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Freitag, 08.07.2016

12:05 bis 14:00 Uhr

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Wynton Marsalis | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Mittagsmusik

Mit Gerhard Späth

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800-7733377.

Mittagsmusik - Thema der Woche
Satchmo, Bix, Miles und Co – Trompeterlegenden des Jazz

Traditionell attestiert man ihr das "königliche Instrument des Jazz" zu sein. Durch Ihren brillanten, strahlenden Ton besitzt sie klare Führungsqualitäten: die Trompete. Vor allem in der Frühzeit des Jazz kam ein Ensemble nicht ohne die "lead"-Stimme einer Trompete aus. Und es ist sicherlich auch kein Zufall, dass mit Louis Armstrong ein Trompeter zu einer der einflussreichsten Figuren des Jazz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde.  Seinen 45. Todestag am 6. Juli nimmt die Mittagsmusik zum Anlass, einige der größten Jazztrompeter in den Mittelpunkt zu stellen.

Bix Beiderbecke (1903 – 1931) – Der Lyriker
Der Name von Bix Beiderbecke ist leider nur noch eingefleischten Jazzfans ein Begriff. Dabei gehört er – trotz seines kurzen Lebens – zu den stilbildenden Musikern seiner Zeit.
Beiderbecke kam aus einer gutbürgerlichen, musikalischen Familie. Der Vater war Sohn deutscher Einwanderer, die Mutter Tochter eines Mississippi-Kapitäns. Auf den Riverboats, die den Mississippi von Memphis, St. Louis oder New Orleans in Beiderbeckes Geburtsstadt Davenport vorbeikamen, hörte der junge Musiker begeistert die Klänge der Jazzbands.
Er brachte sich selbst das Kornettspielen bei und war schon bald selbst ein wichtiger Solist in der Jazzszene der 20er Jahre: mit seinem feinen Klang, seiner lyrischen und zarten Spielweise und seinen wunderbar ausbalancierten Improvisationen.
Vermutlich hatte kein anderer weißer Jazzmusiker so viele Nachahmer und Nachfolger, die sich auf ihn beriefen. Die Linie reicht bis zu den "coolen" Trompetengrößen wie Miles Davis oder Chet Baker. Leider wurde der selbstkritische, introvertierte Bix Beiderbecke nur 28 Jahre alt. Der Alkohol richtete ihn zugrunde.

Miles Davis (1926 -1991) – Der Coole
"Niemals wurde in der Jazzgeschichte das Phänomen der Einsamkeit so eindringlich examiniert wie von Miles Davis". Das schrieb ein englischer Jazzkritiker und trifft den Charakter der Musik von Davis sehr genau. Der typische Miles-Davis-Ton ist der Ton der Trauer und Resignation. Lange lyrische Bögen, wenig Vibrato, gehaucht und heiser.
Das gilt für alle stilistischen Phasen, die dieser wandlungsfähiger Musiker im Lauf seines 65jährigen Lebens durchlaufen hat. Vom Bebop an der Seite Charlie Parkers über den Cool Jazz, den Hard-Bob, den Electric Jazz und den Jazz-Rock seiner letzten Jahre.
In all den Jahrzehnten hat Miles Davis Meilensteine der Jazzgeschichte hinterlassen. Eines seiner erfolgreichsten Alben, "Kind of Blue", wurde anlässlich des 50. Jahrestags seiner Entstehung sogar vom Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten als "nationales Kulturgut" gewürdigt.   

Louis Armstrong (1901 – 1971) – Der Energetische
Um das Phänomen "Satchmo" einigermaßen zu erfassen, mögen Zitate seiner nicht minder einflussreichen Kollegen Dizzy Gillespie und Duke Ellington helfen: "Louis Position in der Jazzgeschichte  ist ohne Vergleich. Wenn es ihn nicht gegeben hätte, gäbe es uns nicht". "Er war der höchste Ausdruck des Jazz und wird es immer bleiben."
Die Karriere des 1901 in New Orleans geborenen Armstrong kannte nur eine Richtung: aufwärts. Ob nun seine Aufnahmen mit den Hot Five oder Hot Seven, seine legendären All Stars, Duette mit Ella Fitzgerald oder Auftritte mit Big Bands – bei Louis Armstrong besticht immer seine ungeheure Authentizität.
Es gibt nur wenige Künstler, bei denen Werk und Persönlichkeit so eng miteinander verflochten sind. Anders ließe sich auch sein Erfolg als Sänger nicht erklären, denn an der Schönheit oder Qualität seiner sandigen Reibeisenstimme kann es sicher nicht gelegen haben. "Die Leute lieben mich und meine Musik, denn sie wissen: ich liebe sie und betrüge sie nicht."

Chet Baker (1929-1988) – Der Sanfte
Die vielleicht tragischste Figur unter den Jazztrompetern des 20. Jahrhunderts ist Chet Baker.
Weich, lyrisch und sanft klingen sein Spiel und sein Gesang – ein krasser Gegensatz zu seinem Leben, denn Bakers Karriere war von massiven Drogenproblemen überschattet. Zwar startete er als "große weiße Hoffnung", gefördert von Charlie Parker und Gerry Mulligan, aber analog zu seinen Erfolgen als Musiker mehrten sich auch seine Gefängnisaufenthalte und Einträge ins Strafregister.
Aus dem blendend aussehende Jungstar wurde ein ausgezehrter Drogenjunkie, der ein unstetes Leben zwischen Amerika und Europa führte. Sein Leben lang plagten den Heimatlosen Zahn- und Ansatzprobleme, eine Not aus der Baker eine Tugend machte: er kultivierte seinen kleinen, fragilen Trompetenton und machte ihn zu einem unwiderstehlichen Markenzeichen.
Seine Auftritte konnten zum Fiasko oder zur Sternstunde werden, ein ständiger Balanceakt, der in dem Dokumentarfilm "Let's get lost" aus dem Jahr 1988 eingefangen wurde. Im selben Jahr starb Chet Baker beim Sturz aus einem Amsterdamer Hotelzimmer. Auch ein aktueller Film beschäftigt sich mit dem Leben Chet Bakers: "Born to be blue". Er wurde vergangene Woche in München auf dem Filmfest vorgestellt.

Wynton Marsalis (geb. 1961) –  Der Perfekte
Wynton Marsalis dürfte wohl der einzige Jazzmusiker sein, der gleichzeitig in zwei Kategorien mit einem Grammy ausgezeichnet wurde: als bester Solist im Jazz und für eine Einspielung im Klassikbereich. Die Ausbildung an der renommierten Juilliard School und sein jazzbesessenes Elternhaus in New Orleans legten hier die musikalischen Fundamente.
Bereits mit Anfang zwanzig war Wynton Marsalis ein Superstar, mit seinen Jazz-Ensembles ebenso wie mit seinen Klassikeinspielungen.
Stilistisch orientiert sich der fabelhafte Techniker an der Blues- und Gospeltradition, am Swing, an Worksongs und Spirituals.
Marsalis ist ein Botschafter des Jazz, nicht nur als Interpret sondern auch als Pädagoge - in Schulen ebenso wie in seiner Funktion als künstlerischer Leiter der Jazzabteilung des New Yorker Lincoln Centers. Auch wenn er aufgrund seiner konservativen Sichtweise  und seinem traditionsverhafteten Jazzverständnis hin und wieder Kritik erntet, gehört Marsalis zu den meist ausgezeichneten und einflussreichsten Jazzern unserer Zeit.

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:10 Eliza in Ascot Frederick Loewe (1901-1988) / Jenny Lin
12:20 Pueblito Viejo. Vals für Gitarre José A. Morales (1913-1978) / Andres Villamil
12:23 Rapsodia Cubana Ernesto Lecuona (1895-1963) / Thomas Tirino; Polish National RSO; Bartos
12:33 Taking A Chance On Love Vernon Duke / Wynton Marsalis
12:37 Sonata à 5 für Trompete, Streicher und Basso continuo, TV 7 Giuseppe Torelli / Wynton; English Chamber Orche Marsalis
12:43 Scene de la Csarda Nr.4, op.32 Jenö Hubay (1858-1937) / Hanslip; Bournemouth SO; Mogrelia
12:54 Friska aus: Ungarische Rhapsodie Nr.2, R 441 Nr.2 (S 359 Nr.2) Franz Liszt (1811-1886) / Cincinnati Pops; Kunzel
13:04 Ouvertüre aus: Maria Stuarda Gaetano Donizetti (1797-1848) / Münchner RO; Boncompagni
13:11 Intermezzo, 2. Akt aus: Adriana Lecouvreur Francesco Cilea (1866-1950) / BBC Philharmonic; Noseda
13:14 Zarambeques. "baile" der mexikanischen Negersklaven Lucas N. N.; Ruiz de Ribayaz y Foncea (1650-) / The Harp Consort; Lawrence-King
13:18 Le Bananier, op.5 Louis Moreau Gottschalk (1829-1869) / Linville; Hot Springs Music Festival
13:22 Maria aus: West Side Story Leonard 1918-1990 Bernstein / Hofmann; Los Angeles PhO; Tilson Thomas
13:25 Minuet, op.21 Edward Elgar (1857-1934) / New Zealand SO; Judd
13:30 Sinfonie F-Dur Josef Myslivecek (1737-1781) / Concerto Köln; Ehrhardt
13:41 Slawischer Tanz aus: Le roi malgre lui Emmanuel Chabrier (1841-1894) / Orch. National de France; Jordan
13:46 Improvisation Nr.15 e-Moll Francis Poulenc (1899-1963) / Pavlina Dokovska
13:49 L'accordéoniste Michel Emer / Edith Piaf
13:53 Vuelvo al sur Ástor Piazzolla / Richard Galliano

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