastic Ono Band
13:49 Seid umschlungen, Millionen!. Walzer, op. 443 Johann Strauß (1825-1899) / Berliner Philharmoiker; Harnoncourt

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