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Donnerstag, 26.05.2022

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Joseph Joachim Raff (1822 - 1882)
nach einem Stahlstich von August Weger | Bildquelle: gemeinfrei

Bildquelle: gemeinfrei

BR-KLASSIK - Blasmusik in Frack und Fliege

Zum 200. Geburtstag von Joachim Raff (II)

Ein Schweizer vom Zürichsee

Ja! es gibt auch Komponisten aus der Schweiz. Mehr als 300 Namen verzeichnen einschlägige Listen. Doch erscheinen in diesen die allermeisten erst seit dem späten 19. Jahrhundert auf der "Tonschöpfer"-Bildfläche. Ein zu Unrecht lange vernachlässigter Eidgenosse wurde vor 200 Jahren, am 27. Mai 1822, in Laachen am östlichen Zürichsee geboren, beinahe Mathematiker, Philologe und Philosoph und realer Musikjournalist, Lehrer und Komponist: Joachim Raff.

Ein Vielschreiber? zwischen Mendelssohn undLiszt

Zeit Lebens blieb er ein zerrissener Wanderer zwischen dem "traditionsorientierten" Felix Mendelssohn-Bartholdy, dem er auch seine ersten musikalischen Gehversuche anvertraute, und dem progressiv "neudeutschen" Franz Liszt, für den er sechs Jahre lang als "Privatsekretär" arbeitete, zahlreiche seiner Werke instrumentierte und sich letztlich aus dessen "Fesseln" befreite, um sich nicht selbst instrumentalisieren zu lassen und, mangels Freiraum, als Komponist unterzugehen.
Diese Selbständigkeit hatte jedoch ihren Preis. Wegen seiner unglaublichen Produktivität kritisierten ihn seine Zeitgenossen als "Vielschreiber" und "Eklektiker". Wollte man sein gesamtes verfügbares Opus am Stück hören, müsste man sich schon gut 100 Stunden Zeit nehmen.

Zudem kam seine zwar revolutionäre, bisweilen aber auch sehr rüpelhafte Wesensart weder im persönlichen Umgang mit anderen noch in seinen Aufsätzen besonders gut an. Er blieb weitgehend allein. Und dennoch wurde sein Wirken die letzten fünf Lebensjahre bis 1882 vom Chefposten des Hoch’ schen Konservatoriums in Frankfurt gekrönt. Hier hatte Raff großes Geschick darin bewiesen, das Institut mit berühmtem Lehrpersonal zu bereichern, unter anderem mit Clara Schumann als Klavierlehrerin.

Eingängig und geschätzt ... und doch vergessen

Als Komponist wurde Joachim Raff zu Lebzeiten durchaus wahrgenommen und auch geschätzt, geriet aber als Anachronist dennoch bald in Vergessenheit. Glatt und elegant kommen seine Kompositionen daher, sehr geschmackvoll, eingängig und immer wieder auch geschmückt mit progressiven Ansätzen, jedoch ohne traditionelle Formen wirklich zu durchbrechen.
Also doch eher Mendelssohn als Liszt?


Stephan Ametsbichler deckt es auf, in Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Richard Wagner, und nicht zuletzt in Raffs eigener "frühlingshaften" Sinfonietta, op. 188 für zehn Bläser aus dem Jahre 1873.

Joachim Raff - ein vergessener Meister im Spannungsfeld zwischen Mendelssohn und Liszt
Von Stephan Ametsbichler
Mit Bläserwerken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Joachim Raff, Franz Liszt und Richard Wagner

Siehe auch Mittwoch, 25. Mai 2022, 20.05 Uhr

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